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Da, wo der Bär tanzt: Bei einem flotten Swing schwangen Korbinian und die drei Nornen hingebungsvoll das Tanzbein.

Freisinger Musicalsommer

Bei „Korbinian“ steppt der Freisinger Bär

Freising - Da tanzte der Bär. Zusammen mit Korbinian legte das Freisinger Wappentier im Plüschkostüm einen flotten Swing auf die Bühne. Doch „Korbinian – das Musical“ hatte bei seiner Welturaufführung am Donnerstag auf dem Marienplatz noch viel mehr zu bieten. Große Emotionen zum Beispiel. Der Freisinger Musicalsommer – ganz großes Kino unter freiem Himmel.

Fast 1300 Jahre mussten die Bürger warten, bis er wieder nach Freising kam: Korbinian, der Wanderbischof aus Frankreich, der damals die geistlichen Grundlagen für die heutige Erzdiözese München und Freising legte. Bei der Premiere im Rahmen des zweiten Freisinger Musicalsommers war Korbinian also wieder gekommen: Als Titelfigur des Stücks aus der Feder von Stephan Schwarz mit der Musik von Johannes Rothenaicher faszinierte Korbinian abermals die Freisinger Bürgerschaft. Doch anders als im 8. Jahrhundert war es jetzt im Jahre 2016 die künstlerische Aura, die das Volk begeisterte. 

Imposante Massenszenen: Rund 130 Sängerinnen und Sänger machten die energiegeladenen Chorauftritte zu einem akustischen und optischen Erlebnis gleichermaßen.

Opulent – so lassen sich Bühne, Inszenierung, die Besetzung der Chöre, die Musik und das ganze Drumherum inklusive Mittelaltermarkt am besten charakterisieren. Opulent die riesige Bühne mit ihrer stimmungsvollen Lightshow, die das Musical auch zu einem optischen Genuss machte. Opulent die Inszenierung, für die Regisseur Maximilian Widmann verantwortlich zeichnete und die zwar auch Soloauftritte oder Duette präsentierte, oft genug aber auch Massenszenen mit Tänzen des Volkes oder des Hofstaates – und das mit ebenfalls opulenten Chören: Rund 130 Sänger aus Freising und Umgebung hatten sich für dieses einzigartige Projekt zusammengefunden, sorgten für imposante Bilder auf der Bühne und zusammen mit dem unsichtbar auf einer hinteren Bühne agierenden Orchesterensemble für großen, für erlesenen Hörgenuss. Opulent auch die Musik, die mal wunderbar Dramatik vermittelte, mal Fröhlichkeit versprühte, die auch vor schmachtenden Liebesschnulzen nicht zurückschreckte und gerne mal dem lasziven Tango oder dem schwungvollen Walzer huldigte. 

Das alles können sich Autor, Komponist und Regisseur schön ausdenken, das kann alles auch so schon über Monate hinweg im Kopf von Gesamtleiter Norbert Huber Form angenommen haben, der als Intendant so etwas wie das Gehirn, das Herz und die Seele des Projekts „Korbinian“ ist, das kann man sich also alles schön ausmalen und vorstellen. Aber das würde alles nicht Realität werden, wenn es nicht auch Solisten gäbe, die sich auf Schauspielerei und gesprochenen Text genauso gut verstehen wie auf anspruchsvollen Gesang und ausdrucksstarke Gesten. 

Große Emotionen: Korbinian (gespielt und gesungen von Thomas Hofstetter) durchlebt in zweieinhalb Stunden ein Wechselbad der Gefühle – Furcht, Trauer, Wut, Mitleid, Freude.

Und diese Solisten stehen auf der Bühne des zweiten Musicalsommers: Da war Thomas Hofstetter als Titelfigur Korbinian, der sattelfest und stimmgewaltig der Gefühlswelt des Bischofs Korbinian Ausdruck verlieh und den auch der kurzzeitige Ausfall seines Headsets nicht aus der Fassung bringen konnte. Hofstetter wechselt sich bei der Übernahme dieser Rolle mit Thomas Hiermeier ab. Dann sind da Stefan Hör als Korbinians Diener und Freund Augustus und Christian Nowak als der damals auf dem Domberg herrschende Herzog Grimoald, die beide ebenfalls durch die Interpretation ihrer Rollen bestechen und stimmlich auf der Höhe sind. Wechselnde Besetzungen gibt es auch für die Rollen der Herzogin Pilitrud (eine bei der Premiere hervorragende Eva Kitzberger und Kirsten Schneider) und des Raubmörders Adalpert (sehr ausdrucksstark und mitreißend bei der Premiere Robert Weithenauer und Stefan Gärtner). Besonders in Erinnerung bleiben dürften den Zuhörern die Nornen – jenes Damentrio, das gerne auch mal streitet, sich anzickt und vor Entzückung quietscht, das in erster Linie aber einen leidenschaftlichen Tango tanzt und singt. Das Nornen-Trio war am Donnerstag Brigitte Weithenauer, Andrea Röder und Marina Ferdinand, bei anderen Aufführungen werden es Susanne Fischer, Maria Wallner und Julia Pfleger sein. 

Gehirn, Herz und Geist des Musicalprojekts: Intendant Norbert Huber, der mit Verve und Leidenschaft das Orchester führte.

Angesichts der Qualität und des Aufwandes, die man bei „Korbinian – Das Musical“ genießen darf, kann man sich fast sicher sein: Dem Heiligen Korbinian würde es auch gefallen. Vielleicht hätte er sogar noch eine Karte für eine der ausstehenden vier Aufführungen (am Samstag und Sonntag jeweils um 15.15 Uhr und 20.30 Uhr) ergattert. Zumindest könnte er aber dafür sorgen, dass auch am Wochenende das Wetter so bleibt wie bei der Premiere.

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