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Holen internationale Top-Musiker nach Moosburg: Chef-Booker Tobias Schmitt (l.) und Geschäftsführer Lorenz Schmid von der Firma Klangfeld. Derzeit laufen die Vorbereitungen für ihr Utopia Island Festival am Aquapark.

Veranstalter Klangfeld auf der Erfolgsspur

Interview mit den Utopia-Machern: So lockten sie Lena und Paul nach Moosburg

Moosburg - Der Veranstalter Klangfeld hält sich auf der Erfolgsspur. Mit der neuen Auflage von Utopia Island wird klar: Nun spielt man in einer Liga mit den ganz großen Events. Im Interview erzählen die jungen Unternehmer, wie sie die Großkaliber des Musikgeschäfts nach Moosburg gelockt haben.

Auch wenn sie erst frisch eingezogen ist: Der Moosburger Veranstaltungsfirma Klangfeld werden die Räume und Hallen auf dem einstigen Normstahl-Areal fast schon wieder zu klein. Überall türmt sich Konzertequipment, das viele Dekomaterial für anstehende Events geht im Weg um, auch die Schreibtische sind fast alle belegt. Das junge Unternehmen wächst und wächst. Das mutet an manchen Stellen leicht chaotisch an.

Beim Blick hinter die Kulissen des Betriebs offenbart sich jedoch ein äußerst durchstrukturiertes Gesamtwerk. Anders wäre es auch gar nicht möglich, dass Klangfeld bei seinem Zugpferd Utopia Island noch einmal eine gehörige Schippe drauflegt. Denn nicht nur die Dimensionen des Festivals am Aquapark werden heuer wachsen – auch mit dem Aufgebot der Künstler stoßen die Organisatoren in eine ganz neue Liga vor. Das FT wollte mehr wissen über den rasanten Aufstieg – und traf sich mit Geschäftsführer Lorenz Schmid (32) und Chef-Booker Tobias Schmitt (28) zum Interview.

Freisinger Tagblatt: Deichkind, Paul Kalkbrenner und auch noch Lena Meyer-Landrut: Respekt, was ihr in diesem Jahr alles an großen Namen nach Moosburg holt. Verratet doch bitte: Wie habt ihr das angestellt?

Tobias: Ich glaube, wir werden jetzt für das Engagement belohnt, das wir über die Jahre geleistet haben. Wir wollten es den Künstlern immer so angenehm wie möglich machen, ihnen eine tolle Zeit geben – wie unseren Gästen ja auch. Das hat sich in der Szene mittlerweile rumgesprochen. Die Leute kommen gerne wieder. Das sieht man an Künstlern wie OK Kid, Frittenbude oder dem Act, dessen Namen das Tagblatt vermutlich nicht ausschreiben wird: die Ostblockschlampen.

FT: Doch, den schreiben wir aus.

Tobias: (lacht) Okay! Jedenfalls: Bei vielen Musikern muss ich gar nicht mehr lange rumverhandeln. Die sagen: Ja geil, wir freuen uns, wenn wir wieder dabei sind! Und genau das öffnet eben Türen dafür, dass man mal eine Nummer größer bekommt. Das haben wir letztes Jahr auch schon probiert, aber jetzt trägt’s endlich Früchte.

Lorenz: Man muss dazu wissen: Der Tobi betreibt da wirklich Sisyphusarbeit. Eine Agentur verwaltet meist um die zehn Künstler – und wer da gleich die großen anfrägt, bekommt sie natürlich nicht. Das heißt, du musst dir erst einen Namen machen, einen Ruf aufbauen. Du brauchst auch einen positiv Verrückten wie unseren Tobi, der teilweise Tag und Nacht arbeitet. Das ist wirklich ein harter Job. Zumal er jetzt ja auch noch in Konkurrenz zu den großen Events steht, die die gleichen Künstler buchen wollen.

"Deswegen gibt es keinen VIP-Bereich mehr für Besucher"

Tobias: Bei Paul Kalkbrenner etwa konkurrieren wir mit den größten Festivals Europas, der wird weltweit angefragt. Natürlich gehört auch ein Quäntchen Glück dazu: Der Termin muss frei sein, und du darfst nicht in den Gebietsschutz eines anderen großen Festivals reinfallen.

FT: Ist das Utopia Island mit seiner Kulisse für manchen Künstler vielleicht auch eine Art „Rast“ auf ihrer anstrengenden Tour?

