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Rudolfs Grosch zeigt eine Retrospektive seiner Kunst im Echinger Bürgerhaus.

Künstler Rudolf Grosch im Portrait

Kunst ist kein Beruf, sondern eine Einstellung

Eching - Er lebt inmitten seiner Kunst und für seine Kunst, aber nicht wirklich von der Kunst – der Echinger Rudolf Grosch.

Für den notwendigen Lebensunterhalt, bei seinem außergewöhnlichen Lebensentwurf arbeitet  der Echinger Rudolf Grosch vier Stunden pro Tag. Tatsächlich ist es sogar Nacht, wenn er seinem anspruchslosen, aber körperlich fordernden Broterwerb nachgeht, um seine künstlerische Existenz leben zu können. Tagsüber ist er im Café oder der Eisdiele anzutreffen, immer zeitungslesend und kaffeetrinkend, als notwendiges Ritual und Quelle der Inspiration. 

„Kunst ist kein Beruf, sondern eine Einstellung“, so Grosch, Maler, Schriftsteller, Bühnenautor und Schauspieler in Personalunion, über seinen inneren Antrieb, Gefühle und Gedanken dauerhaft künstlerisch Ausdruck und Gestalt zu verleihen, auf Papier und Leinwand, in Wort und Bild. In seinem Heimatort wird der 58-Jährige wohl vor allen Dingen mit seinen experimentellen Theaterstücken in Verbindung gebracht. Deren Uraufführungen bereichern seit 1985 Jahr für Jahr das Kulturprogramm des Bürgerhauses um die faszinierende Facette „experimentelles Theater“. Im Dezember dieses Jahres gibt es erneut die Premiere eines Schauspiels von Grosch unter dem Titel „Ritual“. Daneben ist Grosch aber auch als Maler äußerst produktiv. In seinem Atelier im Dachgeschoß in der Böhmerwaldstraße hat Grosch, der drei Jahre lang Grafik-Design studierte, in rund 30 Jahren über 1200 bildnerische Werke geschaffen. Aktuell bestreitet der vielseitige Künstler nach 1997 und 2010 zum dritten Mal eine Einzelausstellung in seiner Heimatgemeinde im Bürgerhaus, ergänzt noch durch eine Gruppenausstellung im Jahr 2003. Bei der gut besuchten Vernissage, die von den beiden Musikerinnen Heike Storm (Akkordeon) und Yuki Kuwano (Geige) temperament- und stimmungsvoll untermalt wurde, zeigte sich als Laudator Echings Ehrenbürger und vormaliger Bürgermeister Dr. Joachim Enßlin als Bewunderer Groschs.

Er besitzt selbst zwei Originale des von ihm geschätzten Künstlers, den er als engagierten, unangepassten „Kunstschaffenden ohne Kompromisse“ bezeichnet und dessen schöpferischer Kraft und ungebändigtem Gestaltungsdrang er Bewunderung entgegenbringt. Er bezeichnet Grosch als „Idealisten“, der sich nicht dem Kommerz unterordnet, sondern die künstlerische Auseinandersetzung sucht: mit der Welt, dem Schicksal und sich selbst. „Ich fühl‘ mich ständig schwanger“ vergleicht Grosch selbst bildhaft den intensiven Schaffens- und Entstehungsprozess mit Schwangerschaft und Geburt, an deren Ende „etwas kommt, oder auch nicht.“ Typisch für Rudolf Grosch, so hat es den Anschein, ist es, alles und jeden in Frage zu stellen – provokant, schelmisch, hintergründig und mehrdeutig. Und dabei nimmt er sich als Person keinesfalls aus. Groschs Bilder entziehen sich hartnäckig einer Etikettierung, auch wenn der Betrachter glaubt, stilistische Ähnlichkeiten zu berühmten Malern wie Pablo Picasso, Kokoschka oder Vincent van Gogh zu entdecken, letzteres sehr deutlich bei dem Bildtitel „Boot“.

Kein Wunder, denn Grosch bewundert diese berühmten Künstler-Kollegen, verfügt aber ohne Frage über eine eigene bildnerische Handschrift. Im Mittelpunkt der meisten Werke steht etwas Kreatürliches. Neben einzelnen Frauengestalten auch Tiere. Libellen, Fische, Schlangen und Vögel beispielsweise sind Motive in einer oftmals unwirtlichen oder verwirrenden Umgebung. Ob Groschs Werke mit dem Betrachter „reden“, liegt in dessen eigenem Ermessen. Sie sind mysteriös und verschlüsselt, werfen auf jeden Fall Rätsel auf, haben nichts von „heiler Welt“ oder harmonisch Dekorativem. Geradezu unheimlich mutet beispielsweise „Die schöne Gefangene an“, bei der sich unterhalb eines riesigen Insekts eine nackte Frauengestalt in einem Totenschädel zusammenkauert. Ein wörtliches Zitat mag hier als Beispiel für die besondere Art von „gewöhnungsbedürftigem“ Humor von Rudolf Grosch gelten, der so wesentlich bei ihm ist: „Da habe ich doch im Vorfeld der Ausstellung für Anfang Juni ,Aufhängen’ in meinen Terminkalender geschrieben. Als ich das dann gelesen habe, bin ich ins Grübeln gekommen: Soll ich mich aufhängen – oder meine Bilder?“ Und diese Bilder sind sehr eigen, wie auch ihr Schöpfer – und gerade deshalb intensiv, authentisch und sehenswert.

Ulrike Wilms

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