20-Jähriger vor Gericht

Kriminelle Karriere im Zeitraffer

Freising - Richter Boris Schätz platzte der Kragen: Der wegen Körperverletzung angeklagte Ukrainer (20) hat an Bonuspunkten ausgereizt, was Schätz ihm im Laufe der Zeit einzuräumen bereit gewesen war. „Ganz offen gesprochen“, rief er dem Asylbewerber jetzt vor Gericht zu: „Es reicht!“

Als Flüchtling mag der Angeklagte generell einen schweren Stand im Leben haben. Andererseits strecken sich ihm jetzt im Landkreis Freising hilfsbereite Hände aus allen Richtungen entgegen. Der in einer Notunterkunft lebende Ukrainer schlug sie allesamt aus. Seit dreieinhalb Jahren im Land, hat es der Heranwachsende inzwischen auf sieben Voreinträge im Strafregister gebracht. In den Augen des Gerichts erklomm er damit in Rekordzeit, den Status eines Intensivtäters.

Kaum drei Monate nach der letzten Arreststrafe schlug der Ukrainer in München einen jungen Mann nieder. Dem Angeklagten war an jenem Tag gewesen, als hätte das Opfer seine Freundin beleidigt. Vor Gericht beteuerte der Münchner, weder etwas zu einer jungen Frau gesagt noch den Ukrainer überhaupt wahrgenommen zu haben. Dennoch wurde er in einer U-Bahn-Station vom Fausthieb des Angeklagten zu Boden gestreckt.

Dem Angeklagten sollte bewusst sein, dass es nicht rechtens ist, in der U-Bahn den Sheriff zu markieren, rügte der Vorsitzende Richter. Selbstjustiz auszuüben dürfte wohl auch in der Ukraine untersagt sein, vermutete Schätz. Wie schon bei diversehen vorangegangenen Verhandlungen machte der Angeklagte auch diesmal einen überaus seriösen Auftritt. Schätz machte nun aber deutlich, sich nicht mehr blenden zu lassen: „Jedes Mal der gute Eindruck und immer wieder rückfällig!“

Der in einer Containersiedlung wohnende Heranwachsende hat schon vieles auf dem Kerbholz: Vermögensdelikte, Drogen, Gewalttaten. Und nun der erneute Rückfall: „Dreieinhalb Jahre rumgammeln“, rügte Schätz, „sonst ist nichts passiert, als dass Sie Polizei und Justiz auf Trab hielten.“ Das bayerische Motto „Leben und leben lassen“ nutze der Ukrainer nur zu seinen Gunsten aus. Dem 20-Jährigen warf das Gericht zudem eine rechtsfeindliche Gesinnung vor.

Richter Boris Schätz verurteilte den Angeklagten schließlich zu acht Monaten Haft zur Bewährung und ordnete drei Wochen „Warnschussarrest“ an. Darüber hinaus warnte er den 20-Jährigen scharf: Bei gravierenden Straftaten gestatte es der Gesetzgeber, Asylverfahren zu beenden und Bewerber abzuschieben, wenn ihnen in der Heimat nicht die Todesstrafe droht. „In der Ukraine ist das nicht der Fall.“

Dem 20-Jährigen wird für die Dauer von zwei Jahren ein Bewährungshelfer zugeteilt. Folgt er dessen Anweisungen nicht, droht Bewährungswiderruf. Als Auflage ist ihm ein Antiaggressionskurs angetragen worden. Tritt er nicht an, droht auch Widerruf. Und in drei Monaten prüft das Gericht, ob der 20-Jährige sich einer sinnvollen Betätigung zugewandt hat. Falls nicht, droht ebenfalls Widerruf.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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