Tobias: Mit Sicherheit. Es Urlaub oder Erholung zu nennen, wäre aber übertrieben. Diese Leute sitzen tagein, tagaus im Flugzeug, leben nur aus Koffern. Aber ich glaube schon, dass sie Wert darauf legen: Wie ist das Festivalgelände aufgebaut? Ist das Publikum angenehm? Mit wem spiele ich da? Persönliches Wohlbefinden wiegt oft stärker als das Finanzielle.

Kommen zu Utopia Island: Paul Kalkbrenner und Lena

Lorenz: Das geht nur, wenn du 30, 40 Leute hast, die zusammen ein Ziel verfolgen: ein einzigartiges Festival auf die Beine zu stellen. Unser Team stellt sich selbst hin und malt an der Deko herum. Welcher große Veranstalter macht das noch? Auch unsere Story spielt eine Rolle: Utopia basiert ja auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Morus. Er erzählt eine Geschichte über die perfekte Gesellschaft: Kein Krieg, jeder hat Essen und Trinken, alle halten zusammen. Das war auch unser Gedanke. Deswegen gibt es keinen VIP-Bereich mehr für die Besucher. Wir haben gesagt: Wie bescheuert sind wir eigentlich, wenn wir das Gefühl „Jeder ist gleich“ verkaufen wollen – und dann eine Zwei-Klassen-Gesellschaft anbieten? Bei uns sind auch im Backstagebereich alle gemischt: Künstler und Team, ab und zu laufen auch Helfer vom BRK durch. Das sorgt am Ende für die beste Stimmung.

FT: Lasst uns konkret werden: Wie seid ihr an Paul Kalkbrenner gekommen?

Lorenz: Wir mussten erst einmal herausfinden, wo er überall gebucht werden kann. Dann haben wir bei der weltgrößten Booking-Agentur WME angefragt und tatsächlich die beiden Chefs gesprochen. Die fanden das wohl ganz cool, dass wir so direkt waren. Wir haben ihnen unsere Story of Utopia erzählt und Bilder vom See gezeigt. Auf einmal flutschte alles.

"Ich bin vom Schreibtisch aufgesprungen und hab' verschiedene Freudentänze aufgeführt"

Tobias: Ich hab’ bestimmt fünf bis zehn Telefonate und viele E-Mails bis zum Deal mit Steve Hogan, dem Main Booker von WME in London, gebraucht. Danach wurde ich sofort abgedrückt an seine Assistenten. Aber alles lief mega professionell. Aus meiner Erfahrung kann ich mittlerweile sagen: Je größer der Künstler, desto entspannter läuft der Kontakt. Bei kleineren braucht man oft mehr Geduld und Nerven.

FT: Wie reagiert man, wenn man gerade eine Zusage von einem der bekanntesten deutschen Techno-Musiker erhalten hat?

Tobias: (grinst) Das Gefühl kann man nicht in Worte fassen. Ich bin vom Schreibtisch aufgesprungen und hab’ verschiedene Freudentänze aufgeführt. Das Schwierigste war dann aber, außerhalb der Firma nichts zu sagen. Du kannst nicht einfach zu deinem besten Freund laufen und ihm stecken, dass du gerade Paul Kalkbrenner gebucht hast. Wir haben hier eine klare Geheimhaltungsklausel. Das Glück kann man eben erst dann mit der Welt teilen, wenn das Line-up veröffentlicht ist.

Utopia Festival 2015: Die Bilder

Lorenz: Für die Region ist das schon eine richtig tolle Sache. Und wir sind mittlerweile weiter als die meisten Münchner Festivals. Rockavaria gibt es noch, aber das ist eine ganz andere Szene.

FT: Und wie kam das mit Lena Meyer-Landrut, die sich mittlerweile nur noch Lena nennt?

Tobias: Wir waren noch auf der Suche nach einem bekannten deutschen Künstler, vorzugsweise weiblich. Irgendwann sind wir auf Lena gekommen, ihr jüngstes Album klingt ja viel elektronischer. Ein Stil, den sie eigentlich viel mehr verfolgen möchte – es unter ihrem alten Management aber nicht konnte. Wir haben zwei Wochen lang überlegt: Passt sie zu uns? Wie reagieren die Leute? Auf der Suche nach anderen Festival-Auftritten von ihr haben wir nichts gefunden.

"Wir mussten uns auf einen möglichen Shitstorm einstellen"

Lorenz: Nur, dass sie zum 25. Jubiläum der Deutschen Einheit vor 100.000 Leuten am Brandenburger Tor gesungen hat. Da war klar: Sie ist große Bühnen gewohnt.

