Die letzte Chance vor Gericht genutzt

Eching - Ein Traineeprogramm in den USA mit Aussicht auf anschließende Übernahme hat einem Studenten eine Verurteilung erspart. Der in Eching lebende 21-Jährige hatte in seiner Wohnung neun Cannabispflanzen aufgezogen. Das Amtsgericht Freising stellte das Verfahren unlängst ein.

Seine ausgezeichneten Zukunftsausssichten bewahrten den Student vor dem Makel eines Strafeintrags und der damit verbundenen Nachteile für Beruf und Führerschein. Dabei schien der Zug für ihn bereits abgefahren zu sein. Vor dem Prozess in Freising hatte sein Anwalt Kontakt mit der Staatsanwaltschaft in Landshut aufgenommen. Der für Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zuständige Ankläger lehnte eine Verfahrenseinstellung ausdrücklich ab. Und das anscheinend nicht ohne Grund.

Derart geläutert, wie sich der 21-Jährige jetzt dem Gericht präsentierte, trat er keineswegs von Beginn an auf. Während der Hausdurchsuchung am 9. Juli 2015 erdreistete er sich, seine damalige Freundin zu belasten. Der Student versuchte, seine Lebensgefährtin zu bewegen, alle Schuld auf sich zu nehmen. Der Versuch schlug fehl. Ob ihm die Frau noch gewogen ist, ist nicht bekannt.

Auch später, im Verlauf der Ermittlungen, scheint Reue erst langsam gereift zu sein, meinte die Vorsitzende Amtsrichterin Karin Mey. Obwohl ihm zu dem Zeitpunkt klar gewesen sein muss, dass seine Zukunft am seidenen Faden hing, tat er sich schwer, adäquates Verhalten an den Tag zu legen. Eine ganze Weile noch soll der Student sich bemüht haben, die beschlagnahmte Aufzuchtanlage zurückzubekommen. Inzwischen stellte sich zwar heraus, dass es ihm dabei vor allem um eine Waage ging, die ihm von der Oma überlassen worden war. Dennoch wäre es wohl nicht falsch gewesen, den Ball flacher zu halten. Das Gericht störte sich zudem daran, dass der 21-Jährige wohl schon bei der Bewerbung für das Traineeprogramm getrickst hatte. Anscheinend verheimlichte er, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Bekanntlich tun sich die USA schwer, strafrechtlich vorbelastete Personen ins Land zu lassen. Zu Beginn der Verhandlung gab sein Anwalt die Richtung vor. Dem 21-Jährigen sei bewusst, dass eine Verfahrenseinstellung abgelehnt worden sei. Man wolle aber nichts unversucht lassen, diese letzte Chance zu nutzen. „Mein Mandant ist nur hier, um für eine Einstellung zu betteln.“ Der Student teilte mit, in Spanien auf die Idee gebracht worden zu sein, Marihuana anzupflanzen. Er könne nicht nachvollziehen, wie naiv er gewesen sei. Die Sache mit der Freundin tue ihm sehr leid., fuhr der 21-Jährige fort: „Am meisten bereue ich, sie da hineingezogen zu haben, nicht selbst von vornherein für meinen Fehler eingestanden zu sein.“ Was die Waage betrifft, versicherte er, dass die Oma vom Marihuana nichts gewusst habe. Neun Pflanzen hätten getrocknet gerade mal 5,2 Gramm Gras von, so das Gericht, „nicht widerlegbar schlechter Qualität“ ergeben. Zu Gunsten des 21-Jährigen ging die Anklage von Eigenbedarf aus. Gegen eine Geldauflage über 1000 Euro wurde das Verfahren eingestellt.

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