Doppelmord: Christoph W. war wie im "Blutrausch"

Freising - Sein Mandant mache keine Angaben, sagte gestern der Anwalt von Christoph W. Aber er übernehme für den Doppelmord an dem Notzinger Ehepaar Franz-Xaver (60) und Heidi R. (54) am 30. März 2012 die alleinige Verantwortung.

Mit einer Erklärung seines Mandanten sorgte der Verteidiger des 22-jährigen Anlagenmechanikers Christoph W. aus Freising gestern zum Prozessauftakt vor der Schwurgerichtskammer des Landshuter Landgerichts für eine Überraschung: Zuvor war von einer umfassenden Aussage des 22-Jährigen die Rede gewesen. Durch seinen Anwalt ließ W. nun verlauten, er sei der alleinige Täter.

Der schlaksige Angeklagte in Anstaltskleidung wurde über eine Hintertür von Beamten der JVA Straubing im Schwurgerichtssaal vorgeführt. Er verhüllte sein Gesicht mit einer über den Kopf gestülpten blauen Jacke, die er erst ablegte, als die Kameras auf Anweisung der Vorsitzenden Richterin Gisela Geppert abgeschaltet werden mussten. Von da an verfolgte Christoph W. das Prozessgeschehen ohne erkennbare Regung - selbst dann nicht, als Staatsanwalt Ralph Reiter die sechs Seiten umfassende Anklage mit detaillierten Schilderungen schier unglaublicher Grausamkeiten verlas. Nachdem er den 60-Jährigen getötet habe, sei der Angeklagte in einer Art „Overkill“ über dessen Frau hergefallen und habe sich dabei in einen wahren Blutrausch gesteigert, weil sich vor allem gegen sie sein Hass richtete.

Danach überraschte Verteidiger Winfried Folda mit einem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit bis zur Urteilsverkündung. Er argumentierte damit, dass bei der Beweisaufnahme schutzwürdige Interessen des Angeklagten zur Sprache kämen. Dazu bestehe bei seinem Mandanten latente Suizidgefahr. Die Kammer wies den Antrag zurück. Die Vorgänge vor, während und nach der Tat beschäftigten den Angeklagten permanent, so sein Verteidiger, aber in Details sei er sich nicht mehr sicher. Deshalb bestätige er das bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung gelieferte Geständnis. „Er übernimmt die volle und alleinige Verantwortung für die Tat, die Gründe sind ihm nicht klar“, so der Verteidiger. Der Angeklagte sei über sich selbst geschockt, habe nie von sich geglaubt, zu so etwas fähig zu sein. Bei seiner Ex-Verlobten, deren Bruder, aber auch bei seinen eigenen Eltern entschuldige er sich. Er sei sich bewusst, dass er allen großes Leid zugefügt habe.

Chefermittler Anton Wegmaier (58) von der Erdinger Kripo berichtete dann über die Ermittlungen. Christoph W. habe bei seiner Vernehmung einen ruhigen, eher schon stoischen Eindruck gemacht. Erstaunt sei man von Tochter Cornelia R. gewesen, die fast emotionslos geschildert habe, wie sie auf Druck ihres Ex-Verlobten mitgeholfen habe, die Leichen der Eltern zu beseitigen. Stundenlang habe der Ex-Verlobte auf sie gewartet, ihr dann von den Morden berichtet und von ihr gefordert, ihm bei der Beseitigung der Leichen zu helfen, „weil es sonst noch eine dritte gibt.“ Der Prozess, für den noch elf Verhandlungstage angesetzt sind, wird am Donnerstag fortgesetzt.

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