Gericht: Ein Nazi, der gar keiner ist

Eching - Schwarze und Türken zählt er zu seinen besten Freunden. Das Dritte Reich sei aber nicht nur schlecht gewesen. Was der wegen Volksverhetzung angeklagte Echinger (21) im Amtsgericht Freising von sich gab, war bestenfalls schizophren.

Beim Faschingsumzug in Fahrenzhausen hatte sich der Angeklagte am Aufdruck eines Sweatshirts gestört, das ein 19-Jähriger trug. „FCK NZS“ stand darauf. Fügt man die fehlenden Vokale ein, ergibt der Wortsalat Sinn: „Fuck Nazis“. Der 19-Jährige war als Feuerwehrler dienstlich vor Ort. Der Angeklagte war der Ansicht, dass derlei Botschaften in der Öffentlichkeit unangebracht seien. Als der Student ihm mitteilte, von Nazis nichts zu halten, sagte der Echinger: „Jetzt steht einer vor Dir!“ In der Folge entspann sich ein Dialog, in dessen Verlauf sich der 21-Jährige zu immer heftigeren Äußerungen verstieg. Die Nazis seien nicht rassistisch, behauptete er. Schließlich habe bei der SS eine türkische Division Dienst getan. Hitler habe außerdem viel Gutes vollbracht. Nur bei der Sache mit den Juden und den Konzentrationslagern habe er über die Stränge geschlagen. Bald darauf leugnete er aber die Existenz der KZ und vertrat die Ansicht, man sollte die Taten des Dritten Reichs fortsetzen.

Das war der Moment, als es dem Student reichte und er ankündigte: „Ich gehe zur Polizei!“ Was den 19-Jährigen besonders bedrückt: Unzählige Passanten hätten den Streit verfolgt. „Später haben ihm Leute auf die Schultern geklopft.“ Ja mei, der sei halt so, hätten sie auf seine Frage, warum sie das tun, geantwortet.

Wiederholt bemühte sich der Angeklagte, dem Gericht klar zu machen, kein Rassist zu sein - obwohl er nur Wochen zuvor wegen Volksverhetzung verurteilt worden war, weil er bei Facebook die Ansicht vertrat, jemand sollte Flüchtlingscamps mit Seuchen infiltrieren. Inzwischen habe er aber Asylanten kennengelernt und sich eines Besseren belehren lassen.

Nach einem Tipp aus der Bevölkerung beschlagnahmten Beamte aus seiner Wohnung eine Hakenkreuzflagge. Weil diese von der Straße aus zu sehen war, musste sich der 21-Jährige auch wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Das Gericht entschied auf sieben Monate Bewährungsstrafe.

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