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Heute startet der Moosburger Waldkindergarten

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Rund 42.000 Euro hat der Bauwagen für die Waldkindergartengruppe gekostet. Verglichen mit den Millionenkosten für den Kindergarten-Neubau an der Georg-Schweiger-Straße quasi ein Schnäppchen. Um keinen Anreiz für Diebe zu geben, wird Inventar wie Feuerlöscher oder Erste-Hilfe-Kasten jeden Tag wieder mitgenommen. © Armin Forster

Moosburg - Es geht los: Heute startet Moosburgs erste Waldkindergartengruppe den Betrieb. „Die Füchse“ erwarten viel Bewegung, Natur und freudig motivierte Betreuer. Wer die liebevoll vorbereitete Einrichtung besucht, fragt sich eigentlich nur: Warum gibt es noch immer elf freie Plätze?

Fünfjährige, die zur Ergo- oder Physiotherapie müssen, das gibt es heutzutage immer öfter – weil sich Kinder weniger bewegen als früher und sich ihre Motorik schlechter entwickelt. „Das wird den Kindern hier nicht passieren“, sagt Elisabeth Kratzer und lässt den Blick durchs Grün des Moosburger Stadtwalds streifen. Die 53-Jährige steht auf einer Lichtung, an dessen Rand ein großer Bauwagen parkt. Kratzer leitet den Moosburger Drei-Rosen-Kindergarten an der Banatstraße – und ist nun auch verantwortlich für die erste Waldkindergartengruppe der Stadt.

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Spartanische Ausstattung im Inneren des Bauwagens: Die Kinder sollen sich nur in Ausnahmefällen, etwa bei schlechtem Wetter, drinnen aufhalten. Ansonsten wird draußen unter freiem Himmel gespielt. © Armin Forster

Der große Unterschied zu ihren übrigen Gruppen: Hier spielt sich fast alles im Freien ab. In das mobile Holzhäuschen mit Wasserkanister, Rindenmulch-Toilette und Elektroheizung, das die Stadt für 42.000 Euro angeschafft hat, geht es nur, wenn das Wetter draußen zu extrem wird. So kann die Umwelt tagtäglich mit allen Sinnen aufgesaugt werden. „Die Kinder werden die Jahreszeiten stärker mitbekommen, viel mehr über Pflanzen und Tiere wissen und auch später als Erwachsene ganz anders mit der Natur umgehen“, sagt Kratzer. Feste Außenspielgeräte gebe es keine, die Kleinen müssten sich selbst etwas ausdenken. „Gerade für sehr aktive Kinder, die viel Bewegung brauchen, strahlt das Umfeld hier Ruhe aus und gibt den nötigen Freiraum“, schwärmt sie.

Die Kritik auf Facebook können sie nicht nachvollziehen

Elisabeth Kratzer und Aicke Morgenstern, zuständiger Sachgebietsleiter der Stadt, schlendern übers Gelände, hinüber zu den insgesamt 18 Betonzylindern, die als Sitzgelegenheit dienen sollen. Als Fotos davon auf Facebook auftauchten, hagelte es Kritik – wegen der Ästhetik. Die beiden können das nicht nachvollziehen: „Wir wollten eigentlich Holzpflöcke, aber die werden ja sofort geklaut. Die Betonblöcke hatten wir noch am Bauhof – und sie werden auch noch nett angemalt“, erklärt Morgenstern.

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Die Kritik an den Sitzgelegenheiten aus Beton können Aicke Morgenstern und Elisabeth Kratzer nicht nachvollziehen. „Holzpflöcke wären uns sofort geklaut worden. Und der Beton wird noch nett angemalt“, erklärt Morgenstern. © Armin Forster

Er freut sich schon, wenn sich hier draußen endlich die ersten Kinder austoben. „Bisher hat alles super funktioniert. Jetzt fehlen nur noch die Kleinen.“ Dafür, dass auch alles reibungslos laufe, habe man sich vorab beim Landesverband für Waldkindergärten beraten lassen und mehrmals die seit zehn Jahren erfolgreich etablierte Einrichtung im nahen Buch am Erlbach besucht.

Die drei Betreuerinnen der „Füchse“ – so heißt die Waldkindergartengruppe – haben am heutigen Donnerstag laut Morgenstern erst einmal einen ruhigen Start: „Wir sind nicht ausgebucht, elf der 20 Plätze sind noch frei“, berichtet er. Und das, obwohl derzeit rund 20 Kinder auf der städtischen Kindergarten-Warteliste stünden. „Wir haben die betreffenden Eltern informiert, dass hier noch Platz ist.“

So läuft ein Tag im Waldkindergarten ab:

Der Morgen in der Waldkindergartengruppe beginnt einen halben Kilometer entfernt im Drei-Rosen-Kindergarten an der Banatstraße: Die Eltern liefern ihre Kinder dort bis 8.15 Uhr ab. Dann wird in den Stadtwald spaziert. Im Gepäck hat die Gruppe einen Bollerwagen mit Spielmaterial, Getränken, Notfallunterlagen, einem Erste-Hilfe-Kasten, Wechselkleidung sowie weiteren Utensilien. Auf der Lichtung im Stadtwald angekommen, heißt es erst einmal: frei spielen. Die Kinder dürfen nach Herzenslust laufen, klettern und den Wald erkunden – innerhalb eines bestimmten Bereichs und stets in Sichtweite der Betreuer.

Im Anschluss wird Brotzeit gemacht. Danach steht eine gemeinsame Beschäftigung an, etwa Singen oder ein Gruppengespräch. Schließlich geht es wieder zurück: Die Abholzeit (erneut an der Banatstraße) liegt zwischen 13.15 und 13.45 Uhr. Weitere Informationen gibt es bei Aicke Morgenstern, Tel. (08761) 68422, oder im Drei-Rosen-Kindergarten, Tel. 66359.

Armin Forster

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