„Gegen Fremdenhass hilft Bildung“

Moosburg - Fremdenhass sei eine Reaktion auf nicht verarbeitete Angstzustände. Was dagegen hilft? „Bildung!“ Es war ein aufschlussreicher Abend im Moosburger Pfarrheim. ILMO und der Pfarrverband hatten Josef Epp eingeladen. Und der zeigte auf, wieso es so wichtig ist, sprachlich abzurüsten.

"Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Pastoralreferent Markus John zitierte am Mittwoch im Pfarrheim Moosburg den Autor und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Und um eben diese Erkenntnis drehte sich der Rest des Abends. Es sei dringend nötig, sprachlich abzurüsten, sagte Flüchtlings- und Migrationsbetreuer Reinhold Kastorff, der unter diesem Motto und im Namen von ILMO (Integratives Leben in Moosburg) zusammen mit dem Pfarrverband Moosburg-Pfrombach zu dem Vortragsabend mit Josef Epp eingeladen hatte. „Wir wollen den öffentlichen Diskurs“, sagte Kastorff. Aber der solle doch bitteschön anständig und sachlich sein, der möge nichts beschönigen, aber auch nichts dramatisieren. Und eben weil man in der Flüchtlingsfrage mit einem Problem konfrontiert sei, für das es nicht die Lösung gebe „müssen wir in den Dialog treten“, sagte Josef Epp. Und der Dialog bediene sich oftmals einer Sprache, mit der er so gar nicht einverstanden sei.

Josef Epp ist Religionslehrer, Klinikseelsorger, Buchautor. Und Josef Epp hat eine klare Meinung zum Thema Flüchtlinge. Er weigere sich, in diesem Zusammenhang von Flut, Welle oder Lawine zu sprechen. „Das ist keine Naturkatastrophe, es ist die Konsequenz einer lang anhaltenden Entwicklung, an der wir nicht unbeteiligt sind“, davon ist er überzeugt. Und er weigere sich zudem, die Situation in Deutschland als Krise zu bezeichnen: „Krise ist da, wo die Menschen herkommen.“ Die Lage stellt freilich ein Problem dar, räumte Epp ein. Beispielsweise wenn es darum gehe, in einer Kommune 400 geflüchtete Menschen möglichst menschenwürdig unterzubringen. „Probleme aber gehören zum Leben.“

Doch was sind die Gründe dafür, dass Menschen die christlichen Grundwerte vergessen und sich verbal nicht mehr zurücknehmen können? Woher kommt der Fremdenhass? „Fremde in unserer Gesellschaft lösen bei manchen Angst aus.“ Was hilft gegen solche Sündenbockprojektionen, laut Epp im übrigen eine Reaktion auf nicht verarbeitete Angstzustände? „Bildung!“ Epp appellierte an alle, sich zu informieren, um zu begreifen, wo die Gründe für die neue Situation liegen, anstatt ein Angstszenario zu schüren. „Wir leben nunmal in einer Welt der permanent steigenden Konflikte.“ Laut des Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung gebe es aktuell auf der Welt 424 politische Auseinandersetzungen, davon 21 Kriege. Mit der Folge, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen, weil Leib und Leben bedroht sind, zitierte Epp aus dieser Studie. „Doch wo stammt ein Großteil der Waffen im Syrienkrieg her? – Aus Deutschland.“ Der Religionspädagoge berichtete von der Kriegsursache des Bürgerkrieges im Kongo: Coltan. Eben jener Rohstoff, der sich in allen Handys wiederfindet. „95 Prozent sind blutiges Coltan.“ Und mit diesem Wissen könne keiner mehr sagen: „Dieser Krieg geht mich nichts an.“

Verbal abrüsten stehe auch jenen gut zu Gesicht, die „cool von Wirtschaftsflüchtlingen sprechen“. 16 000 Kinder sterben täglich an den Folgen der Armut. Die Menschen, die sich auf den Weg zu uns machen, ihre Heimat verlassen, um eine Lebensperspektive zu suchen, seien Armutsflüchtlinge. „Zu sagen, ihr sucht das leichte Leben, das ist entwürdigend“, urteilte der Referent. Und wenn er einen Alexander Gauland von der AfD sagen höre: „Ich möchte dieses Land, wie wir es von unseren Vätern ererbt haben“, könne er dem nur entgegnen: „Dem Satz fehlt die Grundintelligenz, denn das einzig Beständige ist der Wandel.“ Den Status eines Zeitpunktes einfrieren zu wollen grenze an Realitätsverlust – „Solche Sätze sind gefährlich“, sagte Epp.

Und kurz sprach er auch die Pegida-Demonstranten an (Pegida: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), die für christliche Werte kämpfen, ohne selbst einer Religion anzugehören. „Wenn Lutz Bachmann der Vertreter des christlichen Abendlandes ist, dann verliert der Islamismus seinen Schrecken.“

Fünf Grundwerte

Josef Epp war es ein Anliegen, den Anwesenden fünf Grundorientierungen mit auf den Weg zu geben:

  • Keiner kann sich aus den globalen Herausforderungen herauslösen, denn „wir sitzen alle im globalen Boot gesellschaftlicher Verstrickungen“. Um eine Lösung zu finden, bedarf es eines sachlichen Dialogs.
  • Christliche Wertorientierung zeigt sich in der Sprache. Epps Appell: einfühlsam von Menschen in bitterer Not und Existenzangst zu sprechen, nicht von Welle, Flut oder Lawine. Hilfsbereite Menschen dürfen nicht als Gutmenschen denunziert werden, Willkommenskultur sei kein Synonym für Naivität.
  • Die letzte Instanz, die entscheiden müsse, sei stets das menschliche Gewissen. „Christliche Wertorientierung verleiht humanitärem Handeln oberste Priorität.“
  • Die Wertegemeinschaft akzeptiere, „dass uns die Not von Menschen jetzt und hier begegnet. Wir müssen begreifen: Jede verweigerte Hilfe ist eine Sünde: Gutes unterlassen, Böses getan – beides ist als Schuld zu werten.“
  • Wer sich an diesen Werten orientiert, hinterfragt die eigene Verantwortung im lokalen Handeln und globalen Verhalten. Die Menschen stehen in der Pflicht, sich zu informieren und sich der Realität zu stellen „und das ohne Schaum vor dem Mund, ohne die Würde des anderen zu verletzen“.

Abschließend prophezeite der Referent, dass viele, die sich mit ihrem Verhalten jetzt moralisch schuldig machen, es sich später nicht aussuchen können, welche Bilder sie verfolgen: Das tote Flüchtlingskind am Strand, ertrunkene Asylsuchende im Meer . . . „Wir werden nicht aus unserer Verantwortung entlassen."

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