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Es gibt noch viel zu tun: 179 Bleibeberechtigte liegen auf dem Sprachniveau A0 – keine Sprachkenntnisse. 119 Personen haben das Level A1-A2 erreicht – elementare Sprachanwendung (können alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze verstehen und verwenden). 24 Betroffene verfügen über das Zertifikat B1-B2 – selbstständige Sprachanwendung (können die meisten Situationen bewältigen und sich zu einfachen wie vertrauten Themen klar äußern). Noch kein Bleibeberechtigter hat die höchste Stufe C1-C2 bewältigt – kompetente Sprachverwendung (versteht alles, was er liest oder hört, kann sich spontan und fließend ausdrücken).

Herkules-Aufgabe Integration

Wohnungen, Jobs, Sprache: Hürden für anerkante Flüchtlinge sind hoch

Freising - Sie haben Asyl und schaffen es trotzdem nicht aus den Sammelunterkünften: 339 Bleibeberechtigte zählt das Landratsamt derzeit im Landkreis Freising – und befürchtet, dass die Zahl steigt. Denn die Hürden auf dem Weg in ein eigenständiges Leben sind hoch.

Bisher wurden sie als Fehlbeleger bezeichnet: Flüchtlinge, deren Asylantrag anerkannt wurde, die aber trotzdem quer durch den ganzen Landkreis in Containern verharren müssen, weil sie aus unterschiedlichen Gründen noch nicht auf eigenen Füßen stehen können. Jetzt firmieren sie unter einem neuen Namen: Bleibeberechtigte. Das hört sich freundlicher an. Alles andere klingt indes ernüchternd.

„Die Zahl der Bleibeberechtigten nimmt konstant zu“, berichtet Eva Dörpinghaus, Sprecherin des Landratsamts. Und dieser Trend dürfte sich künftig sogar beschleunigen. Grund dafür ist die kürzlich eingeführte Wohnsitzauflage. Sie schreibt vor, dass nicht nur Asylbewerber, sondern auch Asylberechtigte in den Landkreisen bleiben müssen, denen sie zugewiesen wurden. Nur in Ausnahmen ist es für Betroffene möglich, einen Umverteilungsantrag zu stellen: bei Aufnahme einer Ausbildung, eines Studiums oder einer Erwerbstätigkeit mit einem Salär von mehr als 712 Euro brutto.

„Grundsätzlich hängt die Entwicklung stark von der Zusammensetzung der Asylbewerber im Landkreis zusammen, zum Beispiel mit ihrer Bleibeprognose“, erklärt Dörpinghaus weiter. Während die Perspektiven für Afghanen in den vergangenen Monaten schlechter geworden sind, haben etwa Gruppen aus Syrien und Eritrea gute Chancen auf Asyl. Das bedeutet: Je mehr Menschen aus diesen Ländern dem Landkreis zugeordnet werden, desto mehr dürfte die Zahl der Asylberechtigten und damit auch die der Bleibeberechtigten steigen.

Wohnungsnot

Die größte Hürde ist bekannt: Auf dem umkämpften Wohnungsmarkt finden Asylberechtigte kaum eine bezahlbare Bleibe. Das Landratsamt kann sie nur sehr eingeschränkt bei der Wohnungssuche unterstützen. „Dies gebietet schon das Prinzip der Gleichbehandlung“, betont Dörpinghaus. „Andere Personengruppen wie Arbeitslosengeld II- oder Sozialhilfeempfänger müssen sich ihre Wohnung auch selbst suchen.“ Landrat Josef Hauner appelliert daher immer wieder an Vermieter im Raum Freising, sozial Schwächeren eine Chance zu geben.

Fehlende Abschlüsse

Doch auch die Integration in den Arbeitsmarkt, auf die vor allem das Handwerk große Hoffnungen setzt, verläuft holprig. Zwar macht der deutschen Wirtschaft der Fachkräftemangel zu schaffen, so schnell lässt sich diese Lücke jedoch auch nicht mit anerkannten Flüchtlingen schließen. Ein Hauptproblem: Laut Landratsamt sind lediglich bei 22 Personen die Bildungsabschlüsse aus dem Herkunftsland nachweisbar oder auf dem regionalen Arbeitsmarkt verwertbar. Doch das ist nur ein Teil des Job-Schlamassels.

Sprachdefizite

„Das fehlende beziehungsweise ungenügende Sprachniveau erschwert die Arbeitsaufnahme massiv“, sagt Dörpinghaus. Die Mehrzahl der Bleibeberechtigten besitzt keinerlei Sprachkenntnisse: 179 Personen können sich nicht auf Deutsch artikulieren (siehe Grafik). Kein Einziger hat bis dato das höchstzertifizierte Level erreicht. Der Rest pendelt zwischen einem mehr oder weniger hohen Niveau. Damit das besser wird, befinden sich derzeit 157 Personen in Sprachkursen. Sie enden im Laufe des ersten Halbjahres 2017, wie Dörpinghaus mitteilt: „Mit dem Ziel einer möglichst dauerhaften Arbeitsaufnahme bietet das Jobcenter diesen Personen nach erfolgreichem Abschluss des Kurses Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Metall, Lager, Pflege und Handel an.“

Container-Miete

Derzeit beziehen rund 370 anerkannte Flüchtlinge Leistungen nach dem SGB II, darunter 322 sogenannte „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ – Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren, die in der Lage sind, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten. 28 von ihnen haben eine Arbeit oder eine Ausbildung ergattert, wie Dörpinghaus berichtet: „Aufgrund des geringen Einkommens konnte die Hilfebedürftigkeit aber bisher nicht beendet werden.“ 35 Jugendliche sind noch schulpflichtig, drei befinden sich in einer Qualifizierungsvorbereitung für ein Studium. Bei 15 Bleibeberechtigten ist eine Arbeitsaufnahme derzeit wegen psychischer oder physischer Erkrankungen nicht möglich.

„Die weiteren Entwicklungen sind schwer vorhersehbar“, sagt Dörpinghaus. „Wir denken aber, dass wir vorgesorgt haben.“ Sie bezieht sich dabei auf die Anlage an der Wippenhauser Straße in Freising, die 398 Plätze bietet, und die neue Unterkunft, die derzeit in Freising an der Katharina-Mair-Straße für weitere 150 Menschen gebaut wird. Nach derzeitiger Rechtslage dürfen die Asylberechtigten in der Unterkunft bleiben, werden aber laut Dörpinghaus bald zur Zahlung eines Unterkunftsbetrags herangezogen.

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