Für 5,8 Millionen Euro

Stadt Freising baut Eishalle

Freising - In Freising wird es bald eine Eishalle geben: Mit 24:13 Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstagabend gegen 21.15 Uhr das Vorhaben abgesegnet. 5,8 Millionen Euro lässt sich die Domstadt das Projekt kosten.

Bitte kein Beifall, bitte keine Unmutsbezeugungen – darum hatte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher im großen Sitzungssaal die rund 50 interessierten Zuhörer gebeten. Nur nach dem Beschluss „gerne“. Und so kam es auch: Die Anhänger einer Eishalle applaudierten nach der Abstimmung – nicht frenetisch, aber wohlwollend.

Die Diskussion war lang, die Meinungen der Stadträte schon vorher festgelegt. Der Antrag eines schon entnervten Josef Krimmer (CSU) auf Ende der Debatte nach 75 Minuten wurde aber abgelehnt – mit 18:19 Stimmen. Franz Piller, der Leiter der Technischen Betriebe, erläuterte zu Beginn nochmals, wie die Verwaltung zu dem Beschlussvorschlag gekommen sei, eine Eishalle und nicht nur ein Dach zu bauen. Ein Dach allein (samt neuer Umkleidekabinen und Technikgebäude) hätte fünf Millionen gekostet, Eishockey und Eisdisco wären aber nach 20 Uhr nicht mehr möglich gewesen. Eine Eishalle würde 5,8 Millionen kosten, den Betrieb aber bis 24 Uhr ermöglichen. Wichtig, und Kämmerin Mathilde Hagl stellte das auch klar: Man habe nicht nur 5,3 Millionen Euro an Ausgaben in den Haushalt 2013 eingestellt, sondern auch 600 000 Euro an Einnahmen durch Spenden und Sachleistungen des Fördervereins. Bei der vorgeschlagenen Variante müsse man aber auf 600 000 Euro vom Förderverein verzichten, der für dieses Geld die Umkleidekabinen für den SEF selbst errichte. Folge: Eine Mittelumschichtung in Höhe von 1,1 Millionen Euro sei notwendig – Geld, das man aus den Rücklagen entnehme.

Und damit war die Basis für eine rege Debatte gelegt, die der zuständige Referent Erich Irlstorfer (CSU) mit einem Plädoyer für die 5,8-Millionen-Variante eröffnete: Er sei „ins Gelingen verliebt“, weshalb man das Projekt jetzt beschließen müsse. Und angesichts der Lärmproblematik sei „eine Halle unumgänglich“. Irlstorfer ahnte schon die Argumente der Eishallen-Gegner und beugte vor: Das sei viel Geld, das man aber nicht für einen Verein, sondern für die Möglichkeit zu Freizeitsport und Naherholung ausgebe.

Die fünf CSU'ler stimmten für den Beschlussvorschlag. Reinhard Fiedler (FSM) betonte, auch die Freisinger Mitte stehe grundsätzlich zu dem Projekt und stimme mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag zu. Fiedler beantragte, ein Gremium einzusetzen, das noch Detailfragen klären solle. Allerdings gab das FSM-Duo Oliver Pflüger und Ricarda Schindler später ein Nein ab. Ähnlich die Freien Wähler: Es sei jetzt lange genug diskutiert worden, jetzt müsse mal was für die Bevölkerung gebaut werden, forderte Fraktionschef Richard Grimm. Bis auf Rita Schwaiger votierten dann auch alle FW'ler für das 5,8-Millionen-Projekt. Statements gegen die Eishalle kamen vor allem aus der „grünen“ Ecke: Fraktionssprecher Jürgen Maguhn erinnerte daran, dass man vor einem Jahr bei 4,7 Millionen Euro gelegen sei. Dann seien „die Kostenschätzungen explodiert“, die Stadträte hätten sich „in die Brust geworfen“ und 5,3 Millionen Euro als maximale Obergrenze angesehen. Und jetzt? 5,8 Millionen.

Aus der Riege der Grünen, die mit Nein stimmten, scherten allerdings Jugendreferentin Waltraud Heinlein-Zischgl und Schulreferentin Eva Bönig aus. Die vier anwesenden SPD-Stadträte hingegen votierten geschlossen für die Eishalle und damit für 5,8 Millionen Euro. „Es gibt nichts Schlimmeres als Provisorien und Teillösungen“, warnte Helmut Weinzierl. Weitere Gegenstimmen kamen von Anna Maria Sahlmüller (FDP), der das einfach zu viel Geld war für eine „Nicht-Pflichtaufgabe“ der Stadt, und von Ulrich Vogl (ÖDP): Wenn man für die Eishalle im Endeffekt wohl acht Millionen Euro ausgebe, würden alle anderen Projekte von Hallenbad über Innenstadt bis Asamgebäude (und Westtangente) um zwei Jahre verzögert, warnte Vogl. Die schärfsten Kritiker waren die beiden Linken: Eckhardt Kaiser prangerte vor allem die Ungleichbehandlung mit anderen Sportvereinen an, wenn man so viel Geld für eine „Minderheit“ ausgebe. Er habe noch kein Projekt „mit so vielen Ungereimtheiten und undurchsichtigen Manövern“ erlebt. Dem SEF warf er „Erpressungsversuche“ vor.

Andreas Beschorner

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