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Der Weingraben gerät zum Zankapfel: Wo jetzt noch diese drei Gebäude stehen, möchte ein Investor Platz für betreutes Wohnen schaffen. Kritiker wie Stadtrat Josef Dollinger (FW) fürchten jedoch um das Erscheinungsbild und die Attraktivität der Innenstadt. Aus Dollingers Sicht konnte in einer Sondersitzung im Rathaus gerade noch die „Notbremse“ gezogen werden. Wäre der Antrag des Investors auf Vorbescheid durchgegangen, hätte man nämlich „Baurecht geschaffen“.

Betreutes Wohnen wird zum Zankapfel

"Städtebauliche Todsünde“ am Weingraben

Moosburg - Der Bau einer betreuten Wohnanlage am Moosburger Weingraben liegt vorerst auf Eis: Der Investor hat den umstrittenen Antrag zurückgezogen. Hauptgrund: die Fassade.

In einer Sondersitzung des Stadtrats am Donnerstag hat der Investor laut Meinelt das Projekt erläutert und festgestellt, dass es „kein Riegel“ werden solle. Die Fassade müsse sich besser ins Stadtbild einfügen, womöglich stilistisch an die bestehenden Gebäude erinnern, erklärte die Rathauschefin gegenüber unserer Zeitung.

Über das weitere Vorgehen sagte sie: Man werde jetzt versuchen, gemeinsam mit dem Bauamt und in Absprache mit Kreisbaumeisterin Antonia Seubert eine Lösung zu finden. „Es muss sich einfügen“, stellte sie in Bezug auf das geplante, über drei Grundstücke hinweg reichende Gebäude fest.

Der Investor, die WIG Schwarzwälder GmbH aus Königsfeld, war mit seinem Plan, am Weingraben 18 bis 22 eine Anlage für betreutes Wohnen zu verwirklichen, auf öffentlichen Widerstand gestoßen. Unter anderem hatte der Verein der Altstadtförderer Einwände erhoben. Vorsitzende Daniela Eiden hatte extra einen Brief an Meinelt und das Bauamt verfasst, in dem sie Länge und Höhe des Gebäudes kritisierte und die ausgewiesenen Stellplätze für unzureichend erklärte. Auch, dass im Erdgeschoss keine Geschäfte vorgesehen seien, ist aus Sicht der Altstadtförderer ein großer Fehler. Damit wäre der Weingraben praktisch ausgestorben, argumentierte Eiden.

Eine Meinung, die ebenfalls Stadtrat Josef Dollinger (FW) vertritt. Er zählt zu den erklärten Kritikern des Projekts. Auf die Gründe angesprochen, nannte Dollinger die Fassade. Er hält sie für zu wenig gegliedert und bezeichnet sie als „städtebauliche Todsünde“. Dass der Planer im Erdgeschoss lediglich einen kleinen Gemeinschaftsraum vorsieht, stört ihn ebenfalls: „Für die Öffentlichkeit ist der Großteil des Erdgeschosses damit nicht nutzbar“, was schlecht für die Innenstadt sei. „Keine Geschäfte, kein Gewerbe, das macht den Weingraben kaputt“, bemängelt Dollinger. Für ein weiteres Unding halte er es, dass keine Tiefgarage vorgesehen gewesen sei.

Wolfgang Flaig, Ansprechpartner der WIG Schwarzwälder, sieht die Sache weniger tragisch: „Man konnte sich nur nicht auf die Fassade einigen“, kommentierte er am Telefon die Sondersitzung. Eine Tiefgarage sei sehr wohl vorgesehen. Nächste Woche gehe es weiter mit den Verhandlungen. „Wir sind nach wie vor stark an dem Projekt interessiert.“

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