Bis Ende 2020 soll alles fertig sein

„Vorhang auf!“ für das 51-Millionen-Projekt Asamsanierung

Freising - Stadtspitze, Stadträte und Planer – sie alle wollen das Asamgebäude vor dem Verfall retten. Jetzt weiß man auch ziemlich sicher, was das kostet: 51 Millionen Euro. Bis Ende 2020 soll der historische Komplex wieder in neuem Glanz erstrahlen. Bühne frei für die Generalsanierung!

Dreieinhalb Stunden lang marschierten die Fachplaner am Donnerstag bei der Sondersitzung des Stadtrates auf, dreieinhalb Stunden lang legten sie dar, welch schwerwiegende Mängel das 300 Jahre alte Gemäuer aufweise und wie man sie zu beheben gedenke. Es war das Resultat dessen, was seit Ausschreibung des Wettbewerbs im Jahr 2008 geschehen ist: 300 Pläne wurden seitdem gezeichnet, 50 Planer hinzugezogen, 100 Jour-Fixe-Termine gab es und 50 Abstimmungsgespräche mit OB & Co., wie Hochbauamtsleiter Robert Naujokat darlegte.

Worauf nach eineinhalb Stunden Ortsbesichtigung des maroden Gemäuers und dreieinhalb Stunden Sitzung im Rathaussaal alle warteten, war die erste echte Kostenberechnung für das Projekt, das alle Stadträte unisono befürworten. Helmut Grepmair war es, der die Summe verkündete: 51 Millionen Euro. Da sind allerdings zum einen die bis zur Fertigstellung 2020 möglicherweise zu erwartenden Baukostensteigerungen, zum anderen sämtliche Kosten für Interimsmaßnahmen noch gar nicht mitgerechnet. Trotzdem: „So tief und so scharf“, wie man in den vergangenen Jahren die Bausubstanz untersucht habe, und so genau, wie man jetzt „jeden Zentimeter“ der rund 10 000 Quadratmeter Fläche kenne, dürfe es eigentlich „keine Kostenexplosion“ geben, betonte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher.

Rund 12 Millionen Euro kommen an Fördergeldern

Um Punkt 22.00 Uhr fiel also am Donnerstag im Stadtrat der entscheidende Beschluss, die Entwurfsplanung und die Kosten zu genehmigen. Kämmerin Mathilde Hagl hatte zuvor noch erläutert, dass man – optimistisch geschätzt – mit einem Viertel der Summe an Zuschüssen rechnen könne. Nach ersten Vorgesprächen dürften aus dem Bereich des Denkmalschutzes rund zwei Millionen Euro an Förderungen kommen, von der Städtebauförderung rund zehn Millionen Euro. Sebastian Habermeyer (Grüne) erinnerte daran, dass früher die Rede von „überdurchschnittlicher Förderung“ gewesen sei. Folglich hätten wohl die meisten Stadträte mit höheren Zuschüssen gerechnet. Finanz- und Liegenschaftsreferent Ulrich Vogl (ÖDP) sah das anders: Mit einer Förderung in Höhe von 25 Prozent „wären wir gut bedient“.

Dass das Asamgebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert als „schönstes Gebäude der Stadt“ (Hubert Hierl, CSU) unbedingt saniert werden muss, steht bei den Stadträten außer Zweifel. Zumal – und das wurde am Donnerstag mehrmals betont – auf Grund mangelnden Brandschutzes das Haus im Frühjahr 2017 sowieso geschlossen werden müsste. Jetzt wird der Gebäudekomplex zwar auch spätestens im Frühjahr 2017 geschlossen, aber deswegen, weil da die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen. Erste Maßnahmen des so genannten „Projekts P2“ – die Umgestaltung des Asamhinterhofes – sind bereits im vergangenen Jahr getätigt worden und laufen heuer weiter.

An Architekt Anton Mang war es am Donnerstag, die wesentlichen Maßnahmen und die Entwurfsplanung zu präsentieren. Wenn Ende 2020 das Mammutprojekt abgeschlossen sein wird, dann wird das Erdgeschoß nicht nur Ladeneinheiten aufweisen, sondern im Südflügel auch eine Gastronomie für 60 Personen und im Westflügel ein großes Foyer samt Garderobe, Theaterkasse und dem Hauptzugang für den Theatersaal und die Touristinformation über den Innenhof. Im ersten Stock wird sich dann das Stadtmusuem ausbreiten können – auf mehr als der doppelten Fläche.

Das zweite Obergeschoß wird zur Gänze zur Theater- und Kulturnutzung umgebaut – ein neuer Mehrzweckraum in der Südostecke des Gebäudes inklusive. Der barocke Dachstuhl wird saniert, das Museumsdepot im Ostteil wird um einen Raum erweitert.

