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Die Heiland-Brüder in einer Bar – wo sonst: Kay Thieme sowie die Brüder Max und Stefan Hofstetter (von links).

Erfolgreiches Start-up aus der Hallertau

Die Heiland-Brüder aus Nandlstadt: Sie mischen den Likör-Markt auf

Nandlstadt - Drei Burschen haben mal eben den Bierlikör neu erfunden. „Jesus würde unseren ,Heiland’ trinken“, sagen sie. Den Whisky-Papst haben sie schon überzeugt.

Ungewöhnlich mild ist es an diesem Abend im Januar 2014. Warum also die Feierabendhalbe nicht draußen aufmachen, denken sich die Zwillinge Stefan und Max Hofstetter und dessen Mitbewohner Kay. Am Münchner Gärtnerplatz trinken die jungen Männer dann aber nicht nur Bier. Stefan hat noch diese abgegriffene, weiße Flasche aus Steingut dabei, ohne Etikett. „Selbstgekochter Bierlikör“, sagt er. „Probiert’s mal!“ Das erste Stamperl macht die Runde. Und Kay, der zu dieser Zeit wie Stefan auch in einer Bar arbeitet, ist baff: „Schmeckt super! Wieso kenn’ ich so was nicht?“

Ein paar Schluck später fassen die drei einen Entschluss: Das Rezept wird weiterentwickelt. Es soll perfekt werden. Und noch viel mehr Menschen begeistern.

Die Idee, aus Bier eine Spirituose herzustellen, ist freilich nicht neu. Stefan und sein Bruder stammen aus dem Herzen der Hallertau, sie kennen zig Brauereien, die aus ihrem Bier-Überschuss Likör herstellen. Nebenprodukte, die gern im Souvenirshop von Touristen gekauft werden. Aber Stefan haben zwei Eigenschaften daran noch nie gefallen: Entweder schmeckt es nach billigem Fusel oder wie totgesüßt, findet er. Bierlikör auf Augenhöhe mit angesagtem Gin oder Whisky zu bringen, das ist sein Ziel, als er daheim in Nandlstadt, Kreis Freising, zum ersten Mal Doppelbock in einen Kochtopf schüttet und den Herd anstellt. Nach einiger Recherche in Fachbüchern und im Internet kommen auch noch Zutaten wie Rum und Gewürze hinein.

So fing alles an: In ihrer Küche schütteten die Burschen Doppelbock in einen Topf und kochten daraus Likör.

Über Monate doktert das Trio immer wieder an der idealen Rezeptur herum. Nicht nur die Biersorten werden durchgewechselt, sondern auch die unterschiedlichsten Spirituosen beigemengt. Mancher Topfinhalt landet gleich wieder im Ausguss. Irgendwann im Sommer 2014 passt dann endlich alles. Die Schöpfer sind zufrieden mit ihrem Werk: Zum malzigen Grundgeschmack gesellen sich jetzt feine Noten von Karamell, Feige, Orange und auch Schokolade. Perfekt.

Der Auftrag: Ein Hipster-Jesus mit Vollbart und Dutt

Kay, Stefan und Max malen sich ihre Chancen auf dem Markt aus. Der Trend rund um neue Spirituosen-Sorten, mit denen sich gerade viele junge Gründer aus der Region erfolgreich am Markt etabliert haben, macht ihnen Mut. Auch die Craft-Biere von handwerklichen Kleinbrauereien verkaufen sich bestens. Warum sich also nicht selbstständig machen?

Den Heiland gibt es für 28,50 Euro (50 cl) bei heimatshop-bayern.de.

Noch fehlt den drei Freunden aber ein Name. Ihr Likör, überlegen sie, stammt vom Doppelbock, den einst Mönche in der Fastenzeit erfunden haben. Und den Bayern ist ihr Bier doch heilig. Nach einigen wilden Ideen sagt einer in der Runde: „Mensch, das ist der Heiland!“ Ja, genau. Ihr Produkt, das wird der Messias unter den Bierlikören. Abgefüllt in klassischen Apothekerflakons statt den ewig gleichen Bügelflascherln. Ein Logo braucht es noch: Ausdruck des Zeitgeists soll es sein und natürlich ein Hingucker. Eine befreundete Grafikerin erhält den Auftrag: „Zeichne uns einen Hipster-Jesus mit Vollbart und Dutt.“ Sie setzt noch einen Heiligenschein oben drauf. Und weil sich der „Heiland“ noch stärker von der Masse der Bierliköre abheben soll, prangt auf der Flasche nun die vornehmere, französische Schreibweise: „Doppelbockliqueur“.

Am 9. Juli 2014 sitzt das Trio in einem Freisinger Notarbüro und meldet seine Firma an. Als die Unterschriften trocken sind, wird angestoßen: mit „Heiland“, freilich. Nur der Notar lehnt dankend ab. Er müsse später noch Auto fahren.

