Irlstofer zu seiner Starkbierfest-Idee

„Man muss das in Relation bringen“

Freising - Das ist starker Tobak, oder besser gesagt starkes Bier: Der Freisinger CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer hat die Idee, zeitgleich zum Nockherberg ein Starkbierfest in Kloster Scheyern zu veranstalten.

Mehr noch: Während möglicherweise erneut Luise Kinseher der bayerischen Politikerelite als Bavaria die Leviten liest, will Irlstorfer parallel dazu – wie zu früheren Zeiten – im Mönchsgewand eine Fastenpredigt halten. Im FT-Interview berichtet er, wie er zu diesem Einfall gekommen ist, was ihm an der Bavaria nicht gefallen hat, und mit welcher Marschroute er sein Comeback als Bruder Emmeram meistern will.

Herr Irlstorfer, wie sind Sie denn darauf gekommen, zeitgleich zum Nockherberg ein Starkbierfest auszurichten?

Ich hatte die Idee bei einer Veranstaltung der Seniorenunion in Kloster Scheyern. Zu Gast war auch die Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die erklärt hat, dass sie nächstes Jahr nicht auf den Nockherberg geht. Und weil ich neben Pater Lukas saß, der sich um die Brauerei in Scheyern bemüht, habe ich ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, ein Starkbierfest zu veranstalten, das am Tag des Nockherberg-Auftags stattfindet.

Und dem hat die Idee gut gefallen.

Genau. Darum habe ich Frau Stamm bei meinem Schlusswort gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, zu diesem Starkbierfest ins Kloster Scheyern zu kommen. Sie hat das spontan bejaht. Aber: Es ist völlig falsch, hier von einer Gegenveranstaltung zu sprechen. Und es wird auch kein Duell zwischen Luise und Erich bei der Predigt geben.

Sie planen, Ihre Fastenpredigt zeitgleich zum Derblecken auf dem Nockherberg. Das ist doch eine Gegenveranstaltung.

Man muss das mal in Relation bringen. Der Nockherberg ist eine Institution in Bayern. Seit Jahrzehnten gibt es diese Tradition. Es ist ein Millionen-Unterfangen, bei dem Profis auf das Podium steigen. Neben dem Derblecken wird ein gigantisches Singspiel inszeniert. Wir hingegen machen ein Starkbierfest, wie es 30, 40 oder 50 in meinem Wahlkreis gibt, und ich werde mich als Laie an einer Fastenpredigt versuchen. Ich maße mir nicht an, eine Konkurrenz für Luise Kinseher zu sein. Das ist gar nicht meine Absicht.

Waren Sie denn dieses Jahr am Nockherberg?

Nein, ich hatte dafür keine Einladung, aber ich habe mir das Derblecken aber mit einigen Kollegen aus dem Bundestag angeschaut.

Haben Sie sich über den Auftritt der Bavaria denn auch so geärgert wie Barbara Stamm?

So eine Fastenpredigt ist vergleichbar mit einem kulinarischen Gericht. Dem einen schmeckt es, dem anderen nicht. Ich habe als Bruder Emmeram lange genug in Weihenstephan versucht, ein gutes Gericht zu kochen. Und die einen haben gesagt: „Klasse, da hast du super hingelangt.“ Andere haben gemeint: „Was hast Du denn da für einen Schmarrn geschrieben?

Und hat Ihnen das Gericht der Bavaria nun geschmeckt?

Ich fand das Gericht ordentlich, aber es hätte auch eine etwas andere Würze vertragen.

Inwiefern?

Das Wichtigste ist für mich, das Publikum zu unterhalten. Das ist mir etwas zu kurz gekommen. Die Fastenpredigt sollte fröhlich sein. Auf Bairisch sagt man: Es soll a bisserl g’fotzad sei.

G’fotzad?

Die Politiker sollen durchaus auf Wahrheiten hingewiesen werden, aber mit einem Lächeln und ohne zu beleidigen.

Es darf aber doch auch mal etwas nachdenklicher sein, wenn es die Zeiten erfordern. Im Hinblick auf CSU-Forderungen zu einer Begrenzung des Flüchtlingsstroms nach Deutschland hat sie gesagt: „Leid kennt keine Obergrenze.“ Da lohnt es sich doch auch für Politiker, mal drüber nachzudenken.

Es ist ihr auch gut gelungen, den nachdenklichen Aspekt reinzubringen. Aber die Frage ist: Wie weit geht man ins Persönliche?

Wo war es denn Ihrer Meinung nach zu persönlich?

Bei der Art und Weise, wie Markus Söder angegangen wurde. Ihm „moralische Legasthenie“ zu attestieren, war für meinen Geschmack zu krass.

Welche Vorbilder haben Sie beim Derblecken?

Mir hat der Bruno Jonas immer sehr gut gefallen. Und natürlich Walter Sedlmayr. Der hat in meinen Augen das G’fotzade personalisiert. Der hat sich hingestellt und gesagt „So, jetzt kommt’s mal her.“ Und dann hat er die Dinge hintergründig perfekt auf den Punkt gebracht. Da musste man schon auch mal durchschnaufen als Politiker, aber es war nie beleidigend.

Mit welcher Marschroute wollen Sie denn das Derblecken im Kloster Scheyern angehen?

Wenn es zu diesem Termin kommt, was schön wäre, dann wäre mein roter Faden schon der unterhaltende Aspekt. Ich werde versuchen, niemanden zu verletzen.

Es wäre ein Comeback als Bruder Emmeram im großen Rampenlicht.

Ich habe bewusst einen Schlussstrich gezogen, als ich Bundestagsabgeordneter geworden bin. Weil das meine Aufgabe ist, und nicht, als Bruder Emmeram durch die Lande zu ziehen. Insofern wäre es für mich eine Ausnahme, nächstes Jahr eine Fastenpredigt zu halten. Aber nervös bin ich da nicht. Man muss sich immer ordentlich darauf vorbereiten – egal, wie viel Publikum da ist, und wie groß die mediale Aufmerksamkeit ist.

Es könnte Ihre große Stunde werden.

Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten. Es soll einfach eine gelungene Veranstaltung werden. Erstmal muss mir was einfallen für eine ordentliche Rede. Denn das ist gar nicht so einfach. Und dann hoffe ich, dass ich eine gute Tagesform erwische.

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