Der Musterraum zeigt den Stadträten, wie das Gebäude aussehen soll

Bei dem Rundgang durch das Gebäude hatten die Stadträte einen Blick in den Musterraum werfen können, wo sich die künftigen Bodenbeläge, Putze und neuen Fenster befinden: Im Erdgeschoß kommen als Bodenbelag vor allem Solnhofer Platten zum Einsatz, in den öffentlich genutzten Flächen der Obergeschoße vor allem geölte Holzdielen aus Weißtanne. Die vier barocken und fünf historischen Fenster (älter als 100 Jahre) werden restauriert, alle anderen Fenster erneuert. Von den Innenwände werden sämtliche Farbschichten abgetragen (bis zu zwei Zentimeter dick sind die), die barocken Putze darunter bleiben erhalten. Und auch die Decken und Gewölbe bleiben strukturell erhalten, werden allerdings besser gedämmt und nach statischen und brandschutztechnischen Anforderungen aufwändig verstärkt und verbessert. Auch die Außenwände mit ihrem barocken Putz werden die Sanierung „überleben“, die Fassadenputze werden restauriert, teilweise rekonstruiert. Was die Farbgebung betrifft, wird die Fassade ganz ähnlich aussehen wie jetzt, wie man an zwei bereits hergestellten Musterflächen (an der Brennergasse und zum Asamhinterhof) bereits jetzt sehen kann. Die Verwendung der Materialien beschrieb Mang so: „Wir wollen dem Gebäude dadurch wieder etwas an Würde zurückgeben.“

Fotos von der Begehung - klicken Sie sich durch!

Asamsanierung: Fotos zur Begehung des Trakts

Was Mang auch wichtig war: Durch die Sanierungsmaßnahmen (vor allem durch die neuen Fenster) wird der Wärmeverlust des Gebäudes um ein Viertel reduziert.

Wie immer bei Neubauten und bei Sanierungen erst recht von zentraler Bedeutung: das Brandschutzkonzept „zur Entfluchtung“, wie Mang sagte. Im Falle des Asamgebäudes muss gewährleistet sein, dass sich im Fall des Falles 800 Personen aus dem ersten und zweiten Stock sowie maximal 1000 Menschen aus dem Innenhof in Sicherheit bringen können.

Es folgten die einzelnen Fachplaner, die von Rissen im Gemäuer, von „vermorschten Balken“, von Pilzbefall und „besorgniserregendem Zustand“ berichteten, die darlegten, wie die Fundamente gesichert und die Böden vor Überlastungen geschützt werden sollen.

Wesentlich an Attraktivität gewinnen soll auch das Herzstück des gesamten Komplexes: der Asamsaal. Eine neue Audio- und Videotechnik, dazu ein neues Beleuchtungskonzept – das alles wird im Zuge der Sanierung eingebaut. Vor allem: Vor der jetzigen Bühne wird ein Orchesterpodium installiert, das als Orchestergraben abgesenkt, auf die Höhe des Parketts gefahren und bestuhtl, oder auf die Höhe der Bühnenbretter gebracht werden kann, um eine kleine Vorbühne abzugeben. Auf jeden Fall gestattet diese Orchesterbühne eine sehr viel flexiblere Nutzung des Asamsaals.

Aber nicht nur im Asamsaal, im neuen Mehrzweckraum und auch im Asaminnenhof wird künftig Kultur stattfinden, auch im Asamhinterhof. Dort wird bekanntlich ein moderner Lastenaufzug errichtet, der den derzeitigen steinzeitlichen Flaschenzug mit Ketten ersetzt und gleichzeitig zur Bühne umfunktioniert werden kann – so das Konzept mit dem Titel „Asam öffne dich“ von Architekt Michael Deppisch.

Wie Mang erläuterte, werde die Baustelleneinrichtung im Asaminnenhof, im südlichen Freibereich und auch vor der Nordfassade Platz finden. Dazu wird die Hauptstraße Richtung Martienplatz verschwenkt werden müssen.

Die Stadträte stehen voll hinter dem Projekt, wie die Fraktionen am Donnerstag nochmals betonten: Für Vogl ist es „das wichtigste Projekt der jüngeren Stadtgeschichte“, für Hierl ist die Generalsanierung „alternativlos“, für Reinhard Fiedler (FSM) ein „großes und großartiges Projekt“, von dem die Freisinger Bürger noch ganz lange etwas haben werden, und für Richard Grimm (FW) ein Projekt, das man zügig durchziehen müsse.

Die große Harmonie störte nur Peter Warlimont (SPD): Wer solche Projekte wolle, müsse auch Einnahmen erzielen – beispielsweise durch den Verkauf von Gewerbeflächen, wie er auf das umstrittene Thema „Transgourmet“ anspielte. Doch darauf sprang niemand an. Man wollte sich die Stimmung nicht verderben lassen.

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