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Neuer Mann an der Spitze von TI Deutschland ist Andreas Schwaiger. Ein TI’ler von Grund auf.

Der neue Texas-instruments-geschäftsführer Andreas schwaiger blickt auf 50 Jahre TI in Freising

„Die Intelligenz entsteht hier“

Freising - Texas Instruments (TI) ist eine Erfolgsgeschichte auf dem Gebiet der Halbleiterfertigung – und das nun schon seit 50 Jahren. Das deutsche Herz des „Chip-Riesen“ in Deutschland schlägt seit 1966 in Freising. Auf die Erfolgsgeschichte von TI Deutschland (TID) blickt anlässlich des Jubiläums ein neuer Chef an der Spitze des deutschen Konzernstandorts zurück: Andreas Schwaiger (42). Er unterhielt sich mit dem stellvertretende FT-Redaktionsleiter Wolfgang Schnetz.

FT: Es war ein langer Weg vom ersten Taschenrechner bis heute. Ein Auf und Ab. TI in Freising heute – ist das gerade ein Auf?

Andreas Schwaiger: Auf alle Fälle. Grundsätzlich hat sich TI über die lange Zeit sehr positiv entwickelt und weltweit auf Entwicklungen immer sehr aktiv reagiert. Der Konzern TI hat jetzt eine 86-jährige Geschichte. Das ist schon sehr bemerkenswert auf dem Elektroniksektor. Wir sind ein gesundes Unternehmen. Hier in Freising sind wir für viele Bereiche, aber vor allem die Fertigung und die Adminstration von TI in 21 europäischen Ländern zuständig. Das Auf unterstützt vor allem die Tatsache, dass wir in Freising seit 50 Jahren eine Fertigungspräsenz haben. Das ist in der Hightech-Branche außergewöhnlich. TI in Freising ist zudem eine der wenigen Chip-Fabrikationsstätten, die es in Deutschland überhaupt noch gibt.

Ist TI Taktgeber von Entwicklungen?

Ja. Viele Projekte haben von Freising aus weltweite Bedeutung bekommen. Beispielsweise haben von hier aus verschiedenste Innovationen im Bereich der Mikroprozessortechnik ihren Weg in die Welt gefunden. Das macht den Standort Freising aus.

Wie viel wurde bisher in Freising investiert?

Es wurden seit 1966 rund 1,2 Milliarden Euro in den Ausbau des Standorts Freising investiert. Davon allein 800 Millionen in den vergangenen 15 Jahren. Das ist seitens der Konzernzentrale in Dallas ein klares Bekenntnis zum Standort Freising.

Was waren denn die wesentlichen Meilensteine der Historie hier am Standort Freising seit Inbetriebnahme der ersten Produktionsstätte 1966?

1966 ging’s los an der Kepserstraße. 1969 wurde der Neubau an der Haggertystraße fertiggestellt und 1970 eingeweiht. Dann kam die Erweiterung in fünf großen Schritten. Der größte Schritt war um die Jahrtausendwende der Ausbau der Chipfabrikation, der so genannten Wafer-Fab, auf den modernsten Stand der Technik. 1500 Mitarbeiter sind in Freising am Werk, um innovative Ideen zu kreieren und auf den Markt zu bringen. Unsere Unternehmensgeschichte ist geprägt von der kontinuierlichen Weiterentwicklung komplexer Halbleitertechnologien, um die Welt immer wieder aufs Neue zu verändern. Meine Aufgabe besteht darin, alle diese Fäden zusammenzubringen und koordinativ zu begleiten.

Wie hat sich die Produktion gewandelt? Was wird denn eigentlich heute in den Hallen an der Haggertystraße entwickelt und hergestellt?

Wir haben inzwischen rund 100 000 Produkte im Portfolio, die wir weltweit an etwa genauso viele Kunden vertreiben. Sie finden uns in vielen Produkten weltweit. Wir haben hier die Reinstraum-Fertigung von Siliziumscheiben, auf denen die Chips aufgebracht werden. Die Intelligenz entsteht hier in Freising. Im Bereich Halbleiter ist TI zudem weltweit Marktführer. Unglaubliche fünf Milliarden Chips verlassen das Werk in Freising jährlich. Wir sind mit unseren Produkten einfach überall zu finden.

Amerikanische Firmen beschwören oft den speziellen Spirit, die Belegschaft soll sich als Familie fühlen, sich dem Unternehmen besonders verbunden fühlen. Ist das bei TI in Deutschland auch so?

Es sind vor allem die Herausforderungen der täglichen Arbeit, die die Leute bei TI hält. Die ist anspruchsvoll, aber sie gibt den Mitarbeitern auch was zurück. Zudem haben wir schlanke Hierarchien und breite Veranwortlichkeiten. Und wir haben die Open-Door-Policy, die Politik der offenen Türen. Das heißt, wenn ein Mitarbeiter ein Problem hat, kann er jederzeit zu mir oder einer anderen Führungskraft kommen.

Es gibt also diese langjährige Bindung an TI?

Auf alle Fälle. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter hier in Freising. Ich selbst bin ja ein Beispiel dafür. Ich bin jetzt seit 19 Jahren bei TI in Freising, seit meinem Betriebswirtschafts-Studium in Landshut. Und ich habe fast jeden Monat einen Mitarbeiter, dem ich zum 40-jährigen Jubiläum gratuliere.

