An der Veit-Adam-Straße in Freising

Der Spielplatz, auf dem Kinder nicht spielen dürfen - Freisings OB reagiert

Freising - Weil ihnen nur ein heruntergekommener Sandkasten zur Verfügung steht, nutzen Kinder einer städtischen Wohnanlage den Spielplatz des privaten Nachbarblocks. Als es zu Beschwerden kommt, reagiert die städtische Hausverwaltung – mit einem Aushang, der für so große Empörung gesorgt hat, dass sich jetzt sogar der Oberbürgermeister eingeschaltet hat.

Jens Helbig ist in dem Wohnblock Veit-Adam-Straße 16 aufgewachsen. Der 39-Jährige hat in der städtischen Anlage eine schöne Kindheit verbracht. „Als ich klein war, sind die Kinder aller umliegenden Wohnblöcke zusammen herumgezogen. Wir haben auf allen Spielplätzen in der Nachbarschaft gespielt“, erzählt er. „Das war nie ein Problem.“

Das gesamte Schreiben.

Umso erstaunter war er, als ihm bei einem Heimatbesuch ein im Flur ausgehängtes Schreiben der städtischen Wohnungsbau- und -verwaltungs GmbH (WVG) ins Auge fiel. Grund für die Mitteilung sind Beschwerden, dass Kinder der Wohnanlage den Spielplatz der privaten Wohnanlage Albert-Sigismund-Straße 3 nutzen würden. „Das Spielen auf diesem Spielplatz ist nicht erlaubt“, heißt es in dem Schreiben. Sollten Kinder dort weiterhin spielen, würden gegen die Familien rechtliche Schritte eingeleitet. „Wir sehen uns dann leider auch gezwungen, das Verhalten abzumahnen, was im Wiederholungsfall zu einer Kündigung des Mietverhältnisses führen kann.“ Der Tonfall ärgert Helbig. „Hier werden bewusst Ängste geschürt.“ Statt Drohungen auszusprechen, solle die WVG lieber dafür sorgen, dass auf der eigenen Anlage ein „vernünftiger Spielplatz“ errichtet werde.

Video: Wir haben uns vor Ort umgesehen

Tatsächlich lädt der Hof nicht gerade zum Spielen ein. Zwar ist ein Sandkasten vorhanden, aus dem wuchert aber bereits das Unkraut. Nur ein paar Meter weiter hingegen befindet sich ein kleiner, aber feiner Spielplatz – mit Rutsche und Wippen. Das Problem: Ein Schild weist darauf hin, dass es sich um Privatgrund handelt. Mit anderen Worten: Die Kinder der Veit-Adam-Straße 16 können den Spielplatz vom Balkon aus sehen, betreten dürfen sie ihn nicht.

Auf diesem Spielplatz dürfen die Kinder der Veit-Adam-Straße 16 (links, gelber Block) nicht spielen.

Helbig hat das Schreiben der WVG auf Facebook veröffentlicht – und eine Welle der Empörung ausgelöst. „Unglaublich und sehr traurig“, heißt es in einem Kommentar. In einem anderen: Wie soll man Kinder abhalten, auf einem Spielplatz zu spielen. So was macht einen wütend.“

Reaktionen hat der Fall auch bei Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher hervorgerufen. Er veranlasste umgehend, das Schreiben wieder zu entfernen, wie er dem FT mitteilte. Denn: „Diese Formulierung ist zu krass.“ Man müsse zwar eine Lösung für das Problem finden. „Aber das ist nicht das adäquate Mittel.“ So sieht es auch Andreas Voigt, Chef der Stadtwerke Freising, zu der die WVG gehört. „Der Ton des Aushangs war nicht angemessen.“ Er habe den Fall daher bereits hausintern besprochen. Man habe sich nun mit einem Schreiben an die betroffenen Parteien gewandt – in deutlich moderaterem Ton.

Laut Voigt schwelt der Ärger schon lang – vor allem zwischen Senioren und Kindern. „Die Älteren wollen ihre Ruhe, die Jungen wollen spielen und lassen dabei manchmal den nötigen Respekt und Umgangston vermissen – die klassischen Reibungspunkte“, sagt er, räumt aber ein, dass den betroffenen Kindern lediglich ein „sehr übersichtliches Spielgerät“ zur Verfügung stehe. Sein Versprechen: „Wir werden prüfen, was wir verbessern können.“

Die Spielplätze im Vergleich

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