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Die Alternative zu Krippe und Kindergärten

Jugendamt Freising: "Wir suchen dringend Tagespflegeeltern"

Landkreis - Weil Kinderkrippen und -gärten oft die Arbeitszeiten nicht abdecken können, suchen Eltern nach Alternativen. Die Lösung sind Tagespflegeeltern und Großtagespflegestellen. Entsprechend groß ist der Bedarf an Personal.

„Wir suchen ganz dringend Tagespflegeeltern“, sagt Sonja Seisenberger vom Amt für Jugend und Familie, die seit 15 Jahren für diesen Bereich zuständig ist. Denn die Nachfrage nach Tagesmüttern und -vätern mit Pflegeerlaubnis ist groß. Den Grund kennt die Sozialpädagogin: „Oft können Kinderkrippen und -gärten die Arbeitszeiten der Eltern nicht abdecken.“ Wenn dann keine Angehörigen da sind, die sich um den Nachwuchs kümmern können, sind Tagespflegekräfte gefragt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Tageseltern können flexibel gebucht werden, bieten einen „kleinen, verlässlichen, familiären Rahmen“ und ermöglichen es dem Nachwuchs, erste soziale Kontakte zu knüpfen, sagt Seisenberger.

Es gibt drei Formen der Tagespflege:1

  • die Betreuung der Kinder im Haushalt der Eltern (Kinderfrau)
  • eine Großtagespflege, in der bis zu zehn Kinder in einem angemieteten Raum von zwei Tagesmüttern (acht Kinder) oder einer Erzieherin und einer Tagesmutter (zehn Kinder) betreut werden
  • die Betreuung durch Tageseltern in deren Haushalt, wo mit Pflegeerlaubnis bis zu fünf Kinder gleichzeitig aufgenommen werden dürfen.

Derzeit „im Trend“ sind laut Sonja Seisenberger Großtagespflegestellen. Aktuell gibt es acht im Landkreis Freising: jeweils eine in Freising, Moosburg, Wolfersdorf, Margarethenried, Tegernbach und Hallbergmoos (englischsprachig, in privater Trägerschaft) sowie zwei in Eching. Zudem soll in Freising eine weitere Großtagespflegestelle entstehen. Weitaus größer ist die Zahl der Tagespflegepersonen: 86 Tagesmütter und vier Tagesväter mit Pflegeerlaubnis sind beim Amt für Jugend und Familie gemeldet. Dennoch werden dringend Betreuungskräfte gesucht: „Wir freuen uns über jeden Bewerber“, sagt Seisenberger.

Die Voraussetzungen

Bevor Interessenten als Tagesmütter oder -väter arbeiten dürfen, müssen sie einen Qualifizierungskurs besuchen. Um daran teilnehmen zu können, sind ein Polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintrag, mindestens ein Hauptschulabschluss und gute Deutsch-Kenntnisse erforderlich. Aber auch Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Organisationsfähigkeit sowie psychische und physische Belastbarkeit werden von allen verlangt.

Der Grundkurs

Nach einem Erstgespräch und einem Hausbesuch, bei dem die persönlichen, sozialen und räumlichen Voraussetzungen durch die Mitarbeiter des Amtes für Jugend und Familie überprüft werden, müssen die Bewerber die Schulbank drücken. 100 Unterrichtseinheiten umfasst der Kurs, der jeden Teilnehmer 300 Euro kostet. Hinzu kommen zehn Stunden Hospitation in einer Tagespflege oder einer Kinderkrippe, ein Erste-Hilfe-Kurs (neun Unterrichtseinheiten), der für Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder gültig ist, eine Lebensmittelhygiene-Schulung (90 Minuten) und eine Belehrung über Infektionsschutz seitens des Gesundheitsamtes. Wenn der Grundkurs absolviert ist, wird seitens der Behörde die Pflegeerlaubnis ausgestellt. Darüber hinaus müssen Tageseltern jährlich an Fortbildungen teilnehmen (15 Stunden).

Die Betreuung

Bis zu fünf Kinder dürfen Tagesmütter und -väter gleichzeitig in ihrem eigenen Haushalt betreuen. „Wir empfehlen aber, langsam einzusteigen und langsam aufzubauen“, sagt Sonja Seisenberger. Sie weiß: „Fünf Kinder den ganzen Tag zu betreuen, das ist ein harter Job. Ich ziehe vor jeder Tagesmutter den Hut.“ Meist werden Kinder unter drei Jahren zu Tageseltern gegeben. Eine Betreuung ist aber auch ergänzend zum Kindergarten und auch zur Schule möglich – bis zum 14. Lebensjahr.

Der Verdienst

Grundsätzlich sind Tageseltern selbstständig, sprich: Die Betreuer können sich die Kinder selbst aussuchen, wie viele und welche Kinder sie aufnehmen, und wie sie ihren Alltag strukturieren. Das Finanzielle wird allerdings über das Amt für Jugend und Familie geregelt. „Es dürfen keine privaten Geldflüsse zwischen Eltern und Tageseltern stattfinden“, erklärt Seisenberger. Pro Kind und Stunde verdienen qualifizierte Tageseltern 4,80 Euro, ausgebildete Fachkräfte (Erzieher und Kinderpfleger) 5,20 Euro. Seit zwei Jahren muss das Einkommen versteuert werden. „Aber es gibt Regelsätze, die man abziehen kann – etwa die Betriebsausgabenpauschale.“

Die Unterstützung

Bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit werden Tagesmütter und -väter nicht alleine gelassen: Das Amt für Jugend und Familie sowie die Kooperationspartner in Freising, Neufahrn und Eching (siehe Kasten) bieten ein breitgefächertes Beratungs- und Unterstützungsangebot an. Dazu gehören: Information und Beratung in allen Fragen der Kindertagespflege, die Auswahl geeigneter Tageseltern, die Vermittlung von Betreuungsplätzen, Unterstützung bei der Vertragsgestaltung, die finanzielle Abwicklung der Betreuungsverhältnisse, die Organisation einer Ersatzbetreuung, fachliche Begleitung und regelmäßige Fortbildungen. „Wir helfen gerne weiter und unterstützen Eltern und Tagespflegepersonen“, sagt Seisenberger.

Anlaufstellen

Wer sich für die Tätigkeit als Tagesmutter oder -vater interessiert, kann sich beim Amt für Jugend und Familie, das sich seit April im Klinikum-Gebäude (Vimystraße 32) befindet, melden: Sonja Seisenberger, Telefon (0 81 61) 60 02 36, und Cornelia Aimer, Telefon (0 81 61) 60 02 57, geben weitere Auskünfte. Zudem liegt die neue Informationsbroschüre der Behörde über „Kindertagespflege im Landkreis Freising“ in den Gemeinden, Arztpraxen und Geschäften aus. Sie ist auch im Internet unter www.kreis-freising.de zu finden.

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