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Der ehemalige Fernsehjournalist Habib Amiri (2.v.l.)moderierte gekonnt die informative Veranstaltung und stellte seine Landsleute, die ebenfalls vor Krieg geflohen sind, vor.

Abend der Begegnung

Die schrecklichen Bilder der Flucht

Haag - In seiner Heimat Afghanistan war Habib Amiri Journalist. Unter anderem arbeitete er als Moderator eines sehr westlich ausgerichteten Fernsehsenders. Viele seiner Kollegen starben bei einem Überfall auf den Sender im Kugelhagel. Seither ist Amiri auf der Flucht – wie er beim Abend der Begegnung in Haag erzählte.

23 Flüchtlinge leben zur Zeit in der Ampergemeinde Haag. Sie haben nach der Flucht aus ihrer Heimat nun im Pfarrhaus und in einem Wohnhaus an der Freisinger Straße vorerst eine neue Bleibe gefunden. Und sie pflegen ein herzliches Miteinander mit der einheimischen Nachbarschaft. Um auch der übrigen Bevölkerung einen Einblick in ihr Schicksal zu geben, veranstaltete der Helferkreis unter der Leitung von Raimond Strolo einen Informationsabend, zu dem auch Gastschüler aus Pennsylvania und Schüler des Moosburger Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums zusammen mit ihren Lehrerinnen Christiane Rabl und Ulrike Gänssle nach Haag in die Aula der Marina-Thudichum-Grundschule gekommen waren.

Als versierter Moderator fungierte an diesem „Abend der Begegnung“ der aus Afghanistan stammende Journalist Habib Amiri, der dern Gästen einige seiner Landsleute vorstellte. In Haag wohnt zum Beispiel seit einiger Zeit der 21-jährige Shams Akbari, ein Automechaniker, der aus Helmen, „der gefährlichsten Stadt der Welt“, wie er sagte, flüchten musste. Hier dürfen Frauen nur in eine Burka eingehüllt nach draußen gehen. Die 14-jährige Thashira Mohseni besucht zur Zeit die siebte Klasse der Zollinger Mittelschule und kommt dort gut voran. Der 16-jährige Hedayat Akbari erzählte tieftraurig, dass sein Bruder gekidnappt wurde, und der elfjährige Mahdi Husaini lebt jetzt ohne seine Eltern mit seiner Tante und der Großmutter in Haag, spielt mit den deutschen Nachbarkindern Fußball und geht in die Haager Grundschule. Der 17-jährige Sajad Ahneani musste ebenfalls unter widrigsten Umständen aus Afghanistan fliehen, berichtete Habib Amiri, der den Besuchern mit Hilfe einer Multimedia-Show das grauenvolle Kriegsgeschehen in seinem Heimatland mit Bildern drastisch und eindrucksvoll vor Augen führte. Er selbst erzählte von einem Fernsehsender, bei dem er und seine Ehefrau Fatema Mohseni als Moderatoren tätig waren. Da ihr Sender zu stark westlich und amerikanisch ausgerichtet war, wurde er überfallen, und einige Mitarbeiter starben im Kugelhagel. Als er davon erzählte, zitterte seine Stimme.

Sehr bewegt und den Tränen nahe zeigte sich Fatema Mohseni, als die Bilder ihrer Familie gezeigt wurden. Ihr Vater wurde im Jahr 2012 ermordet, und es sei in Afghanistan sehr schwierig ohne Mann in der Familie zu leben. Wegen der Repressalien der Taliban, die Kollegen ihres Fernsehsenders entführt und getötet hätten, habe sie sich zur Flucht mit dem Flugzeug entschlossen. Ihr gelang es über Kontakte, ein Visum für Deutschland zu erhalten. Ihr Mann und ihre kleine Schwester Tahira mussten einen gefährlicheren Weg einschlagen. Sie flüchteten von Afghanistan über die Türkei mit dem Boot nach Griechenland, danach nach Mazedonien, Serbien, Kroatien und Österreich, bis sie in Deutschland ankamen. Habib Amiri konnte die vielen Stationen seiner Flucht und den Untergang seines Bootes auf Handyfotos festhalten. Die BBC hat eine Dokumentation über seine schwierige Flucht gedreht. In seiner Video-Dokumentation zeigte Amiri Bilder aus dem Jahr 2013 von der völlig zerstörten Stadt Bagdad. Daneben bekamen die Besucher einen Einblick in das einfache Leben der afghanischen Bauern auf dem Land in den Sommermonaten und im strengen Winter mit viel Schnee. Alle Flüchtlinge sind glücklich, dass sie hier leben können und den Kriegswirren in ihrem Land entronnen sind. Sie haben sich für die Zukunft persönliche Ziele gesetzt. So träumt Fatema Mohseni zum Beispiel von einem Medizin-Studium in Deutschland. Allerdings könne es noch sehr lange dauern, bis es geklärt ist, ob sie als Flüchtlinge anerkannt werden. Zur Zeit hätten sie noch keinen Anspruch auf Deutschkurse, dennoch ist ihr wichtigstes Ziel, die Sprache zu lernen. Fatema Mohseni bezahlt den Kurs an der Volkshochschule deshalb mit ihrem eigenen Taschengeld. Daheim im Zimmer des Pfarrhauses bringt sie ihrem Mann und der Schwester den Unterrichtsstoff bei. Sie lobte die selbstlose Hilfsbereitschaft des Haager Helferkreises, dessen Mitglieder ihnen von Anfang an unter die Arme gegriffen hätten.

Wolfram Riedel

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