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Partystimmung: Vor der „Seaside Stage“ von Utopia Island wurde ausgelassen getanzt.

Drei Tage Party am Moosburger Aquapark

Der viel-zu-Kurzurlaub: So war das Utopia Island Festival 2016

Moosburg - Ein neues Level haben die Macher von Utopia Island mit ihrem diesjährigen Festival erreicht. Größer, spektakulärer, professioneller: Hier lesen Sie, was Sie alles verpasst haben.

Der falsche Ortsname konnte die Massen nicht abhalten. Denn obwohl das hunderttausendfach gedruckte Szenemagazin Festival Guide seine Leser irrtümlich nach „Moosbach an der Isar“ gelotst hatte, fanden sich am Ende doch 12.000 Besucher aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland, bei Utopia Island in Moosburg ein. Und völlig egal, wie viel Strecke zurückgelegt werden musste, bis das Gelände erreicht war: Der Weg hatte sich gelohnt.

Zur vierten Auflage des Jahr um Jahr erfolgreicheren Events hatten die Macher ihren Slogan – „Ein Festival wie ein Kurzurlaub“ – noch überzeugender umsetzen wollen. Schon früh zeichnete sich ab, dass mindestens beim Line-up ein neues Level erreicht würde: Erst sorgte die Verpflichtung der Ausnahmeband Deichkind für Furore. 

Großer Andrang beim Vorverkauf

Und während sich die Einheimischen beim Blick auf die prominent besetzte Ankündigungsphase 1 noch ungläubig die Augen rieben, zündeten die Festivalorganisatoren die nächsten Knaller: erst mit Paul Kalkbrenner, Berlins international populärem Technoproduzenten. Dann Rudimental, das weltweit gefeierte Erfolgskollektiv aus London. Und schließlich Lena, die Deutschland in 2010 den Sieg beim ESC beschert hatte. Diese Auflage von Utopia Island, so viel stand also vorab fest, würde vieles in den Schatten stellen. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung – und der Andrang beim Vorverkauf.

So lief der Start von Utopia Island 2016

Für alle sichtbar wurde das erstmals am Donnerstag mit einer ewig langen Schlange vor der Bändchen-Ausgabe. Dass an diesem Wochenende zeitgleich das viel etabliertere Echelon Open Air stattfinden würde? Juckte in Moosburg scheinbar niemanden. Ein türkisblauer Badesee vor den Bühnen schien auf die Besucher mehr Anziehungskraft ausgeübt zu haben als die Kulisse der NSA-Radarkugeln von Bad Aibling, vor denen Echelon jedes Jahr stattfindet.

Nachdem sich der Campingplatz also bereits am Tag vor der Eröffnung des Festivalgeländes bis zum Rand gefüllt hatte, ging es am Freitag ans musikalisch Eingemachte. Die Verteilung der Acts und Genres war dabei klar strukturiert. An der „Seaside Stage“ gab es entspannte, gerne auch melodisch unterlegte Electro-Beats zu hören, etwa von Künstlern wie Sigala oder HVOB. Dazu wurde vor einem auf Sand gestrandeten Holzschiff getanzt – tagsüber auch direkt im Wasser des Baggersees.

Hauptbühne mit Rock-im-Park-Dimensionen

In den Zelten der „Aura-“ und „Terra-Stage“ bekam der Gast härtere beziehungsweise richtig harte Kost auf die Ohren serviert. Die Atmosphäre? Bassmassage am Bauch, Schweißperlen auf der Stirn und Laserlicht über dem Kopf. Und vor der riesigen „Main-Stage“, die heuer einen Maßstab à la Rock-im-Park-Hauptbühne erreicht hatte, kamen Instrumente und Gesang zum Einsatz – vorzugsweise freilich mit elektronischem Fundament versehen.

Deichkind beim Utopia Island Festival 2016 in Moosburg

Wie sehr die Gastgeber den Musikgeschmack ihrer Besucher getroffen hatten, zeigte sich am Freitag zum Beispiel beim Auftritt des französischen House-DJs und -Produzenten Martin Solveig: Während er vor der gigantischen LED-Wand der „Aura-Stage“ seine Hits wie „Do It Right“ oder „Intoxicated“ servierte, war das Sechs-Masten-Zirkuszelt bis zum Bersten gefüllt. Wer erst zu Beginn des Auftritts ins Zelt wollte, hatte keine Chance mehr. Zum Glück war bei Frittenbude nebenan vor der „Main-Stage“ noch Platz. Dann eben feiertauglicher Elektropunk mit deutschem Textgut.

