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Schnell erobert sich die Isar ihren ursprünglichen Raum zurück – hier zwischen Rudlfing und Hangenham.

Bund Naturschutz

Isar: Die "Reißende" wird wieder zur "Wilden"

Der Eisvogel brütet wieder, der Flussregenpfeifer kehrt zurück, der Golduferläufer wird heimisch: Die Renaturierung dreier Isarabschnitte im Landkreis trägt Früchte. Der Bund Naturschutz zeigt sich mit den Ergebnissen zufrieden – und ist von der „Reißenden“ beeindruckt.

„In erster Linie gilt die Renaturierung dem Hochwasserschutz.“ Der Vorsitzende des Freisinger Bund Naturschutz (BN), Christian Magerl, erklärte gestern im Rahmen einer Pressekonferenz, dass alleine in der Rosenau 300 000 Kubikmeter Retentionsraum entstanden seien. Allerdings gibt es auch andere, angenehme Nebeneffekte: „Die Artenvielfalt steigt wieder – sowohl für die Tier-, als auch für die Pflanzenwelt.“

Renaturierung – das heißt, dass die Uferversteinung der Isar entfernt wird, ihr das „Korsett“ genommen wird. Und wie schnell sich die Isar dann wieder natürlichen Lebensraum zurückerobert, sei „beeindruckend“, sagt Christine Margraf vom BN. Eingezwängt sei die Isar im Landkreis-Abschnitt rund 60 Meter breit. In den renaturierten Gebieten bei Hangenham, Niederhummel und in der Rosenau kann man schon die doppelte Breite messen – und das bereits nach rund vier Jahren. „Man muss also nicht viel machen“, bilanziert Margraf. Die Isar arbeite sehr schnell, wie auf Luftaufnahmen zu sehen ist. Dabei vergleicht die Biologin Bilder von 2012 und 2015 – und siehe da: Die „Reißende“ hat sich ihren Weg gebahnt. Kiesbänke entstanden wieder, der Fluss teilt sich an mehreren Stellen in zwei oder drei Arme auf. Manfred Drobny, Geschäftsführer des BN, sagt: „Das wird relativ schnell wieder zu einer kleinen Wildnis.“

Das Leitbild für die Renaturierung sei das Bild der Isar von 1812 – allerdings nicht das Ziel. Denn: Dafür gibt es zu viele Restriktionen. Brücken, Bebauungen, Dämme – all das stehe einem „Urzustand“ im Weg.

Das, was aber schon jetzt in den Teilstücken sichtbar wird, ist steigende Vielfalt: 310 Pflanzenarten alleine in diesen Gebieten, 119 Wildbienenarten, 33 verschiedene Laufkäfer wie der Golduferläufer – und vieles mehr. Beispielsweise breitet sich die Silberweide dort wieder aus, aber auch andere Weidenarten finden erneut an der Isar Platz.

Magerl zeigt, wie sich die wilden Gebiete von ihren „Nachbar“-Abschnitten unterscheiden: So sind im renaturierten Bereich nördlich von Niederhummel 79 verschiedene Vogelarten zu finden, während auf dem Weg zur Rosenau nur 50 heimisch wurden – und das, obwohl diese Strecke deutlich länger ist. Was er dabei entdeckt hat: Der Flussregenpfeifer brütet (Magerl: „Das habe ich in all den Jahren hier noch nicht erlebt.“), sieben Eisvogelpaare und der Gänsesäger ebenfalls. Die Renaturierung der Isar in den Teilabschnitten war also ein voller Erfolg – und genauso dürfe es weitergehen.

Gut zu wissen

Eine Exkursion in die neue Wildnis findet am Samstag, 4. Juni, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Parkplatz bei der Isarbrücke in Niederhummel. Achtung: Die Exkursion findet mit dem Fahrrad statt.

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