"Das macht einen fassungslos"

Interview mit OB Tobias Eschenbacher: Wie hat sich der Hochwasserschutz entwickelt?

Freising - Bei den Bildern aus dem überfluteten Niederbayern musste auch der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher schwer schlucken. Die Stadt Freising hat seit dem Hochwasser 2013 kontinuierlich an Schutzmaßnahmen gearbeitet. Der OB sagt aber: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.

Herr Eschenbacher, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Bilder von überfluteten Straßen in Simbach sehen?

Es ist schon hart, was passiert ist. Natürlich denke ich da auch an das Freisinger Hochwasser von 2013 zurück. Ich war damals viel bei der Feuerwehr und habe gesehen, wie die Katastrophenhelfer bis zum Rande der Erschöpfung im Einsatz waren. Und die Situation in Niederbayern ist ja noch viel brutaler: Menschen sind gestorben. Das macht einen fassungslos.

Vor allem, weil so etwas auch in Freising passieren könnte?

Natürlich. So einem Starkregenereignis kann man nicht zu 100 Prozent vorbeugen. Wenn innerhalb weniger Stunden fast 60 Liter auf den Quadratmeter fallen wie in Simbach, versagen auch alle Vorwarnsysteme.

Kann sich 2013 wiederholen?

Ich hoffe nicht. Seitdem hat sich bei uns einiges getan. Wir haben Wehr - und Schleusenanlagen ertüchtigt, in den Gräbenbereichen Hubeinrichtungen nachgerüstet und einige Sofortmaßnahmen umgesetzt. Zum Beispiel haben wir den Durchfluss im Bereich der Bahnhofstraße – einem der neuralgischen Punkte – im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Allein diese Maßnahme hat uns schon weit vorangebracht. Die neuen Rohre haben einen doppelt so großen Durchmesser wie die alten. Und der Einbau eines Drosselbauwerks sorgt dafür, dass das Regenwasser insbesondere aus den Bereichen Garten-, Fabrik- und Saarstraße kontrollierter in die Schleifermoosach abgeleitet werden kann. Um hier wiederum nicht die Unterlieger zu belasten, wurde gleichzeitig die Abpumpmenge in die Isar erhöht.

Die geplanten Rückhaltebecken entlang der Gräben lassen allerdings auf sich warten. Und die hatten 2013 neben der Moosach großen Anteil an dem Problem.

Effektive Hochwasserschutzkonzepte sind einfach eine sehr komplexe Angelegenheit – allein schon, weil sie nicht an den Gemeindegrenzen aufhören können. Da müssen Oberlieger und Unterlieger beachtet werden. Es gibt auch klare Regeln, wie viel Wasser eine Kommune durchlaufen lassen darf. Aber wir befinden uns laufend in Gesprächen mit den Behörden und den Nachbargemeinden. Beispielsweise findet noch in diesem Monat ein Abstimmungsgespräch mit der Gemeinde Kranzberg statt. Dabei geht es um gemeinsame Maßnahmen am Thalhauser Graben. Insgesamt sind wir schon auf einem ganz guten Weg.

Was macht Sie optimistisch?

Uns liegen jetzt schon alle Berechnungen vor. Das ist wichtig, weil wir im Fall des Falles wissen, wo die gefährdeten Stellen sind, und wo wir eingreifen müssen. So können wir vor Ort gezielt Barrieren errichten. Das heißt, dass wir einem Hochwasserfall schon jetzt besser begegnen können – allerdings nur mit Hilfe vieler Einsatzkräfte.

Wann wird Freising baulich für ein 100-jährliches Hochwasser präpariert sein?

Da die Konzepte Eingriffe in Privateigentum vorsehen, müssen hier Grundstückskäufe und/oder Dienstbarkeiten verhandelt werden. Zudem müssen wir sämtliche Maßnahmen mit den beteiligten Behörden abstimmen. Wenn aber alles gut läuft, könnten wir alle Maßnahmen in drei bis vier Jahren umgesetzt haben. Mittelfristig ist es natürlich unser Ziel, dass auch ein 100-jährliches Hochwasser so an Freising vorbeigeht. Dass auch ohne große Hilfe von Einsatzkräften weder Straßen noch Keller geflutet werden. So wie es aussieht, hat Simbach aber mehr als ein 100-jährliches Hochwasser erlebt, und dafür reicht dann selbst unser Hochwasserschutzkonzept mit seinen millionenschweren Maßnahmen nicht aus. Daher muss uns eines klar sein: 100-prozentige Sicherheit gibt es einfach nicht.

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