Als Frittenbude fertig waren, ging es zum Höhepunkt des Abends über: Deichkind! Wer wegen ihrer bekanntermaßen exzessiven und völlig durchgeknallten Shows nach Moosburg gereist war, wurde nicht enttäuscht: Zu „Krawall und Remmidemmi“ hüpften die Hamburger auf einem mit Federn bestücktem Trampolin-Schlauchboot vor der Bühne herum, und bei „Roll das Fass rein“ rollten sie eben mit einem überdimensionalen Fass durch die Menge.

Bei Bonaparte fallen alle Hüllen

Als sich die Bewohner am Samstag wieder aus ihren Zelten schleppten, konnten sie sich bei Sonnenschein und Temperaturen um 27 Grad von der vergangenen Ekstase-Nacht regenerieren. Die Badetücher lagen dicht an dicht. Und das Auftanken der Kraftreserven war dringend angebracht: standen die nächsten Ausnahmemusiker doch bereits in den Startlöchern.

Fotostrecke: Die schönsten Bilder vom Utopia Island Festival 2016

Auch an diesem Tag war wieder Facettenreichtum angesagt. Zunächst mit Bonaparte: Dessen Tänzer robbten zum Trash-Punk erst mit beschmierten Ganzkörperstrumpfhosen und später komplett nackt über die „Main Stage“. Frontmann Tobias Jundt und seine Bandmitglieder lieferten aber nicht nur die bizarrste Show des Festivals ab, sie hatten auch gute Manieren: Am Ende griff sich jeder einen Besen und kehrte die Bühne für die nächste Künstlerin sauber.

Lena polarisiert - und Rudimental vereint wieder

Das war dann Lena. Als die in Jeans-Zweiteiler und Boots zum Mikro griff, war der Platz vor der Hauptbühne rappelvoll – auch wenn manche wohl nur gekommen waren, um den Star einmal mit eigenen Augen zu sehen. Ihr Repertoire, das immer wieder mal „etwas fürs Herz“ bot, provozierte im Lager der hartgesottenen Electro-Fans den einen oder anderen Becher-Wurf. Gleichzeitig sangen jedoch Tausende Lenas Lieder mit und schwangen begeistert Handylichter und Feuerzeuge durch die Luft.

Lena beim Utopia Island Festival 2016 in Moosburg

Hatte Lena im Publikum noch polarisiert, wurden sich die Zuhörer bei Rudimental wieder einig. Bei deren Drum ’n’ Bass-Krachern wie „Waiting All Night“ oder „Feel The Love“ konnte sich niemand mehr stillhalten. So mancher, der im Vorfeld des Festivals kaum etwas mit dem Namen dieses Headliners verbunden hatte, hatte nun einen neuen Bandliebling gefunden. Getoppt wurde der Andrang vor der „Main Stage“ nur noch vom Techno-Großmeister Paul Kalkbrenner, der seine Fans mit einem Set aus vielen Klassikern des „Berlin Calling“-Soundtracks und jüngeren Werken davon ablenkte, dass sich Utopia Island wieder dem Ende zuneigte.

Das Festival wird verschont

Dann war es den meisten auch schon völlig egal, dass gegen 1 Uhr der erste längere Regenschauer einsetzte. Hatte das Wetter doch bis zu diesem Zeitpunkt (mit kleinen Ausnahmen) hergehalten. Den Worten von Utopia-Sprecher Leonhard Mandl zufolge ein gewaltiges Glück: „Eigentlich war am Samstag ab 16 Uhr Dauerregen vorhergesagt. Offenbar hat aber dann der Wind gedreht und unser Festival wurde verschont.“

Paul Kalkbrenner beim Utopia Island Festival 2016 in Moosburg

So passte dann das Wetter insgesamt auch zu den sonnigen Motiven auf den Postkarten, die der Gast im Merchandise-Shop kaufen konnte. Die Botschaft auf der Vorderseite lautete getreu dem Urlaubs-Motto: „Grüße von der Insel“. Nach einem Wochenende Utopia Island bleibt bei den Besuchern dieses typische Gefühl zurück: Der Urlaub, er war wieder viel zu kurz.

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