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Geldstrafe statt Knast für Ladendiebin

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Neufahrn - Das war ein salomonisches Urteil: Statt einer Freiheitsstrafe verhängte die Berufungskammer beim Landgericht Landshut gegen eine mehrfach vorbestrafte Bürokraft (29) aus Neufahrn für einen Ladendiebstahl mit einer Beute von nur 15 Euro eine Geldstrafe.

Die zuletzt aufgrund ihrer psychischen Probleme arbeitsunfähige Frau war im Oktober 2013 von einem Ladendetektiv beobachtet worden, wie sie Waren aus den Regalen nicht nur im Einkaufswagen, sondern auch in ihrer Tasche verstaute. An der Kasse zahlte sie dann rund 15 Euro - und als sie dann angehalten und ihre Tasche durchsucht wurde, fand man Lebensmittel und andere Utensilien für weitere 15 Euro. Beim Strafrichter des Amtsgerichts Freising hatte sich die 29-Jährige wegen Diebstahls geringwertiger Sachen eine Freiheitsstrafe von drei Monaten eingehandelt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Grund dafür waren die zahlreichen Vorstrafen der Bürokraft, die sich bereits im Jugendalter Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls, aber auch wegen einer Geiselnahme (drei Jahre Freiheitsstrafe) eingehandelt hatte. Als Erwachsene setzte sie ihre kriminelle Karriere fort. Da hatte sie sich zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten - ebenso Drogenkonsument wie sie selbst - darauf spezialisiert, in Münchner Geschäften Handtaschen von Kundinnen zu entwenden, um an Geld zu kommen. Auch dafür wanderte sie ins Gefängnis, erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

Gegen das Freisinger Urteil legte sie Berufung ein. Wortreich schilderte sie ihre schwere Kindheit. Wegen der familiären Probleme hätten sich bei ihr Depressionen und Panikattacken eingestellt, die zunächst medikamentös behandelt worden seien. Schließlich sei sie mit 15 beim Alkohol- und Drogenkonsum gelandet. Nach mehreren Klinikaufenthalten sei sie immer wieder rückfällig geworden, habe an Halluzinationen gelitten und sich auch selbst verletzt: „Wenn ich mich schneide, ist alles normal. Ich weiß, dass ich es schaffen muss, meine Medikamente kontrolliert einzunehmen.“ Sie nehme deshalb auch Beratungshilfe in Anspruch und strebe einen Platz in einer betreuten Wohneinrichtung an.

Landgerichtsarzt Dr. Hubert Näger bescheinigte der 29-Jährigen eine Polytoxikonamie und eine Persönlichkeitsstörung mit einem schweren depressiven Syndrom und billigte ihr - da sie zur Tatzeit Beruhigungsmittel unkontrolliert eingenommen habe - verminderte Schuldfähigkeit zu. Der Bewährungshelfer bescheinigte der Bürokraft, dass sie seit Ende 2013 drogenabstinent, aber auch motiviert sei, eine Therapie zu machen. Verteidiger Walter Huber plädierte für Bewährung, während Staatsanwältin Alexandra Karch beantragte, die Berufung zu verwerfen. Ihr fehlte eine positiven Sozialprognose, die Vollzugsstrafe sei unerlässlich.

Überraschend fiel dann das Urteil aus, die Berufungskammer verhängte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen (entspricht drei Monaten Haft) à 10 Euro, also insgesamt 900 Euro. Derzeit käme eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht infrage, so Vorsitzender Richter Richard Findl, andererseits schreibe das Gesetz Freiheitsstrafen lediglich vor, wenn sie „unerlässlich“ seien. Und das sei für die aktuelle Straftat nicht der Fall.

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