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Dieses Archivbild zeigt die Lichterzeichen im Juli 2015.

Startbahn-Widerstand in Freising

Zehn Jahre Lichterzeichen: „Jetzt erst recht!“

Freising - Seit zehn Jahren gibt es die Aktion Lichterzeichen. Wilhelm Albrecht gehört zu den Organisatoren der ersten Stunde. Er berichtet, wie alles begann und warum das Jubiläum kein Grund zum Feiern ist.

Herr Albrecht, wie hat denn vor zehn Jahren alles begonnen?

Im Herbst 2006 hat es ein Treffen zwischen Lerchenfeldern und Attachingern gegeben. An diesem Abend kam die Idee auf, etwas ähnliches wie die Montagsdemonstrationen in Leipzig zu organisieren. Damals gingen Menschen auf die Straße, um gegen die politischen Verhältnisse in der DDR zu demonstrieren. Das war unser Vorbild.

Haben Sie damit gerechnet, dass die Aktion so lange laufen würde?

In Leipzig gingen die Montagsdemonstrationen von 1982 bis 1989, ehe es zum Mauerfall kam. Ich war also darauf gefasst, dass wir einen langen Atem brauchen. Wir waren uns einig, dass wir es durchziehen – auch wenn uns nur 10 Leute folgen würden.

Wieso haben Sie sich für das Symbol der Lichterzeichen entschieden?

Wilhelm Albrecht ist bei „Lichterzeichen“ ein Mann der ersten Stunde.  

Weil es ein Zeichen der Wachsamkeit ist, ein Zeichen des Aufbruchs und der Mahnung – das Ganze in strikter Gewaltlosigkeit. Mit unserem Schweigen bei den Demonstrationszügen zeigen wir uns zudem verletzlich. Ich glaube, all das macht unsere Aktion vertrauensvoll für die Bevölkerung. Daher schließen sich auch Menschen an, die sich sonst nicht so leicht politisch engagieren. Bis heute sehe ich immer wieder neue Gesichter – auch von Münchnern.

Haben sich die ersten Schweigemärsche von den heutigen unterschieden?

Ja. Am Anfang waren wir nur in Lerchenfeld unterwegs. Die Strecke ging jeden Sonntag vom evangelischen Epiphanias-Zentrum zur katholischen St.-Lantpert-Kirche.

Sie mussten die Aktion dann doch nicht Woche für Woche nur mit zehn Menschen durchziehen.

Nein. Schon beim ersten Mal sind 30 bis 40 gekommen. Schnell war die Resonanz so groß, dass wir die Aktion auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet haben. Seit 2007 ziehen wir alle Vierteljahr durch die Stadt. In der Regel haben wir zwischen 300 und 500 Teilnehmern, aber wir waren auch schon mal über 2000. Und immer noch ziehen wir jeden ersten Sonntag im Monat durch Lerchenfeld.

Welche Demo ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Der erste Gang durch die Innenstadt. Die Route führte quer durch die Stadt auf den Domberg. Wir mussten uns nicht nur wüste Beschimpfungen anhören, sondern es sind sogar Eier geflogen. Dafür wurden wir mit der besonderen Atmosphäre im Domhof belohnt. Und durch diese Erfahrung ist die Solidarität unter den Demonstranten auch unaufhaltsam gewachsen. Aktiv mitgestaltet wurden die Schweigegänge durch Dekan Jochen Hauer, Weihbischof Bernhard Haßlberger und bis zuletzt vom damaligen Domrektor Rainer Boeck.

Vor Eiern müssen Sie sich inzwischen nicht mehr in Acht nehmen. Ist die Solidarität unter den Freisingern größer geworden?

Ja, die Freisinger Bevölkerung trägt die Aktionen in breiten Kreisen mit. Wir haben übrigens auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich Kardinal Marx irgendwann doch noch mal öffentlich auf unsere Seite stellt.

Horst Seehofer, der den Startbahngegnern zunächst Mut gemacht hat, ist nun doch pro dritte Piste umgeschwenkt.

Ich bin schon vorsichtig geblieben, als viele Menschen nach dem Besuch des Ministerpräsidenten in Attaching so euphorisch waren. Denn wenn man genau hingehört hat, dann hat er sich schon damals ein Hintertürchen offengelassen. Aber natürlich wäre es wünschenswert gewesen, er wäre mal bei der Stange geblieben.

Wie viel Motivation hat es den Widerstand gekostet, dass er nicht bei der Stange geblieben ist?

Keine, im Gegenteil. Jetzt ist es erst recht notwendig, unsere Betroffenheit zu zeigen.

Ist das Zehnjährige der Aktion Lichterzeichen für Sie ein Grund zu feiern?

Nein. Wir haben leider noch keinen Anlass zu feiern. Aber wenn die dritte Startbahn gekippt ist, machen wir ein großes Fest.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es soweit kommt?

Dass die Münchner, die sich beim Bürgerentscheid 2012 gegen die dritte Startbahn ausgesprochen haben, bei der Stange bleiben. Außerdem gibt es bayernweite Umfragen, die zeigen: Die Mehrheit der Menschen will dieses Projekt einfach nicht.

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