+
Allein unter vielen: Hinrich und Anke Groeneveld nahmen im November an der Gegendemo zur NPD-Kundgebung in Moosburg teil – und mussten sich dafür offenbar Spott aus dem eigenen Ortsverband der Freien Wähler gefallen lassen.

Zerwürfnis bei den Freien Wählern

Darum hat Hinrich Groeneveld den FW-Vorstand verlassen

Moosburg - Abrupt hat Hinrich Groeneveld im Dezember 2015 den Vorstand der Freien Wähler verlassen. Jetzt hat er erklärt, was dahintersteckt: erhebliche Meinungsverschiedenheiten im Zuge der NPD-Demo.

Viele Spekulationen haben sich um den Rücktritt von Hinrich Groeneveld aus dem Moosburger Stadtrat und aus dem Vorstand der Freien Wähler Moosburg gerankt. Immer wieder waren Gerüchte laut geworden, das habe etwas mit der Haltung mancher Mitglieder der Freien Wähler Moosburg in der Flüchtlingsfrage zu tun. Beim Runden Tisch der Freien Wähler am vergangenen Donnerstag hatte das FT Zweiten Bürgermeister Josef Dollinger direkt darauf angesprochen. Der hatte geantwortet: „Da müssen Sie Herrn Groeneveld fragen.“ Das hat das Freisinger Tagblatt getan.

Auf Nachfrage erklärte der 57-Jährige zunächst seinen Rückzug aus dem Stadtrat: „In dieser Legislaturperiode gibt es deutlich mehr Sitzungen, die auch immer häufiger kurzfristig angesetzt werden. Das war mit meinem Beruf nicht mehr in Einklang zu bringen. Das war mitausschlaggebend für meine Entscheidung.“

Groenevelds Abschied aus dem Vorstand aber habe tatsächlich mit der in seinen Augen fragwürdigen Gesinnung führender Mitglieder im FW-Ortsverband zu tun. Ausgangspunkt war laut Groeneveld die NPD-Demo im November 2015. Da hatte er im Vorstand angeregt, zur Teilnahme an der Gegenkundgebung auf dem Moosburger Plan aufzurufen – ohne Erfolg. „Daraufhin habe ich das selbst gemacht und war mit meiner Frau (FW-Schriftführerin Anke Groeneveld, Anmerk. d. Red.) auch vor Ort.“ 

"In der Flüchtlingsfrage weit rechts der CSU"

Kurz darauf habe er festgestellt, dass sich Mitglieder seines Ortsverbands darüber auf Facebook lustig gemacht hätten. „Das konnten meine Frau und ich nicht akzeptieren und haben das im Vorstand angesprochen. Dabei mussten wir feststellen, dass wir mit unserer Haltung weitestgehend allein stehen“, berichtete Groeneveld. „Mehrere Mitglieder im Vorstand liegen mit ihrer Meinung in der Flüchtlingsfrage weit rechts der CSU. Da werden Meinungen von Parteien geteilt, mit denen man nichts zu tun haben möchte.“

Einige Tage später entschied Groeneveld: „Unter dieser Fahne möchte ich keine politische Verantwortung mehr übernehmen.“ Auch seine Frau ließ daraufhin ihr Amt ruhen. Offiziell ist sie zwar noch Schriftführerin des FW-Ortsverbands, laut Groeneveld kümmert sich jedoch Dagmar Seghutera inzwischen um diese Aufgaben. Der ehemalige Bundestagskandidat betonte aber auch, dass er nach wie vor Mitglied bei den Freien Wählern sei. „Man tritt nicht aus der Kirche aus, weil einem der Pastor nicht gefällt“, betonte Groeneveld. Nach zwölf Jahren als Vorsitzender und 17 Jahren im Vorstand nimmt ihn die rechte Haltung einiger ehemaliger Mitstreiter jedoch mit.

Bei der besagten NPD-Kundgebung hatte sich Josef Dollinger demonstrativ zwischen beide Lager gestellt und nicht nur zu den rechtsextremen Anhängern, sondern auch zu den Gegendemonstranten Distanz gewahrt.

"An diesem Punkt reißen alle Stricke"

Petra Bindereder, 2. Vorsitzende, wiederum war rege in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Moosburg Frank und Frei“ aktiv, in denen rechtspopulistische und ausländerfeindliche Positionen geteilt wurden. Auch Dollinger, für dessen Bürgermeister-Wahlkampf sich Bindereder 2014 massiv engagiert hatte, war bzw. ist Mitglied dieser Gruppe. Obwohl die Freien Wähler in einem internen Schreiben betont hatten, dass sie „rechte Gesinnungen oder gar Hass auf Ausländer“ nicht dulden würde, hatte der Zweite Bürgermeister der Stadt die Vize-Vorsitzende bei ihren Posts nie eingebremst oder ihr gar widersprochen.

Bindereder hatte nicht nur unter die Hitler-Laudatio eines der größten hiesigen Hetzer auf Facebook einen Like gesetzt, sondern auch einen Blogeintrag des selben Verfassers für gut befunden. Zu einem Post, bei dem es darum ging, dass Flüchtlinge angeblich Kinder belästigt hätten, stellte er das Bild eines Baseballschlägers und schrieb: „Holst mich ab?“ In einem späteren Kommentar präzisierte er: „Müllsäcke kann ich spendieren, Steine gibts neben der Isar, und in der Isar selbst ist jede Menge Platz.“ Groeneveld macht das fassungslos: „An diesem Punkt reißen alle Stricke. Da ist Schluss.“ Bindereder aber lobte den Blogeintrag, in dem der Schreiber seine Kommentare rechtfertigte, mit den Worten: „Hut ab Heiko! Schön geschrieben, schön zu lesen.“

Andreas Beschorner

Andreas Beschorner

E-Mail:redaktion@freisinger-tagblatt.de

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Integration auf Rädern

Zolling - Er ist sportlich und sozial engagiert: Ewald Roddewig. Der Zollinger (68) hat in kürzester Zeit eine Rennrad-Gruppe für Flüchtlinge aus Eritrea gegründet. Sie …
Integration auf Rädern

FW Kranzberg: Den Ort im Fokus haben

Kranzberg – Als „Stütze der Gemeinderäte“ sehen sich die Mitglieder der Freien Wähler Kranzberg und arbeiten diesen bei aktuellen Themen zu. Bei der vergangenen …
FW Kranzberg: Den Ort im Fokus haben

Am Sonntag: Typisierung für Regina Hudler in Moosburg

Moosburg - In der Vhs Moosburg dürfte diesen Sonntag richtig viel los sein: Viele Bürger wollen an der Typisierungsaktion für Regina Hudler teilnehmen. Die 39-Jährige …
Am Sonntag: Typisierung für Regina Hudler in Moosburg

„Wir trauen uns was“

Das war knapp, hätte beinahe Geschichte geschrieben und entlockte OB Tobias Eschenbacher ein humorig enttäuschtes „Ach Gott!“: Mit einer Gegenstimme, und zwar der von …
„Wir trauen uns was“

Kommentare