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Idyllisch gelegen ist das alte Moosburger Krankenhaus, in das derzeit neue Apartments für Betreutes Einzelwohnen der AWO für psychisch Erkrankte eingerichtet werden.

Einzigartiges Konzept im Landkreis

Betreutes Einzelwohnen in Moosburg: Neues Zuhause im alten Krankenhaus

Moosburg - Psychisch Erkrankten wieder zu selbstständigem Leben verhelfen– das ist das Ziel eines neuen Angebots der AWO in Moosburg. Derzeit wird dafür das alte Krankenhaus umgebaut.

Hell und lichtdurchflutet sind die Räume. Und ein Hoffnungsschimmer für Menschen, deren Lebensabschnitt einem düsteren, aussichtslosen Pfad gleicht. Denn wer ab November in die neuen Apartments im ehemaligen Moosburger Krankenhaus einzieht, leidet etwa an Depressionen, Psychosen oder Angststörungen. Hier sollen die Betroffenen wieder zu einem normalen, selbstständigen Leben zurückfinden. Dafür sorgen werden nicht nur die modern und freundlich gestalteten Wohnungen, sondern auch das sozialpädagogische Fachpersonal der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

An ihrer Spitze steht Franziska Willner. Die 29-Jährige leitet in Moosburg die Sozialtherapeutische Einrichtung des AWO-Bezirksverbands Oberbayern. Und je näher der Eröffnungstermin des neuen Wohntrakts rückt, umso häufiger klingelt bei ihr das Telefon. „Der Bedarf ist definitiv vorhanden“, sagt Willner, die bereits für über die Hälfte der 16 Wohneinheiten Bewerbungen vorliegen hat. Zum Teil melden sich bei ihr die Klienten selbst, oft sind es aber auch Ärzte, gesetzliche Vertreter oder Angehörige, die auf der Suche nach einem Betreuten Wohnplatz für einen Erkrankten sind.

Alltagsbegleitung, aber keine 24-Stunden-Betreuung

Leitet die Einrichtung: Diplom-Sozialpädagogin Franziska Willner.

Die Zielgruppe des Betreuten Einzelwohnens (BEW) ist klar definiert: „Wer bei uns einzieht, ist nicht mehr akut krank und benötigt auch keinen stationären Rahmen mehr“, erläutert Willner. Das Angebot sei rein ambulant und biete keine 24-Stunden-Betreuung. Es gebe auch keinen Hausnotruf. „Wir leisten nur noch punktuelle Begleitung bis hin zur vollständigen Selbstständigkeit – dem Ziel der Maßnahme.“ 

Konkret gehe es um Alltagsbegleitung, etwa Hilfe beim Umgang mit Behörden, der eigenen Erkrankung, aber auch beim Aufbau von sozialen Kontakten. „Die Tagesstruktur ist ein ganz großes Thema“, sagt Willner. „Wenn ich als Mensch mit einer psychischen Erkrankung den ganzen Tag in der Bude herumsitze und nur warte, bis ,Sturm der Liebe‘ läuft, hab’ ich zu viel Zeit zum Grübeln – und auch viel Zeit, um wieder krank zu werden.“

Ganz neu im Landkreis: Betreutes Einzelwohnen für ältere Menschen

Unterschieden wird bei dem Angebot in zweierlei Altersgruppen: Das reguläre BEW richtet sich an Erwachsene ab 21 Jahren. Sie werden im Dachgeschoß untergebracht, wo es sieben Apartments und eine Wohngemeinschaft geben wird. „Ganz neu im Landkreis ist dagegen das Konzept BEW 60 Plus, das speziell für ältere Menschen mit psychischer Erkrankung ausgerichtet ist“, sagt Willner. Hier wachse der Bedarf angesichts des demografischen Wandels in letzter Zeit stark an. 

Lichtdurchflutet: Eines der neuen Apartments im Dachgeschoß.

Bislang wurden diese Betroffenen oft in der stationären Altenhilfe betreut – „wo sie allerdings überhaupt nicht richtig untergebracht sind“, sagt Franziska Willner. Denn: „Der Schwerpunkt und die Ausrichtung des Personals ist dort ein ganz anderer, da herrscht dann oft Überforderung.“ Möglicherweise könnten die Betroffenen auch noch selbstständig leben, wenn sie die Möglichkeit zur Begleitung hätten. Im alten Krankenhaus in Moosburg sollen sie diese Chance nun bekommen. „Das BEW 60 Plus ist im Erdgeschoß eingerichtet – ganz bewusst barrierefrei“, erklärt Willner.

Bezahlbarer Wohnraum ist in der Region knapp

Dass mit dem ehemaligen Klinikgebäude direkt vor der Tür des AWO-Seniorenwohnparks eine geeignete Immobilie mit genügend Leerstand gefunden wurde, darüber sind die Verantwortlichen besonders glücklich. Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts im Landkreis „ist es nämlich sehr schwierig, kleine, bezahlbare Wohnungen aufzutreiben“, sagt Willner.

Letzte Arbeiten: Die Wohnungen sollen ab November bezugsfertig sein.

Die Nähe zum Seniorenwohnpark birgt einen weiteren Synergieeffekt: Die Bewohner der künftigen BEW-Apartments profitieren vom hausinternen Zuverdienstangebot nebenan. Willner: „Dort können die Klienten in der Haustechnik, der Reinigung oder der Cafeteria mitarbeiten – als ganz normale Kollegen, die auch an Betriebsausflügen oder der Weihnachtsfeier teilnehmen.“ 

Das bringe die so wichtige Struktur in den Tag und bereite die Menschen wieder auf den ersten Arbeitsmarkt vor. Ein Angebot, das übrigens nicht nur von Bewohnern des Hauses genutzt werden könne: „Menschen, die bei uns im Zuverdienst arbeiten, müssen nicht bei uns wohnen.“

Und wie lange können Klienten in dem neuen Betreuten Einzelwohnen unterkommen? – „Grundsätzlich zeitlich unbegrenzt“, sagt Franziska Willner. „Manche brauchen kürzer, andere etwas länger. Ich finde es ganz wichtig, dass niemand im Hinterkopf haben muss: ,In zwei Jahren muss ich es geschafft haben und wieder ausziehen.‘ Das ist eher hinderlich.“ Und: „Das ist hier kein Klinikaufenthalt. Die Menschen sollen sich bei uns richtig daheim fühlen.“

Kontakt zur Einrichtung

Wer sich für das Angebot interessiert, kann sich bei Franziska Willner, Tel. (08761) 668878, melden. Weitere Infos unter www.awo-obb.de.

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