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Kochen ist die Leidenschaft von Sandra Hofer. Sie ist Deutschlands beste Jungköchin. 

Im Gespräch mit Sandra Hofer, Deutschlands bester Jungköchin

„Für meine Mama koche ich am liebsten“

Hohenkammer - Sie ist 20 Jahre, hat im Juli ihre Ausbildung zur Köchin im Schlossrestaurant Camers in Hohenkammer abgeschlossen und ihr Hobby zum Beruf gemacht: Sandra Hofer ist auf dem besten Weg zur Spitzenköchin. Am Wochenende hat sie Gold geholt. Sie ist Deutschlands beste Jungköchin. Für sie kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren.

Seit dem Wochenende sind Sie Deutsche Jugendmeisterin 2016 in der Kategorie Köche: Wie fühlt sich das an?

 Ich hab das lange gar nicht realisiert. Danach ist es wirklich turbulent zugegangen: Radiosender, Zeitungen: Alle kommen auf mich zu und wollen ein Interview. Langsam begreife ich, dass ich es echt geschafft hab. Das ist aufregend – und fühlt sich richtig gut an.

Ihr Gold-Menü (siehe Info) klingt wahrlich spektakulär. Wer hat das zusammengestellt?

Ich, das war Teil der Aufgabe. Dafür hatten wir eine Stunde Zeit. Ich bin auf den Wettbewerb gefahren und hab gar nicht gewusst, was mich erwartet. Wir haben am Samstag den Warenkorb gesehen, daraufhin das Menü geschrieben – am Sonntag hatten wir sechs Stunden Zeit, es zu kochen.

Sie haben es also am Sonntag zum ersten Mal umgesetzt?

Es gab kein Probekochen, kein Testessen. Aber ich habe mich mit meinem Trainer Franz Kuttenberger von der Berufsschule Landshut auf den Tag vorbereitet – schon allein deshalb, damit ich mit der Zeit klarkomme, um zu sehen, was es bedeutet, in sechs Stunden ein Vier-Gänge-Menü für zehn Personen zu kochen. Ich habe mal in der Berufsschule Erding, mal in der Berufsschule Landshut gekocht: in Küchen, in denen ich mich nicht auskenne. Auch das ist die Herausforderung bei so einem Wettstreit.

Sie haben da alles zur Verfügung gestellt bekommen?

Nein, nichts. Du hast zwei Herdplatten, einen Ofen. Das war’s. Den Rest musst du mitbringen. Wir sind mit einem kleinen Transporter nach Bonn gefahren, ich hatte alles dabei: Töpfe, Pfannen, eine kleine Eismaschine, eine Nudelmaschine, eine Vakumiermaschine. . . Bis auf die Nudelmaschine hab ich auch alles gebraucht, was ich dabei hatte.

Der theoretische Teil der Meisterschaft begann mit „Warenerkennung“. Wie muss man sich das vorstellen?

Uns wurden 20 Lebensmittel hingelegt wie Ingwer, Lammschulter, verschiedene Muscheln usw. Wir mussten erkennen, welcher Fisch es ist, am Geruch beispielsweise einen Pernot erkennen. Was ich nicht am Geschmack erkannt habe, war Sojamilch – die war süßer als die, die ich kenne. Ich war aber trotzdem die Beste (lacht).

Gegen wie viele Jungköche haben Sie sich durchgesetzt?

Es waren 15 andere da, 16 Teilnehmer insgesamt.

Das Lampenfieber war bestimmt groß – wie haben Sie sich runtergefahren?

Wenn ich richtig aufgeregt bin, werde ich still. Beim Kochen habe ich ohnehin kein Problem, da weiß ich, was ich kann. Sorgen hab ich mir nur über die Zeit gemacht: Die Zeit ist dein größter Gegner. Richtig Angst hatte ich nicht: Ich hab so viel gelernt, so viel getan und mich auf diesen Tag so lange intensiv vorbereitet, ich hab mir immer gesagt: „Das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein.“ Manche waren so ehrgeizig, die haben dann auch nichts verliehen, was ein anderer für sein Menü gebraucht hätte. So bin ich nicht. Ich bin einfach mit Spaß bei der Sache.

Das ist wohl auch in die Bewertung der Jury mit eingeflossen. 

