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Sie wollte nur ein Konto eröffnen – jetzt hat sie eine unsinnige Lebensversicherung und kommt nicht mehr an ihr Erspartes heran: Else Reindel (82) kämpft um ihr Geld.

Nun kommt sie kaum mehr über die Runden

Bank dreht 82-Jähriger Lebensversicherung an: Erspartes weg

München - Eigentlich wollte Else Reindel nur ein Konto eröffnen. Doch stattdessen drehte ihr die Bank eine Sofortrente an. Nun kommt die Seniorin nicht mehr an ihr Erspartes.

Else Reindel wollte eigentlich nur ein Konto eröffnen – und bekam von ihrer Bank am Ende eine für sie völlig unsinnige Lebensversicherung angedreht. Nun kommt die 82-jährige Freisingerin nicht mehr an ihr Erspartes heran! Aus einer gut situierten Rentnerin wurde so eine alte Dame, die jeden Cent umdrehen muss, um über die Runden zu kommen.

Seit rund zehn Jahren ist Else Reindel Kundin bei der HypoVereinsbank, wie zuvor schon ihre Eltern. „Das war mal eine ordentliche Bank – bis die Italiener sie übernommen haben“, so die 82-Jährige heute. Den Löwenanteil ihres Vermögens, 100.000 Euro, hatte die Rentnerin bislang in Liechtenstein angelegt, in Schweizer Franken.

Ein Bankberater der HypoVereinsbank verkaufte der 82-Jährigen die "Sofortrente".

Weil ihr Liechtensteiner Bankberater aufgehört hat, wollte sie dieses Geld nun nach München transferieren. Dafür musste sie ein Devisenkonto eröffnen und fuhr im Oktober 2014 zur HypoVereinsbank-Filiale am Promenadeplatz in München. „Der Berater von der Bank hatte keinen Auftrag von mir, Geld anzulegen“, so die rüstige Seniorin zur tz. Als sie das nächste Mal Kontoauszüge am Automaten holt, stand da aber: Lebensversicherung. „Dann dachte ich, was für eine Lebensversicherung, du hast doch keine Lebensversicherung abgeschlossen, was soll denn das?“, wird Else Reindel vom BR zitiert, der als Erstes über den Fall berichtete.

Als sie nachbohrte, erfuhr die 82-Jährige, dass sie eine Lebensversicherung über 100.000 Euro abgeschlossen habe. Das heißt: Sie bekommt monatlich eine „Sofortrente“ in Höhe von 680 Euro. Über ihre 100.000 Euro darf sie aber nicht mehr verfügen! „Ich bin privat krankenversichert, dafür geht fast meine ganze Rente drauf“, so die Freisingerin verzweifelt. „Ich habe jetzt Probleme, überhaupt noch über die Runden zu kommen.“

Sascha Straub, Referatsleiter Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern, hält Sofortrenten für über 70-Jährige generell für unsinnig, weil sie nicht mehr viel Lebenszeit vor sich haben und das Kapital dann gebunden ist.

HypoVereinsbank will Geschäft nicht rückgängig machen

Die 82-Jährige beteuert, sie habe geglaubt, nur die Unterlagen für die Eröffnung eines Devisenkontos unterschrieben zu haben. „Wir saßen im dunklen Tresorraum, ich habe das kaum lesen können“, erzählt sie der tz. Aber offensichtlich hatte sie sogar noch einen Verzicht auf ihr Widerrufsrecht unterschrieben – eine laut Verbraucherschützer Straub zwar legale, aber „grenzwertige“ Methode.

Die HypoVereinsbank ist nicht bereit, das Geschäft rückgängig zu machen. Auf Anfrage der tz erklärte die Bank lediglich, „dass wir uns aufgrund des Bankgeheimnisses zu einzelnen Kunden nicht äußern können“.

Else Reindel legte Beschwerde bei der Bankenaufsicht Bafin ein – doch die bestätigte die Rechtmäßigkeit des Geschäfts.

Die zunehmend verzweifelte Seniorin setzt ihre letzte Hoffnung jetzt auf den Verbraucherschutz Bayern, der prüft, welche rechtlichen Möglichkeiten sie hat. Denn aus Sicht der Verbraucherschützer ist es durchaus kein Einzelfall, dass Senioren unpassende Produkte aufgedrängt werden, auch um hohe Provisionen zu kassieren.

Else Reindel jedenfalls rät allen Senioren: „Niemandem vertrauen, immer sagen: Das will ich erst in Ruhe durchlesen!“

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