Viele Interessierte waren in den St.-Georgs-Saal gekommen, um sich von Monika Krüger (am Beamer) über das Pestizid Glyphosat umfassend informieren zu lassen. Foto: Gleixner

Glyphosat: "Wahrscheinlich krebserregend"

Freising - Der Pfarrsaal von St. Georg wurde zum Chemie-Hörsaal umfunktioniert: Die emeritierte Tierärztin und ehemalige Direktorin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie an der Uni Leipzig, Professor Monika Krüger, berichtete über Untersuchungen an ihrem Institut über das umstrittene Pestizid Glyphosat.

Der Vortrag gereichte quasi zu einer Vorlesung für Chemiestudenten im dritten - oder höheren - Semester. Nichtchemiker verstanden an diesem Abend aber auch deutlich, dass das sogenannte Pflanzenschutzmittel Glyphosat aus dem Hause Monsanto („und weiteren 99 Herstellern“, Krüger) alles andere als harmlos für die Nahrungsmittelkette ist. Diese Erkenntnis hat nicht zuletzt dazu geführt, so Monika Krüger, dass in der vergangenen Woche die EU-Kommission die Entscheidung über die Wiederzulassung des Totalherbizids, für 15 Jahre, vertagt hat. Immer mehr EU-Staaten wollten zuletzt gegen die Wiederzulassung stimmen - nicht zuletzt deswegen, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat mittlerweile als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft habe. Monika Krüger berichtete von Untersuchungen an Kühen und Schweinen, an Hasen und Damwild, bei denen Botulismus festgestellt wurde. Vor allem aus Milchviehbetrieben sei über den sogenannten „viszeralen“ oder „chronischen Botulismus“ berichtet worden. Zu den Symptomen gehörten hier verminderte Milchleistung, Euterentzündungen, Abmagerungen und aufgekrümmter Rücken bin hin zum Festliegen.

Walter Gränzer zeigte sich als Diskussionsredner angetan von den Erkenntnissen Monika Krügers und der unabhängigen Uni Leipzig. Er sagte, es gebe aber auch andere Untersuchungen zu Glyphosat. Das sei nicht verwunderlich, wenn man weiß, wie manche Stiftungsuniversitäten funktionieren. Als Beispiel nannte er eine, deren Vorstand aus der Pharma-Industrie und aus dem Fleischhandel komme. Unabhängigkeit sehe anderes aus. Der breiten Bevölkerung ist das Gift Glyphosat erst bewusst geworden, als vor kurzem das Umweltinstitut in den 14 beliebtesten Biersorten hierzulande Glyphosat-Rückstände nachgewiesen hat.

In der Diskussion geißelte die Theologin und Agraringenieurin Irmgard Fischer von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) das Profitstreben der Konzerne, die derartige gesundheitsschädlichen Pflanzenschutzmittel auf den Markt bringen. „Hohe Gewinne sagen nichts darüber aus, wieviel Natur zerstört wird, sagt nichts aus über die Arbeitsbedingungen, unter denen die Herstellung stattfindet“. Aber auch der Verbraucher sei gefragt, so Irmgard Fischer. Auf die Politik müsse „Druck von unten“ ausgeübt werden, damit solche gesundheitsschädlichen Produkte wie Glyphosat aus der Nahrungsmittelkette herausgehalten werden. Der Druck scheint noch nicht hoch genug zu sein, denn das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dem Landwirtschaftsminister Christian Schmid (CSU) unterstellt ist, nennt das Ackergift „unbedenklich“.

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