Ende eines Trips

Geheimnisvolle Droge wirft 19-jährigen Moosburger um

Moosburg - Er wollte Drogen. Doch die, die er von seinem Spezl bekam, waren zu viel für ihn. Der Trip führte einen 19-Jährigen aus Moosburg zunächst ins Krankenhaus – und dann vors Amtsgericht.

Die Szene erinnert an Slapstick, war aber alles andere als lustig. 50 Euro hat der junge Moosburger seinem Spezl im Juni 2015 in die Hand gedrückt mit dem Auftrag, ihm etwas Gras zu besorgen. Die Wartezeit wollte er sich mit einer Zigarette vertreiben. Sein Kumpel konnte aber nur mit Tabak dienen. Im nächsten Moment lag der 19-Jährige auf dem Boden – alle Viere von sich gestreckt. Was auch immer der Spezl in seinen Tabak gemixt hatte – es war stark genug, um den 19-Jährigen auszuknocken. Während Sanitäter sich um ihn kümmerten und ihn ins nächstgelegene Krankenhaus brachten, verduftete der sogenannte Freund mit dem geheimnisvollen Rauchwerk und dem Geld des Moosburgers. Der kam erst im Krankenhaus wieder zu sich.

Der 19-Jährige geht inzwischen davon aus, eine dieser Kräutermischungen inhaliert zu haben, die seit geraumer Zeit als Cannabis-Ersatz auf dem Markt gehandelt werden. Nicht jede Mixtur zeitigt dieselbe Wirkung. Je nach persönlichem Rezept des Anbieters mag die Dröhnung mitunter nachhaltiger ausfallen als erwartet. Der 19-Jährige ist nicht der Einzige, dem so etwas schon zugestoßen ist. Erst im Februar war in Freising ein 18-Jähriger nahe der Korbiniansbrücke zusammengebrochen. Auch er räumte ein, dass er eine Kräutermischung geraucht habe. Die Polizei warnt inzwischen eindringlich vor dieser Art von Drogen, die zwar derzeit sehr beliebt sei, aber lebensbedrohliche Zustände hervorrufen könne.

Wegen versuchten Drogenerwerbs musste der 19-Jährige sich vor dem Amtsgericht Freising verantworten. Anders als sein Spezl, der sich unfein aus dem Staub gemacht hatte, übernahm der 19-Jährige Verantwortung und legte ein umfassendes Geständnis ab. Das Gericht honorierte das Entgegenkommen mit einem milden Urteil. Der Moosburger wurde dazu verpflichtet, 400 Euro an die Staatskasse zu zahlen.

Marihuana ordnete der Staatsanwalt als Einstiegsdroge ein: „Es gibt Schlimmeres.“ Mehr als der Umstand, dass der Moosburger sich härteren Drogen bisher zu enthalten scheint, überzeugte sein Lebensweg. Wie so viele Angeklagte, hatte es der Heranwachsende nicht leicht: Der Vater ist unbekannt. Den Kontakt zum Ersatzvater, zu dem er eine „sehr enge Bindung“ geknüpft hatte, verlor er, da die Mutter sich von ihm trennte. Der nächste Stiefvater neigte zu Handgreiflichkeiten. In der Schule gemobbt, verbrachte der Moosburger seine Zeit fortan mit Ballerspielen vor dem Computer.

Der Jugendgerichshilfe teilte er mit, dass ihn die Erlebnisse vom vergangenen Juli endgültig von Drogen kuriert hätten. Der 19-Jährige nutzte ein Jugendhilfeangebot, um Hauptschulabschluss und Lehre nachzuholen. „Jetzt will ich meine Mittlere Reife machen, danach das Fach-Abi“, berichtete er. Seine Worte hinterließen Eindruck. „Nicht jeder schafft es, die Wende zumindest einzuleiten“, betonte Richter Boris Schätz. „Bei den meisten bleibt es bei Vorsätzen.“

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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