Und die Familie TI Deutschland?

Die ist schon bemerkenswert: Wir sind zwar ein internationales Unternehmen und haben hier in Freising 58 Nationalitäten angestellt. Doch der Zusammenhalt überschreitet die Nationalitätengrenzen. Da gibt es dann schon mal das italienische oder das russische Mittagessen in der Kantine. Und es gibt viele Freundschaften, die sich über die Firma hinaus gebildet haben. Das alles ist aus sich heraus gewachsen.

Ist der oft beklagte Facharbeitermangel ein Thema für TI? Und finden Sie derzeit genügend Auszubildende?

Geeigneten Nachwuchs zu finden, wird immer schwieriger. Denn worauf wir abzielen, sind hochausgebildete junge Leute, vor allem Elektroingenieure. Aber auch kaufmännische Experten sind für uns wichtig, genauso wie Fachleute für Chemie und Physik. Deswegen unterstützen wir die MINT-Initiative an den Schulen, die den mathematisch-naturwissenschaftlichen und den Ingenieursbereich fördern soll. TI ist aber auch an den Universitäten präsent – sei es durch Präsentationen oder auch Produkte, die wir dort zur Verfügung stellen. Damit versuchen wir, Interesse zu wecken, die frühzeitige Bindung an den Konzern zu erreichen und Lücken zwischen Hochschule und Wirtschaft zu schließen. Aber auch die Politik muss MINT stärker forcieren. Die Berufe werden ja in der Zukunft immer noch digitaler. Politik und Wirtschaft müssen da noch mehr gemeinsame und innovative Wege finden. Zudem gibt es in Deutschland immer noch zu wenige Frauen, die MINT-Berufe studieren.

TI Deutschland ist einer der größten Arbeitgeber in Freising und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt und den Landkreis. Wie ist das Verhältnis? Empfinden Sie Freising als wirtschaftsfreundlich?

Die Kommunen haben stets unseren Weg begleitet. TI hat ein sehr gutes Verhältnis zu Landrat Josef Hauner und OB Tobias Eschenbacher. Wir wollen ein guter Nachbar sein. Deshalb engagieren sich unser Unternehmen und die Mitarbeiter für viele Organisationen und Initiativen wie etwa die Lebenshilfe, Kindergärten oder das Kinderheim St. Klara. Es gibt da viel ehrenamtliches Engagement unserer Mitarbeiter, die dafür viel Freizeit verwenden, beispielsweise auch im Rahmen unserer Betriebssportgruppe TexIns.

Sieht sich das Unternehmen hier eher als US-Firma oder als deutsches Unternehmen? Oder ist TI Freising sogar ein bayerisches Unternehmen? Oder von allem etwas?

Wir sind erst einmal international. Und dann sind wir natürlich bayerisch wegen des Standorts Freising, und texanisch wegen des Konzernsitzes in Dallas. Das Interessante ist ja, dass sich Bayer und Texaner nicht unähnlich sind. Dementsprechend passt das schon (schmunzelt). Vielleicht passt der Standort TID deshalb besser hier nach Freising als in nördlichere Gefilde. Wichtig ist aber auch die gute Kooperation mit der Muttergesellschaft. Denn eins ist klar: Wir müssen uns das Vertrauen, das der Konzern in uns setzt, erfüllen. Geprägt hat uns aber die Internationalität.

Seit einem halben Jahrhundert ist der Konzern jetzt in Freising angesiedelt. Wie sieht TI Deutschland in zehn Jahren aus? Wo soll die Reise hingehen? Was sind die Ziele?

Wir müssen auch in Zukunft immer wieder kreative und innovative Entwicklungen finden. Und es gilt, die Präsenz hier in Deutschland zu sichern. Einer der Bereiche der Zukunft ist in Deutschland vor allem die zunehmende Automation, auch daheim. Dies gilt es weiter auszubauen, aber auch weltweit abzusetzen. Wir müssen weiter flexibel auf Marktentwicklungen reagieren. Aber da wir in Freising sehr breit aufgestellt sind, lässt uns das eine positive Zukunft erwarten. Man darf sich halt nie zurücklehnen, sondern muss immer am Ball bleiben.

Zur Person:

Andreas Schwaiger (42), geboren in Straubing, studierte von 1992 bis 1997 Betriebswirtschaft an der Uni Landshut. Danach fing er bei TI an.

Über verschiedenste Stufen innerhalb des Unternehmens wurde er im Jahr 2013 „Director Finance, Operations & Business Services“, also Finanzchef für den Bereich EMEA, den Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika, in dem TI stark präsent ist.

2016 wurde er zusätzlich zum Geschäftsführer von TI Deutschland bestimmt. Er ist damit der Nachfolger von Wolfram Tietscher, der TID über 15 Jahre als Chef vorstand, aber dem Unternehmen insgesamt über 30 Jahre angehörte

Andreas Schwaiger ist verheiratet und der Vater zweier Töchter. Der bekennende FC-Bayern-Fan und auch begeisterte Breitensportler („Fürs Laufen und Skifahren muss immer Zeit sein“) lebt mit seiner Familie in Landshut.

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