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Präsentieren ihre Milchtankstelle: Anna Raschel und Matthias Bauer vor dem kleinen Häuschen, das extra für den Abfüllautomaten errichtet wurde.

Auf einem Hof bei Pfrombach nahe Moosburg

Mit einer eigenen Milchtankstelle gegen die Discounterpreise

Moosburg - Weil Discounter Milch zu Spottpreisen verhökern, ist die Produktion für Landwirte nicht mehr rentabel. Ein Hof bei Pfrombach (Stadt Moosburg) macht aus der Not eine Tugend: mit einer Milchtankstelle.

Um die 40 Cent kostet ein Liter Milch beim Discounter derzeit. Der Betrag, den die Landwirte dafür noch bekommen, ist mickrig. Dass es für viele Erzeuger mittlerweile um die Existenz geht, das wissen auch die meisten Verbraucher. All diejenigen, die im Raum Moosburg gerne mehr bezahlen würden, haben dazu ab Freitag eine neue Gelegenheit. Dann eröffnet die Familie Bauer auf ihrem Hof bei Pfrombach eine Milchtankstelle. Für einen Euro pro Liter können sich Kunden am Zapfautomaten bedienen – rund um die Uhr. Wir wollten mehr über diese Geschäftsidee erfahren und haben mit Anna Raschel (21) gesprochen. Sie studiert in Weihenstephan Argrarmanagement und -marketing und betreibt gemeinsam mit ihrem Freund Matthias Bauer (23), einem gelernten Landwirt, die Milchtankstelle.

Sie haben sich gerade am Telefon mit „Anna Raschel von der Milchtankstelle“ gemeldet. Witzig!

(L acht) Ja, das passiert derzeit immer öfter. Am Freitag um 9 Uhr wird die Milchtankstelle eröffnet, langsam wird es ernst. Heute Morgen hab’ ich noch Flyer in Buch am Erlbach verteilt, da gab es sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Die Leute sagen oft: Super Idee, das werd’ ich unterstützen.

Wie kam es denn zu der Idee? Ist das eine Antwort auf den dramatisch niedrigen Milchpreis?

Ja. In diesen Zeiten muss man bei der Vermarktung einfach Eigeninitiative ergreifen. Sich bloß darüber zu ärgern, bringt nichts. Eines Tages haben mein Freund und ich so einen Automaten in Landshut gesehen und uns dann gleich gedacht: Das wär auch was für uns. Der Hof von Matthias’ Eltern liegt leicht zugänglich an der Straße, nebenan stehen die Kühe auf der Wiese. Das macht für die Kunden gleich einen guten Eindruck.

Wie haben denn seine Eltern auf das ungewöhnliche Vorhaben reagiert?

Anfangs hat es schon etwas Überzeugungsarbeit gebraucht. Aber nach und nach hat sich bei ihnen ebenfalls Begeisterung breitgemacht. Beim Bau des Häuschens hat jetzt die ganze Familie mitgeholfen. Auch viele Freunde haben kräftig mitangepackt.

Erklären Sie mal: Wie funktioniert das mit der Tankstelle?

Ganz einfach. Der Automat hat eine Klappe, da hält man eine Milchflasche oder einen ähnlichen Behälter rein und drückt mit der anderen Hand so lange einen Knopf, bis die Flasche gefüllt ist. Ein Liter kostet einen Euro. Wenn weniger gezapft wurde, also beispielsweise nur vier statt fünf bezahlten Litern, bekommt der Kunde wieder entsprechend Geld zurück. Eine Höchstgrenze gibt es nicht, aber in den Automaten passen insgesamt nur 150 Liter. Die Behälter sollten selbst mitgebracht werden, wir werden aber auch leere Flaschen zum Verkauf anbieten.

Was für eine Milch bekommt der Kunde?

Unverarbeitete Rohmilch. Wir empfehlen, sie vor dem Verzehr kurz abzukochen, vor allem für Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder oder Personen mit schwachem Immunsystem. Im Kühlschrank hält die Milch dann mindestens drei bis vier Tage. Sie hat etwa vier Prozent Fettgehalt und rund drei Prozent Eiweisanteil.

Ist Ihre Milch bio?

Nein, konventionell. Aber die Kühe bekommen gentechnikfreies Futter, viel Gras, Heu und Maissilage aus eigener Produktion. Dazu nur sehr wenig Kraftfutter. Im Sommer stehen die Tiere draußen auf der Weide unter schattigen Obstbäumen – und wenn es ihnen doch zu heiß wird, können sie jederzeit in den Stall spazieren.

Hier gibt es im Landkreis Milch direkt vom Bauern

Was passiert mit der Milch, die nicht per Automat verkauft wird? Sie produzieren doch sicher nicht nur 150 Liter pro Tag?

Am Tag sind es rund 350 Liter. Wir beliefern weiter die Molkerei, momentan gibt es pro Liter noch um die 30 Cent.

Was ist Ihre nächste Idee, war die Milchtankstelle nur der Anfang?

Natürlich überlegt man sich, wie es noch weitergehen könnte. Vielleicht mit Fleisch, Eiern oder Käse. Wenn die Nachfrage da ist, wird sich eine Möglichkeit finden.

Hier gibt es die Milchtankstelle

Die Adresse des Bauer-Hofs lautet Pfrombeck 1, Moosburg. Der Milchautomat ist ab Freitag, 3. Juni, täglich und 24 Stunden geöffnet.

Auch in Leitersdorf bei Au gibt es eine Milchtankstelle - hier gelangen Sie zum Artikel.

Im letzten Winkel des Moosburger Stadtgebiets liegt Pfrombeck, der Hof der Familie Bauer. Mit dem Auto fährt ein Moosburger rund sieben Minuten zur Milchtankstelle.

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