Thema Fremdenfeindlichkeit

Freie Wähler Moosburg: Runder Tisch mit Ecken und Kanten

Es war eine, wie FW-Vorsitzender Reinhard Lauterbach sagte, „nette Runde“ mit Leuten, die aus ihren Erfahrungen sprechen und damit zeigen können, „wie es um Moosburg steht“. Damit wollten die örtlichen Freien Wähler den Beweis liefern: Moosburg ist nicht braun.

Bei dem Pressegespräch am Donnerstagnachmittag im Café Wochenblatt hatte man ganz bewusst darauf verzichtet, die stellvertretende FW-Vorsitzende Petra Bindereder mit an den Runden Tisch zu bitten, betonte Josef Dollinger, der Moderator der Veranstaltung. Denn bei diesem Meinungsaustausch sollte es eben nicht um jene Äußerungen der Vize-Chefin auf Facebook gehen, die in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt hatten. Vielmehr wollte man in der Runde Menschen zu Wort kommen lassen, die vom öffentlichen Leben der Stadt Moosburg erzählen können. Zweiter Bürgermeister Dollinger war sich sicher: „Die Moosburger haben sich nichts vorzuwerfen.“

Josef Dollinger: „Die Moosburger haben sich nichts vorzuwerfen.“

Der Erste, der von seinem Alltag in der Dreirosenstadt erzählte, war Migrationsreferent Johann Reif, der sich auch ehrenamtlich um Flüchtlinge in Moosburg kümmert. Und als Helfer werden auch ihm „solche Posts“ zugetragen, berichtete er. Seine Meinung dazu: „Da werden schon gewisse Grenzen überschritten.“ Beispielsweise wenn es dazu komme, dass in einer Moosburger Facebook-Gruppe das Bild eines Baseball-Schlägers gepostet werde – verbunden mit der Aufforderung, zu einem Flüchtlingsheim in Moosburg zu ziehen. Auf offener Straße jedoch gebe es keinerlei Probleme mit Rassisten. Reif war in Begleitung eines senegalesischen Flüchtlings gekommen, der seit acht Monaten in Deutschland und aktuell in einer Moosburger Unterkunft lebt. Und der bestätigte Reifs Einschätzung weitgehend. Probleme mit Einheimischen gebe es „mehr oder weniger nicht“, übersetzte Hans Reif die Worte des jungen Mannes. „Rassismus gibt es auf der ganzen Welt“, fügte er an.

Dass man in Moosburg heute sicherer lebe als vor wenigen Jahren, untermauerte Christian Bidinger, Moosburgs Polizeidienststellenleiter, mit einigen Zahlen: Lagen die registrierten Straftaten in Moosburg 2012 bei 869, sind sie seither kontinuierlich gesunken. 627 zählte die PI im Jahr 2015. Bei den Asylbewerbern habe man „insgesamt keine Auffälligkeiten“ verzeichnet. „Warum sollten 500 Asylbewerber auch anders sein als 500 Deutsche?“, so Bidingers Frage.

Im „rechten Spektrum“, wie er es nannte, gebe es zwar Straftaten – allerdings nur eine geringe Zahl: Sechs wurden zwischen Januar 2015 bis April 2016 registriert. Ebenso viele Fälle von Volksverhetzung habe es im genannten Zeitraum laut Polizeichef gegeben.

Einen Ausflug in die Vergangenheit unternahm Herbert Franz, CSU-Bürgermeister der Stadt Moosburg in den Jahren 1978 bis 1984. Als Stadtchef sei er damals massiver Kritik ausgesetzt gewesen, als er beispielsweise eine türkischstämmige junge Frau in der Rathausverwaltung eingestellt oder den Posten des Ausländerreferenten eingeführt habe. Sein Fazit: „Es wird immer Gruppen geben, die versuchen, die Meinung der Mehrheit zu opponieren.“ Da helfe nur: „Farbe bekennen, auch wenn man Prügel dafür kriegt – die hab ich in Moosburg zur Genüge bekommen.“

Erdogan Aydeniz, Sprecher der örtlichen Mevlana-Moschee, lebt seit 43 Jahren in der Dreirosenstadt und war ebenfalls von Reinhard Lauterbach eingeladen worden, um seine Erfahrungen in Moosburg kurz zu schildern: „Ich kann nur Positives sagen, mir ist nichts bekannt in diese Richtung (Fremdenfeindlichkeit, Anm.d.Red.).“

Auch der Helferkreis war zu dem Treffen am Donnerstag eingeladen. Dieser wollte sich aber nicht „vor den Beschwichtigungskarren spannen lassen“, wie Erwin Girbinger sagte.

Helferkreis verzichtet auf Teilnahme

„Die Einladung des Vorsitzenden der Freien Wähler Moosburg, relativ kurzfristig an einem Runden Tisch zur Erörterung der in der Presse bekannt gewordenen rassistischen und rechtsradikalen Parolen teilzunehmen, lehnt der Helferkreis Asyl Moosburg nach einer telefonischen Abstimmung unter den erreichbaren Koordinatoren ab.“ So leitete Erwin Girbinger die Absage des Helferkreises Asyl an dem Pressegespräch ein.

Erwin Girbinger vom Moosburger Helferkreis wollte an dem Treffen nicht teilnehmen.

Der Helferkreis beobachte natürlich mit Sorge die bekannt gewordenen pauschalen Verunglimpfungen von Flüchtlingen und ehrenamtlichen Helfern. Diese Äußerungen seien jedoch nur ein Teilaspekt in der öffentlichen Diskussion gerade aufscheinenden Tendenzen. „Das Problem ist ein Generelles!“ Der Asylhelferkreis Moosburg wolle sich deshalb an zunächst unstrukturierten Gesprächen mit einzelnen Parteien oder Gruppierungen, insbesondere wenn dort einzelne Mitglieder von den öffentlichen Anschuldigungen betroffen sind, nicht beteiligen. Girbinger und der Helferkreis erachten eine umfassende Erörterung unter neutraler Moderation mit allen an der politischen Willensbildung beteiligten Parteien und Gruppierungen als „dringend und zur Vermeidung weiterer Auswüchse umgehend notwendig“. Und an einer solchen öffentlichen Erörertung würde sich der Helferkreis Moosburg selbstverständlich beteiligen.

Kritik an dieser Haltung gab es im Rahmen des Pressegesprächs von Josef Dollinger: „Schade, dass sich der Helferkreis nicht in der Lage sieht, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.“ Der Helferkreis habe ohnehin ganz eigenartige Vorstellungen, mit wem er sprechen wolle und mit wem nicht, monierte Dollinger. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“

Andreas Beschorner

Andreas Beschorner

E-Mail:redaktion@freisinger-tagblatt.de

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