Sogar in China trinken sie schon Heiland

Sommer 2016. Stefan Hofstetter sitzt am offenen Fenster auf seinem Bürostuhl, draußen läuten die Nandlstädter Kirchglocken. Vor ihm liegt Papierkram von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe, den er noch erledigen muss. Hinter ihm und seinen Partnern liegen zwei Jahre, in denen sich nahezu alles für die Drei verändert hat. Sie sind jetzt voll drin im Geschäft. Stefan, der eigentlich Elektrotechnik studiert hat, ist mit seinen 25 Jahren Chef der Likörmanufaktur. Zwillingsbruder Max, gelernter Grafiker und Fotograf, treibt das erfolgreiche Produktdesign voran. Und Kay, 28, kümmert sich mittlerweile in Vollzeit um den Vertrieb. Ob in Münchner Szenebars, im Hamburger Schanzenviertel oder in Ländern wie der Schweiz, Kroatien und seit neuestem sogar China: Der „Heiland“ steht schon da.

Es war vor allem ein ständiger Lernprozess, den das Trio durchlaufen hat. Etwa bei der Zusammenarbeit mit Brauspezialisten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Die gaben ihnen Tipps in Sachen Verfahrenstechnik und chemische Prozesse. Weil: „Woher sollten wir eine Ahnung haben, wie man eine Likör- Produktion von 150 auf 500 Liter hochfährt?“, erinnert sich Stefan heute.

Bei der Produktion: Kay überprüft den Sud... und irgendwann wird auch probiert.

Auch die Resonanz der Menschen auf ihr Produkt können sie anfangs nur schwer einschätzen. Da ist zum Beispiel dieses eine Lokal in München, in der die Drei ihre Flasche zur Probe abgeben. Kurz darauf kommt ein Anruf: Die Barkeeper sind dran, sie lieben den „Heiland“. Aber ihr Chef stört sich am Namen: „Nehmt mir das Zeug aus den Augen, das ist reine Blasphemie“, soll er geschimpft haben.

Dann meldet sich das Katholische Medienhaus

Eines Tages sitzt Stefan Hofstetter in der Tram, da klingelt sein Handy. Das Katholische Medienhaus meldet sich am anderen Ende der Leitung, in der lauten Bahn aber versteht Stefan kein Wort. Er verspricht, zurückzurufen – und grübelt dann zehn Minuten lang drüber, wie er sich gleich rechtfertigen soll: für die Sache mit dem Hipster-Erlöser auf dem Flaschenetikett und den frechen Werbeslogan: „Jesus würde Heiland trinken“. 

Doch dann die Überraschung: Es geht um eine Anfrage für ein Radiointerview – für die Kirchennachrichten! „Die fanden uns cool“, sagt Stefan Hofstetter heute und vom Lachen wippt sein Schreibtischstuhl. Auch Pfarrer Stephan Rauscher daheim in Nandlstadt, ein lebenslustiger Mensch, der auf einer roten Vespa durch die Gemeinde düst, kann an dem Likör nur Gutes finden.

Wie Schulbuben warten sie auf das Urteil des Wisky-Papstes

Sollte die Erfolgsstory so weiterlaufen wie bisher, wird es in der derzeitigen Produktionsstätte bald eng. Denn das Haus teilen sich die „Heiland- Brüder“, wie sie sich selbst nennen, mit einer Musikschule, einem Jugendtreff und einer Hebammenpraxis. Viel Platz zum Wachsen bleibt da nicht.

Mit weißem Handschuh klebt Max Hofstetter das Etikett auf die Likörflaschen.

Dass ihr Getränk, das 15,90 Euro für die 0,2-Liter-Flasche kostet, das Zeug zum Verkaufsschlager hat, davon sind die drei aber spätestens seit jenem Tag im September 2014 überzeugt: Damals stehen sie in der Bar Gabányi am Münchner Beethovenplatz. Der Laden ist noch gar nicht für Kundschaft geöffnet, aber Kay, Stefan und Max schwitzen schon – vor Nervosität. Der Besitzer des Ladens, Stefan Gabányi, grauer Backenbart und wuchtige Augenbrauen, wird als „Whisky-Papst“ verehrt. Lange mischte er die Cocktails im Schumann’s, ständig ist er Mitglied in Jurys von Szene-Wettbewerben.

Der Fachmann also. Kann sich der „Heiland“ im Gaumen dieser Instanz bewähren? Wie drei Schulbuben stehen die frischgebackenen Likörmacher da und verfolgen angespannt, wie Gabányi ihre Flasche öffnet, sich ein Glas einschenkt, erst lange riecht und schließlich trinkt. Ein paar Sekunden herrscht Totenstille, sie kommen den Dreien vor wie eine Ewigkeit.

Dann stellt der Meister sein Glas ab und raunt den Besuchern entgegen: „Einfach guter Stoff!“

Ein Rezept für den Heiland

Und hier ein Heiland-Rezept für alle, die Likör nicht gerne pur trinken: 

„Munique Sprizz“ 

  • 1 Teil Heiland 
  • 4 Teile Ginger Ale 
  • 1/8 Limette 
  • Limette ausdrücken und zugeben 
  • Auf Eis servieren - Prost!


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