+
Vom Haager Weiher in die ganze Welt funkte Gerhard Büttner, 2. Vorsitzender des Ortsverbandes Freising. Die Aktion zog viele neugierige Blicke auf sich.

Freisings Amateurfunker laden zum Fieldday an den Haager Weiher

Die zuverlässigste Art der Kommunikation

Haag - Die Badegäste am Haager Weiher wunderten sich am Wochenende über ein monotones Motorengeräusch und einen Klein-Lkw mit Antenne, der am westlichen Ufer stand. Was war los?

Was war da los in Haag? Einige tippten auf eine Übung der Wasserwacht. Des Rätsels Lösung: Die Freisinger Amateurfunker veranstalteten am Wochenende ihren zweiten Fieldday in Haag. Das Motorengeräusch kam von einem Notstromaggregat. „Wir frönen dabei nicht nur einem technischen Hobby, das über 67.000 Menschen in Deutschland und mehr als 2 Millionen weltweit mit einfachen Empfängern im Funkbetrieb verfolgen, sondern helfen auch im Notfall, wenn alle anderen Kommunikationsmittel versagen sollten“, verkündete der 2. Vorsitzende des Funkvereins Gerhard Büttgen, der selbst zu Beginn der Veranstaltung am Funkgerät im Lkw saß.

Und dann prasselte einiges an Fachchinesisch auf den FT-Reporter ein: „Wir rechnen in Universal Time, die von Samstag, 15 Uhr, bis Sonntag, 14.59 Uhr, läuft und dürfen bei diesem Wettbewerb nur bestimmte Bandbreiten der Kurzwellensender in der Low Power Class mit bis zu 100 Watt Sendeleistung benutzen“, sagte der Funk-Experte, der zu Beginn gleich 25 so genannte Funk-Begegnungen mit Italien, Belgien, Schweden, England, Norwegen und Deutschland hatte. Man versucht bei dieser bemerkenswerten Aktion möglichst viele Kontakte zu bekommen, die genau eingetragen und danach durchgezählt werden, betonte Hans Schechner. Das Resultat wird zuletzt an den deutschen Amateur-Radioclub übermittelt. Hier wird dann später festgestellt, wer am besten war. Dieser Contest läuft nur ein Mal im Jahr mit Sprechfunk und ein Mal im Jahr mit Morse-Code, so Schechner. Dabei gebe es verschiedene Klassenbeschränkungen. Low Power nennt man die niedrige Leistung unter zehn Watt bis 100 Watt, während bei der High Power Klasse mit bis zu 750 Watt Leistung gefunkt wird. Im Anmeldebogen für den Fieldday stehen die genauen Bedingungen für den Funk-Wettbewerb. Es dürfen nur mitgebrachte Funkgeräte und Antennenanlagen sowie netzunabhängige Stromversorgung eingesetzt werden. Die Entfernung zum nächsten Netzanschluss oder einem bewohnten Gebäude muss mindestens 100 Meter betragen, und die Stromversorgung der Fieldday-Station darf nicht aus dem Stromnetz erfolgen. Für den Kurzwellenbetrieb darf maximal ein Sendeempfänger mit einem Empfangsteil oder ersatzweise ein Sender und ein Empfänger installiert sein. Damit bei der Anlage am Weiher auch nicht geschummelt werden konnte, wurde alles von Vertretern des Dachverbands kontrolliert. Rudolph Schwenger war einer dieser Kontrolleure, der, nachdem er sich ein Bild gemacht hatte, voll zufrieden war. Er habe bereits in den 50er Jahren mit der Funkerei begonnen – damals sei es noch faszinierender gewesen, eine Kurzwellenstation zu besitzen. Da konnte man mit einer Leistung, die einer Glühbirne entsprach, um die ganze Welt funken.

„Als ich im Jahr 1957 am Weihnachtsabend ein bisschen gefunkt habe, traf ich auf einen Australier, der sagte mir, ich gehe jetzt zum Strand, es ist hier so heiß“, erinnert er sich. Ein Onkel, der selbst Amateurfunker war, habe ihm dieses Hobby schmackhaft gemacht, das später zu seinem Beruf wurde, nachdem er Nachrichtentechnik studiert hatte. „Zu meiner Zeit dauerte die schwierige Prüfung zum Amateurfunker sieben Stunden. Erst dann gab es die Lizenz“, erzählte Schwenger. Im 60 Mitglieder zählenden Freisinger Ortsverband sind auch etliche Frauen beheimatet. Eine davon ist Schriftführerin Irmi Hlawatschek. Sie stammt ursprünglich aus der früheren Tschechoslowakei, kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Karlsruhe und lernte hier einen Amateurfunker kennen – die beiden heirateten. Bereits 1969 habe sie ihre Lizenzprüfung parallel zum Abitur abgelegt. Und als sie 1980 nach Freising kam, trat sie dem Ortsverband bei. Von ihr erfuhren wir auch, dass sogar der König von Spanien Juan Carlos eine Lizenz als Funkamateur besitzt, leider sei er nie daheim, wenn man ihn anfunken will, sagt Hlawatschek und lacht. Gut zu wissen Der Ortsverband Freising gehört zum Deutschen Amateur Radio Club (DARC). Er wurde am 5. Februar 1965 von 24 Funkamateuren gegründet. Bei einem Aktionstag im Lindenkeller konnte man die Vielfalt des Hobbys Amateurfunk bewundern. Da die wenigen kommerziellen Geräte für Funkamateure damals sehr teuer waren, wurden die meisten Geräte selbst gebaut. Inzwischen hat der Ortsverband Freising eine Einrichtung für Funkamateure wie das UHF-Relais DBOTC aufgebaut, damit auch weiter entfernte Stationen miteinander in Verbindung treten können. Im Haus der Vereine unterhält der Ortsverband einen Raum, der als Clubstation mit Funkgeräten ausgestattet wurde und heute oft bei internationalen Wettbewerben den Namen Freisings in der gesamten Funkwelt erfolgreich vertritt. 

Wolfram Riedel

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution

Meistgelesene Artikel

Einstige Versuchsbrennerei wird Studierendenzentrum

München/Freising – Knapp sechs Millionen Euro wurden gestern vom Freistaat für die Errichtung eines Studierendenzentrum am Campus Weihenstephan genehmigt. Das „StudiTUM“ …
Einstige Versuchsbrennerei wird Studierendenzentrum

Metzgermeister spricht Klartext: „Keller“-Geschäft bleibt trotz Wohnbau

Moosburg - Pläne über einen Wohnbau auf dem Areal der Metzgerei Keller haben für Verwirrung bei Kunden gesorgt. Der Eigentümer stellt nun einiges richtig.
Metzgermeister spricht Klartext: „Keller“-Geschäft bleibt trotz Wohnbau

Helfen wie St. Martin

Freising - Beim Martinszug in Freising kamen 1200 Euro für die Freisinger Tafel zusammen. Geld, das dringend benötigt wird.
Helfen wie St. Martin

Moosburg: Metzgerei-Laden bleibt, Lidl und Kaufland dürfen erweitern

Moosburg - Der Bauausschuss hat über die Erweiterung von Lidl und Kaufland in Moosburg entschieden - und einen Neubau auf dem Keller-Areal abgesegnet.
Moosburg: Metzgerei-Laden bleibt, Lidl und Kaufland dürfen erweitern

Kommentare