Die Prüfer haben nach der Preisverleihung zu mir gesagt, dass der Unterschied zwischen mir und den anderen war, dass man sieht, wie viel Spaß ich beim Kochen habe. Während ich zwischendurch vor mich hingepfiffen habe, haben andere verbissen vor sich hingearbeitet. Mir macht das Kochen auch bei einem Wettkampf Spaß, und ich verliere die Leidenschaft nicht. Wenn du, sobald es um was geht, keinen Spaß mehr hast, hast du was falsch gemacht.

Wer hat zuerst erfahren, dass Sie gewonnen haben?

 Meine Mama war ja dabei – sonst hätte ich ihr als erstes Bescheid gegeben. So aber war es die Arbeit: Ich hab es in die Camers-Whats-App-Gruppe geschrieben. Die wussten es aber größtenteils schon von meinem Trainer, der war schneller. So hatte ich schon viele Gückwünsche auf meinem Handy, als ich es nach der Preisverleihung in die Hand genommen habe.

Was ist der Preis für die Gewinnerin? 

Vor allem Weiterbildungsgutscheine, eine Shoppingcard im Wert von 100 Euro und zwei Medaillen: Meine Gold- und die Bronzemedaille, die wir für den dritten Platz als Gruppe belegt haben.

Wie haben Sie Ihren Sieg gefeiert?

Ehrlich gesagt bisher noch gar nicht. Wir sind am Sonntag erst kurz vor Mitternacht heimgekommen, und am Montag musste ich arbeiten.

Kochen Sie zuhause gerne oder bleibt die Küche privat eher kalt?

Wenn ich meine Familie in Niederbayern besuche, koche ich für alle und auch gerne für Freunde. Mir macht das einfach Spaß. An Weihnachten werde auch ich wieder kochen: Letztes Jahr hab ich für zwei Familien, die ich bekocht habe, ein ganzes Reh verarbeitet.

Für wen kochen Sie am liebsten?

Für meine Mama und meine kleine Schwester. Die beiden freuen sich am meisten, wenn ich für Sie koche.

Beruflich sind Sie ja in der gehobenen Küche zuhause. Was ist privat Ihr Lieblingsrezept?

Das ändert sich ständig, ich hab jeden Tag Lust auf was anderes.

Auf was heute?

Gemüselasagne.

Woher kommt Ihre Leidenschaft fürs Kochen?

Ich wusste schon immer, dass ich das mal beruflich machen mag. Ich war immer schon gerne in der Küche. Wenn Mama gekocht hat, hab ich mir einen Stuhl dazugeschoben, zugeschaut und mitgemischt.

Können Sie sich in Ihrem Beruf verwirklichen? Gibt es den kreativen Spielraum oder ist es ein rein handwerklicher Beruf?

Es ist ein Handwerk, das brauche ich. Ich könnte nie im Büro sitzen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und kann mich hier verwirklichen.

Wo sehen Sie sich beruflich in ein paar Jahren?

Das kann ich gerade gar nicht sagen. Es kommen seit dem Wochenende so viele neue Angebote. Ich fahre zum Beispiel nächste Woche nach Erfurt, um zu sehen, ob ich mich an der Olympiade der Köche beteilige, da Deutschland repräsentiere. Wir sehen nächste Woche erst einmal, ob die Chemie stimmt. Mal sehen. Es ist einfach viel Freizeit, die das alles in Anspruch nimmt. Wie ich weitermachen will, muss ich mir erst noch überlegen.

Wäre eine Kochshow was für Sie?

Manche, die im Fernsehen laufen, spiegeln einfach nicht den beruflichen Alltag wider. Sie sind oft unterhaltsam – aber eben mehr Show als Realität. Ob das was für mich ist, kann ich nicht sagen.

Haben Sie den ultimativen Tipp für alle Hobbyköche da draußen?

Nicht mit Zwang kochen, sondern aus Liebe und mit viel Freude. Dann schmeckt es viel besser.

Angesichts all Ihrer Erfolge in so jungen Jahren: Haben Sie Angst, die Bodenhaftung zu verlieren?

Ich bin noch so jung und es gibt noch so viel zu erfahren, so viel zu lernen. Ich bin hier zwar Erste geworden, aber ich weiß noch lange nicht alles. Es ist ein Beruf, in dem man nie auslernt. Es gibt keinen Grund, um abzuheben.

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