Tobias: Wir haben dann gesagt: Sie passt irgendwie zu uns. Wir machen das jetzt einfach und warten, was passiert. Also hab’ ich bei Lenas Management angerufen und gefragt: Was ist der Grund, dass Lena keine Festivals spielt?

FT: Und?

Tobias: Man kann sagen, dass das in ihrer bisherigen Karriere nicht unbedingt gewünscht war. Jetzt gibt’s aber mehr Freiheiten dafür. Andere Veranstalter haben sich wohl zurückgehalten, weil sie zu sehr mit ihrem alten Image des Pop-Sternchens in Verbindung gebracht wird.

FT: Wie lief der Kontakt weiter?

Tobias: Wir haben uns relativ schnell auf einen Versuch geeinigt. Und mit dem Management auch darüber gesprochen, dass wir uns eventuell auf einen Shitstorm oder Beschwerden einstellen müssen.

FT: Von Stammgästen?

Tobias: Ja. Viele sind halt sehr eingefleischt in der elektronischen Szene und sagen womöglich: Hey, warum kommt jetzt diese Lena? Aber das Gegenteil war der Fall: Wir haben von allen Seiten sehr viel positive Resonanz bekommen. Ich hab’ mittlerweile ein Problem: Ich weiß nicht, welchen meiner Shuttlefahrer ich die Lena vom Flughafen abholen lassen soll. (lacht) Auch in meinem Freundeskreis hab’ ich viele Leute, die das öffentlich nie zugeben würden – aber jeder wird sich ihre Show anschauen.

"Dann sollen sie halt ihr Bier werfen. Hoffentlich bleibt eines stehen, dann kann ich's trinken"

Lorenz: Wir finden ihren Sound gut. Sie hat ein gewisses Selbstverständnis und Rückgrat, ist einfach ein cooler Mensch. Wir haben mit Lena persönlich gesprochen und ihr gesagt: Es könnte sein, dass es manche nicht so toll finden, wenn du auftrittst. Daraufhin meinte sie nur: Dann sollen sie halt ihr Bier werfen. Hoffentlich bleibt eines stehen und ich kann’s selbst trinken. Sie ist da also total relaxed. Und anhand der Anfragen sehen wir, dass ihr Auftritt alle Generationen stark anspricht. Von den Jungen bis hoch zu den 50-Jährigen, die sagen: Ich möchte Lena live sehen! Die Tagestickets für Samstag verkaufen sich sehr gut.

FT: Utopia Island hat jetzt also die ganz großen Namen als Headliner. Welche Ziele bleiben da überhaupt noch übrig?

Lorenz: Wir möchten jedes Jahr ein weiteres Kapitel für Utopia schreiben. Uns geht’s nicht primär um die großen Künstler, sondern um dieses Insel-Feeling, die Story hinter unserem Festival.

FT: Kommt man da nicht langsam auch an Grenzen, was die Fläche betrifft? So groß ist der Aquapark ja auch nicht...

Lorenz: Also, die Fläche reicht noch lange. Und wir sehen momentan nicht, dass wir ein Major Festival werden. Wenn wir es dieses Jahr schaffen, pro Tag über die 10.000 Besucher zu kommen, sind wir zufrieden. So wie es aussieht, werden wir das hinbekommen. Diese Größe, vielleicht noch ein paar Tausend mehr, ist ideal. Das Festival ist dann noch handlebar, du kannst es liebevoll gestalten und verdienst gleichzeitig noch Geld damit. Du gibst den Leuten das Gefühl: Sie sind nicht auf einer riesen Veranstaltung. Deshalb finde ich es auch so schade, dass es das Prima Leben und Stereo nicht mehr gibt – auch wenn wir in Konkurrenz dazu standen. Das hatte einen eigenen Charme, so richtig anders, einfach ein stressfreies Festival. Mit dem Red Corner ist es das Gleiche. Es könnte ruhig mehr geben von diesen kleinen Festivals. Und da zähle ich uns auch dazu.

Utopia Island Festival: Tickets, Line-up und Infos

Das Utopia Island Festival findet von 18. bis 20. August am Moosburger Aquapark statt. Erwartet werden unter anderem Paul Kalkbrenner, Deichkind, Rudimental, Dada Life, Don Diablo, Lena, Maceo Plex, Martin Solveig, Sigma, Bonaparte, Claire, Frittenbude, OK Kid, Sigala und viele mehr. Karten (Wochenende: 98,99 Euro; Tagestickets ab 55,90 Euro; zzgl. Gebühren) sowie weitere Infos gibt es unter www.utopia-island.de

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