Studie der Bertelmanns-Stiftung

Pflege im Landkreis Freising: Wo die Sorgen liegen

Im Landkreis Freising ist die stationäre Pflege durchschnittlich günstiger als im bayerischen Vergleich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelmanns-Stiftung. Dennoch reicht bei vielen Senioren das Geld nicht aus, um allein für einen Heimplatz aufzukommen. Auch Personalengpässe drohen.

In dem Report „Pflegeinfrastruktur“ wurde die Pflegelandschaft in ganz Deutschland unter die Lupe genommen und regional verglichen. Laut der Analyse, die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegeben wurde, kostet eine stationäre Versorgungsstunde im Landkreis Freising durchschnittlich 39 Euro. Freising gehört damit zu den günstigsten Regionen im gesamten Umkreis. Besonders überraschend: Obwohl der Landkreis direkt ans Ballungszentrum München anschließt, liegen die Kosten für eine Versorgungsstunde unter bayerischem und bundesweitem Schnitt. „Die Preise werden aber sicher steigen“, prognostiziert Hermann Weiß, Geschäftsführer der Heiliggeist-Pflege GmbH. Grund dafür ist die anzunehmende Zunahme von Personalkosten.

Schon jetzt verfügen die über 80-jährigen Senioren im Landkreis nicht über genügend Einkommen, um allein für einen Heimplatz aufzukommen. Laut Studie reicht das Geld nur für 341 Tage pro Jahr – Bayerndurchschnitt. Und wer füllt die Kostenlücke? „Entweder die Verwandten kommen dafür auf, oder man muss einen Antrag beim Sozialamt stellen“, sagt Björn Kummerow-Fuchs, Leiter des Seniorenzentrums Freising. „Staatlich wird aber geprüft, ob es Angehörige ersten Grades gibt, die über genügend Einkommen verfügen, um entsprechende Kosten zu tragen.“

Den Befund der Studie, dass im Landkreis Freising die stationäre Versorgung im Hinblick auf die Nachfrage überrepräsentiert ist, können Weiß und Kummerow-Fuchs für ihre Einrichtung nicht bestätigen. Im Gegenteil: Während der ambulante Bedarf gedeckt werden könne, gebe es im stationären Bereich Engpässe.

Was die Erreichbarkeit von Pflegeheimen angeht, kann der Landkreis laut Studie weder mit dem bayerischen noch dem deutschlandweitem Durchschnitt mithalten. Doch weder Weiß noch Kummerow-Fuchs sehen hier Probleme. „Wir sind super abgedeckt“, sagt Kummerow-Fuchs und verweist auf je drei Einrichtungen in Freising und Moosburg sowie weitere Heime auf dem Land. Gerade in den vergangenen 15 Jahren sei hier viel entstanden. Ein Stadt-Land-Gefälle gebe es aber bei der Akquise von Pflegekräften, betont Weiß: „Je ländlicher die Einrichtung liegt, umso schwieriger ist es, Personal dorthin zu locken.“

Es droht ein Fachkräftemangel. „Bis zum Jahr 2030 besteht in allen deutschen Kreisen und Städten die Gefahr von Personalengpässen in der Altenpflege“, heißt es in der Studie. Auch in Bayern übersteige vielerorts die hohe Nachfrage das gute Angebot an künftigem Pflegepersonal. Laut Weiß und Kummerow-Fuchs hängt das mit der großen beruflichen Belastung von Pflegekräften und der geringen gesellschaftlichen Anerkennung zusammen. Auch die angeblich niedrigen Verdienstmöglichkeiten würden manch Interessenten von dem Beruf abschrecken.

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