Mit Hochdruck arbeiten die Pflasterer in der Heiliggeistgasse am neuen Belag. Bald wird eine zweite Kolonne als Verstärkung anrücken.

Anwohner und Geschäftsleute sind verärgert

Viele Steine des Anstoßes

Freising - Während die ersten Pflastersteine in der Heiliggeistgasse den Boden bedecken, liegen bei einigen Anliegern die Nerven blank. Man hätte die Arbeiten anders koordinieren sollen, heißt es. Die Vollsperrung habe außerdem heftige Auswirkungen auf die Geschäftswelt.

„Eine Baustelle, in der es den Anwohnern unmöglich ist, ihre Wohnungen zu erreichen, ohne durch Dreck und an Baufahrzeugen vorbei zu schleichen, ist unzumutbar“: Anwohner Joachim Weiß ärgert sich: Hätte man die Gasse nicht auch in Teilschritten bearbeiten können?“, fragte er jetzt in Richtung Stadtverwaltung. Beim Status quo hingegen sei es kaum möglich, geraden Schrittes die Baustelle zu passieren. 

Und seine Abfalltonne, die ja in der Gasse selbst nicht abgeholt werden können, müsse er an den Sammelpunkt an der Unteren Hauptstraße tragen: „Denn rollen geht nicht wegen der Holperstrecke.“ Dass inzwischen „die Geschäfte Umsatzeinbrüche zu verkraften haben, sei nur nebenbei erwähnt“, meint Weiß. Warum habe man die Gasse nicht komplett gesperrt?: „Es muss doch möglich sein, so ein Straßenstück auch in zwei Abschnitten zu pflastern. Da hätte man als Anwohner oder Passant wenigstens Ausweichmöglichkeiten. 

Betroffen ist auch Stefan Müller, Mitinhaber eines Tattoo-Studios an der Heiliggeistgasse. Ihm bleibe die Kundschaft weg: „Ich selbst habe meine Piercing-Abteilung eingestellt und mache jetzt vorübergehend einen andern Job. Es kommt kaum noch wer.“ Auch er hätte sich gewünscht, die ganze Baustelle wäre in zwei Etappen abgewickelt worden: „Derzeit ist die ganze Baustelle eine einzige Katastrophe.“ Zudem gehöre an den Beginn der Gasse ein Schild, „dass Geschäfte und Dienstleister noch erreichbar sind.“ Den „Staub und Lärm der Baustelle“ bekommt Michel Brümmer mit, der eine Physiotherapie-Praxis im Heiliggeist-Komplex betreibt. Und: „Ich habe schon einige Leute hinfallen sehen.“ Es wäre daher umgehend nötig, die bis zur Pflasterung nur provisorisch verfüllten Gräben „mit dem Rüttler zu begradigen.“ „Ich hab’ ungefähr 60 Prozent weniger Kunden“, klagt Clarissa Rahimoff, die seit Jahren an der Heiliggeistgasse einen Second-Hand-Laden betreibt: „Bei mir können die Kunden kaum noch Sachen anliefern oder abholen.“ Sie habe deshalb nur noch bis 13 Uhr geöffnet.

Mit Rampen und Matten haben die Bauarbeiter die schlimmsten Holperpisten während der Umbauphase der Gasse überdeckt.

Indes ist Hauptamtsleiter Rupert Widmann zusammen mit Alois Spangler vom Tiefbau und dem Innenstadt-Umbaukoordinator Michael Schulze täglich damit beschäftigt, die Belastungen der Anwohner und Geschäftsleute so gering wie möglich zu halten: „Es wurde damit begonnen, kleine Rampen zu bauen, um den Zugang für die Anwohner an einzelnen Stellen zu verbessern“, teilte er auf Anfrage mit. „Nachvollziehbar“ seien laut Widmann die Klagen der Geschäftsleute. Er werde klären, ob man ein Schild anbringen kann, das Lieferverkehr freigibt: „Das muss geprüft werden“. Ebenso wird laut Widmann gerade ein Antrag der Freisinger Mitte (FSM )abgeklopft, den der Stadtrat vergangene Woche zur Kenntnis genommen hat: Die FSM möchte künftig an den Baustellen des Innenstadt-Umbaus Tafeln aufstellen, die mit Bildern und Texten über die jeweilige Maßnahme informieren. Was die derzeitige Holperpiste, über die auch geklagt wurde, angeht, seien laut Hauptamtsleiter Widmann bereits dicke Matten in der Gasse ausgelegt worden. „Die werden die Unebenheiten ausgleichen“, ergänzt Tiefbau-Experte Alois Spangler. Und was die Müllabfuhr betreffe, so wurde laut Rupert Widmann im Vorfeld der Arbeiten die Parole ausgegeben, dass die Bauarbeiter an den Abholtagen die Gelben Säcke oder auch die Tonnen nach vorne schaffen sollen: „Und das wird auch gemacht.“ Die Heiliggeistgasse in Etappen zu pflastern, habe man laut Rupert Widmann und Alois Spangler aus gutem Grund nicht realisiert: „Wenn die Platten nicht im Gesamtverbund verlegt werden, sondern in getrennten Abschnitten, bekommt man keine Festigkeit. Es bilden sich später Spalten oder Fugen, die sogar zu Schäden am Belag führen können.“ Aber es gibt in diesem Zusammenhang auch gute Nachrichten Um die Maßnahme zu beschleunigen, wird bald eine zweite Kolonne anpacken, um die Heiliggeistgasse so bald als möglich „dicht“ zu bekommen. 

Zusammenfassend betont Widmann, es habe wohl in Freising bei noch keinem Projekt einen so detaillierten Informationsfluss gegeben wie beim Innenstadt-Umbau. „Dezidiert war aber auch für die Heiliggeistgasse ein eigener Bürger-Infoabend abgehalten worden“, merkt Innenstadtumbau-Spezialist Michael Schulze (Stadtverwaltung) an: „Jeder Anwohner und auch die Geschäftsleute wussten, was auf den Einzelnen zukommt.“

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