Landrat Josef Hauner appelliert an die Vermieter, auch sozial Schwächeren eine Chance zu geben.

Wohnungsnot im Landkreis Freising

Hauner: Vermieter sollen sozial Schwächeren eine Chance geben

Freising - Im Krisenmodus ist Landrat Josef Hauner schon seit Monaten. Woche für Woche muss seine Behörde Dutzende von Asylbewerbern unterbringen. Und auch wenn die Quote ab Montag von 80 auf 34 gesunken ist: Die Probleme werden nicht weniger.

Zusätzlich zu den Flüchtlingen, die im Landkreis ein Dach über dem Kopf benötigen, gibt es nun eine zweite Gruppe, die auf die Hilfe des Landratsamtes angewiesen ist: Diejenigen, die Asyl erhalten haben und sich nach dem Willen des Gesetzgebers nun eine eigene Bleibe suchen müssen. „Bezahlbarer Wohnraum ist im Landkreis Freising sehr knapp“, betont Landrat Josef Hauner. „Das bekommen auch die Asylberechtigten zu spüren, sobald sie die Flüchtlingsunterkunft verlassen müssen.“ Über 120 Fehlbeleger gibt es derzeit im Landkreis. Das sind die Personen, die in der Unterkunft verharren müssen, weil sie keine Wohnung finden. Wo es sich anbietet, versucht Hauner zu vermitteln.

„Sobald dem Landratsamt eine Einzelwohnung für Asylbewerber angeboten wird, weisen wir darauf hin, dass die Vermieter auch Fehlbeleger aufnehmen könnten“, berichtet der Landrat. Auch die Asylberechtigten würden informiert, sobald irgendwo eine bezahlbare Wohnung angeboten werde. Es ist ein Problem, das Fingerspitzengefühl erfordert. Denn das Prinzip der Gleichberechtigung gebietet, dass das Landratsamt nicht nur Asylbewerbern bei der Wohnungssuche hilft. „Es gibt auch viele andere, die auf geförderten Wohnraum angewiesen sind. Ich will da keinen Konkurrenzkampf aufkommen lassen“, betont Hauner. „Im Augenblick kann ich an die Vermieter nur appellieren, auch sozial Schwächeren eine Chance zu geben.“ Die Miete sei gesichert. Dafür garantiert das Jobcenter. Sowohl Langzeitarbeitslose als auch Asylberechtigte erhalten die selben Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II. Die entscheidende Frage für Hauner ist aber eine andere: „Wie kann man mehr Sozialen Wohnraum im Landkreis entstehen lassen – für Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger?“

Hauner baut auf Kommunen und nimmt Unternehmer in die Pflicht

Der Landrat baut auf die Kommunen. „Da müssen ja keine Riesenblöcke entstehen“, sagt er. „Es reicht in einer kleineren Gemeinde auch, zwei Doppelhaushälften hinzustellen.“ Der Zeitpunkt, Sozialwohnungen zu errichten, sei günstig, da es dafür momentan große Förderungen gebe, betont er und blickt ins Ampertal. „Das, was Kranzberg vorhat, ist grundsätzlich das, was ich mir wünsche.“ Wie berichtet, will Bürgermeister Hermann Hammerl dort nicht nur eine Flüchtlingsunterkunft errichten, sondern parallel dazu auch Sozialwohnungen. Hallbergmoos ist für Hauner ebenfalls ein gutes Beispiel. Die Gemeinde ist – nach 20 Jahren Pause – wieder im kommunalen Wohnungsbau aktiv: Am Tassiloweg entsteht für 1,4 Millionen Euro ein Gebäude mit neun Wohneinheiten. Das ist zwar nicht für Asylbewerber gedacht, sondern soll Kita-Personal und Gemeindebeschäftigten kostengünstigen Wohnraum bieten. Aber: Es sorgt für Entlastung auf dem Markt. 

Unternehmen sieht Hauner ebenfalls in der Pflicht und verweist auf das Beispiel FMG. Die Flughafengesellschaft plant nicht nur, auf eigenen Grundstücken bezahlbaren Wohnraum für die eigenen Mitarbeiter zu errichten, sondern will auch Wohnungen ankaufen. „Aber es gibt noch andere große Firmen im Landkreis, die sich bisher nicht dazu berufen fühlen, etwas zu tun“, betont der Landrat. Dem Landkreis selbst seien die Hände gebunden. „Denn wir haben kaum bebaubare Grundstücke. Und die wenigen, die wir haben, benötigen wir dringend für den Schulbau."

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