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Die Aral-Tankstelle an der Landshuter Straße (Ex-B11) in Moosburg.

Täter legen Geständnis ab

Nach Überfall auf Moosburger Aral-Tankstelle: Haftstrafen für Täter-Duo

Moosburg/Landshut - Nach einem gescheiterten Überfall auf die Moosburger Aral-Tankstelle raubten zwei Niederbayern noch die OMV-Tankstelle in Altdorf aus. Jetzt landete das Duo vor Gericht.

In einer Nacht überfielen ein 20-jähriger Schlosser (20) und ein Einzelhandelskaufmann (22) aus Niederbayern zwei Tankstellen in Moosburg und Altdorf. Im Prozess vor der Jugendkammer des Landshuter Landgerichts handelte sich der 20-Jährige eine Jugendeinheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten ein, sein Kumpan kam mit vier Jahren und acht Monaten davon.

Laut der von Staatsanwältin Anna Holzer vertretenen Anklage hatte der Schlosser am 20. Januar um 1.07 Uhr die Aral-Tankstelle an der Landshuter Straße (Ex-B11) in Moosburg betreten und die Kassiererin umgehend mit der „Mitteilung“ konfrontiert, dass es sich um einen Überfall handle. Dabei zielte er mit einer ungeladenen Gaspistole der Marke Browning, die er da noch in einer Plastiktüte versteckt vorhielt, auf die Kassiererin. Allerdings hatte er offensichtlich nicht mit der Reaktion der Frau gerechnet. Denn anstatt wie gefordert die Kasse zu öffnen und ihm das Bargeld zu übergeben, flüchtete sie. Der Schlosser machte sich auch schleunigst davon und stieg in den silberfarbenen Audi A3, in dem sein Kumpel Schmiere gesessen hatte.

Knapp eineinhalb Stunden später fuhr das Duo an der OMV-Tankstelle an der Äußeren Parkstraße in Altdorf vor. Während der Kaufmann wieder im Auto sitzen blieb, begab sich der Schlosser in den Verkaufsraum, zielte mit der nach wie vor ungeladenen Gaspistole auf die Kassiererin und forderte von der: „Das Geld her, und zwar schnell.“ Tatsächlich öffnete die Frau die Kasse, packte die dort aufbewahrten 633,74 Euro Bargeld in die Plastiktüte des Räubers, der daraufhin gemeinsam mit seinem Komplizen flüchtete.

Freude über Beute währt nur kurz

Die Freude an der Beute währte allerdings nicht lange: Das Duo konnte nach diversen Zeugenhinweisen, akribischer Ermittlungsarbeit und kriminaltaktischen Maßnahmen bereits in den Morgenstunden des 28. Januar festgenommen werden. Bei den Wohnungsdurchsuchungen wurden sowohl die Tatwaffe als auch die zur Vermummung verwendeten Kleidungsstücke sichergestellt. Bei den Vernehmungen räumte der Schlosser dann die Überfälle ein, während sich sein 22-jähriger Spezl zunächst noch in Schweigen hüllte. Zum Auftakt des ursprünglich auf zwei Tage angesetzten Prozesses vor der Jugendkammer legten beide Angeklagte umfassende Geständnisse ab, so dass es zunächst zu Verständigungsgesprächen kam, die allerdings zu keinem Ergebnis führten.

Der Schlosser berichtete, dass er nach seiner Entlassung aus der Jugendstrafanstalt Laufen, wo er bis September 2015 wegen Diebstahls, Verkehrsdelikten und Körperverletzung eine Jugendstrafe von 20 Monaten abgesessen habe, unter anderem auch wegen Gerichtskosten in großen finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei und Schulden von rund 3000 Euro gehabt habe. Er habe zwar 1300 Euro mit ehrlicher Arbeit verdient – für Discobesuche, Alkohol und Drogen sei aber das meiste Geld draufgegangen.

Als er dann kurz vor den Überfällen nach der Rückkehr von seinem Arbeitsplatz von seinem Vater erfahren habe, dass der Gerichtsvollzieher vor der Tür gestanden habe, hätte er keinen Ausweg mehr gesehen: „Ich wollte nicht schon wieder eingesperrt werden.“ Da habe er sich mit seinem Freund in Verbindung gesetzt, von dem er wusste, dass er ebenfalls Geld brauche und eine Waffe besitzt. Mit ihm habe er dann den Überfall auf die Moosburger Tankstelle ausbaldowert.

Mit acht Bier Mut angetrunken

„Wir sind davon ausgegangen, dass wir pro Tankstelle 2000 Euro erbeuten.“ Vor und auf der Fahrt nach Moosburg habe er sich mit sechs Bier noch Mut angetrunken, zwei weitere dann noch, bevor er in den Verkaufsraum gegangen sei. Schon während der Planung und auch noch in Moosburg habe er je einen Joint geraucht: „Da habe ich mich dann getraut.“ Allerdings habe der Coup wegen der Flucht der Kassierin nicht so geklappt, wie es geplant gewesen sei. „Dann war es eh schon egal und wir sind auf die Idee gekommen, es in Altdorf noch einmal zu probieren.“

Der 22-Jährige, der nach seiner Lehre zum Fotografen umsatteln wollte, relativierte die Angaben seines ehemaligen Kumpels. Der habe sich am Tatabend bei ihm gemeldet. Man habe sich getroffen, sei gemeinsam auf einen Parkplatz gefahren, und da habe ihm der 20-Jährige von seinen Schulden und seinen Überfallplänen erzählt. Neu sei die Idee nicht gewesen: „Wir haben uns ein paar Wochen vorher schon einmal darüber unterhalten.“Deshalb habe er aus seiner Wohnung die Waffe, zu der es keine Munition gegeben habe, geholt und man sei nach Moosburg gefahren.

Nach dem ersten Überfall ging's in die Innenstadt

Vor der Fahrt habe sein Kumpel allerdings höchstens drei oder vier Bier gekauft und dann getrunken. „Es war klar, dass ich das Auto fahre, weil nur ich einen Führerschein hatte.“ Nach dem gescheiterten Coup sei man zunächst noch in die Moosburger Innenstadt gefahren und sich dann zum zweiten Überfall in Altdorf entschlossen. „Ich bereue es, ich fühle mich schuldig, aber ich wollte ihm einfach helfen“, sagte der 22-Jährige.

Aufgrund der umfassenden Geständnisse konnte bereits nach einem Tag das Urteil gefällt werden. Die fünf Jahre und zwei Monate für den 20-Jährigen resultierten in erster Linie aus seinem strafrechtlichen Vorleben. Sein Kumpan kam glimpflicher davon, da er strafrechtlich bisher nur geringfügig in Erscheinung getreten war. Beim Strafmaß war die Jugendkammer unter dem Antrag der Staatsanwältin geblieben, die eine Jugendeinheitsstrafe von fünf Jahren und fünf Monaten beziehungsweise eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten gefordert hatte. Die Verteidiger hatten Freiheitsstrafen unter fünf Jahren beantragt.

Strafmildernd, so Vorsitzender Richter Oliver Dopheide, habe sich neben dem Geständnis, der bei der Tat verwendeten ungefährlichen Pistole und der Entschuldigung bei den Opfern vor allem ausgewirkt, dass die psychischen Folgen für die Moosburger Verkäuferin glimpflich gewesen seien. Sie habe sogar noch ihre Schicht beendet. Anders dagegen ihre Altdorfer Kollegin, die erheblich psychisch beeinträchtigt worden sei.

Walter Schöttl

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