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Förderte manch Kickerschmankerl zu Tage: Thomas Peters bediente sich aus der Fußballer-Fundgrube.

Fussballlesung

"I werd' narrisch!"

Wenn in gut einer Woche die deutschen Fußballer zum ersten EM-Gruppenspiel antreten müssen, sind wenigstens gut 70 Kranzberger auf die schönste Nebensache der Welt bestens eingestimmt.

Der Schauspieler Thomas Peters hat in der Gemeindebücherei Kranzberg das „Runde und das Eckige“ sozusagen in einem Aufwasch schonungslos aus dem Abseits hervorgeholt. Das „Runde“, also den Fußball, und das „Eckige“, nein, nicht das Tor, sondern das Buch, hat Peters in einen nicht auf Anhieb erkennbaren Zusammenhang gestellt.

Peters, bereits seit seiner Novemberlesung in Kranzberg kein Unbekannter mehr, hat tief in den literarischen Werken bekannter und unbekannter Autoren gewühlt und manches Kickerschmankerl zutage gefördert. Das Publikum baute der Interpret geschickt in ein Fußballquiz ein, bei dem eine Zuhörerin nach Achtel-, Viertel-, Halb- und -Finale am Ende als Gewinnerin mit einem Schiedsrichter-Set vom Platz ging. Es wurde viel gelacht im hauptsächlich von Frauen dominierten Lesesaal der Kranzberger Bibliothek. Das 4-2-3-1-System oder auch das 4-5-1- sowie das 4-3-3-System erklärte Thomas Peters ebenso wie er sich sicher zeigte, dass bereits mit der Geburt eines Sohnes dessen Zukunft von einem Fußballclub bestimmt wird. Aber auch die Schiedsrichter kamen nicht ungeschoren davon, etwa der berühmt-berüchtigte Wolf-Dieter Ahlenfelder, der in der Begegnung Bremen-Hannover nach 32 Minuten bereits zur Halbzeit pfiff.

Dafür durfte sich die Bremer Gastronomie eines neuen Gedecks erfreuen, denn wer nach jenem 8. November 1975 einen „Ahlenfelder“ bestellte, erhielt in Erinnerung an den Kult-Schiedsrichter ein Bier und einen Malteser. Eine Fundgrube von Zitaten Aus einer wahren Fundgrube von Zitaten rund um das Spiel mit dem runden Leder servierte Peters „Kurznachrichten“ und Stilblüten, die den Zuhörern Lachtränen in die Augen trieben. Mit den Namen früherer und aktueller Kicker lassen sich trefflich Mannschaften zusammenstellen, die man dann schon mal ins Tierreich platzieren und als reine Machotruppe oder Softiemannschaft spielen lassen kann – Peters schöpfte da aus den Vollen.

Das Highlight des Abends war Thomas Peters originalgetreue Wiedergabe – auch der Dialekt passte perfekt – der Reportage der österreichischen Reporterlegende Edi Finger vom Spiel Deutschland-Österreich bei der WM 1978 in Argentinien – der Schande von Cordoba („i werd’ narrisch“). Und viele Zuhörer im Lesesaal wischten sich auch die Tränen aus den Augen bei Peters Brandrede von Giovanni Trapattoni (März 1998), dem vormaligen Trainer des FC Bayern München: „Struuunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt. Was erlauben Strunz?!“. Dass beim Fußball am Ende alles irgendwie mit allem zusammenhängt, wollte Thomas Peters anhand eines Zitats von „Napoleon“ Dettmar Cramer beweisen: „Wenn man sich am Hintern ein Haar ausreißt, tränt das Auge“. 

Heinz Mettig

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