Nach Berufung

Falsch verdächtigt: Verfahren eingestellt

Neufahrn/Landshut - Was ist genau passiert? Das bleibt nebulös. Angeblich soll ein 41-Jähriger seine Zigarette auf der Brust seiner damaligen Freundin ausgedrückt haben. Sie scheint in der Berufung nicht glaubwürdig – das Verfahren wurde eingestellt.

Seine Ex-Lebensgefährtin soll ein 41-jähriger Neufahrner Lagerist mit einer brennenden Zigarette malträtiert haben. Die Berufungskammer beim Landgericht Landshut stellte das Verfahren gegen ihn auf Initiative von Verteidiger Thomas Fauth jetzt ein, nachdem die 27-Jährige inzwischen bereits zweimal wegen falscher Verdächtigung verurteilt wurde.

Im Prozess beim Amtsgerichts Freising war der Lagerist noch wegen gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichem illegalen Besitz von Waffen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit Strafaussetzung zur Bewährung verurteilt worden. Der 41-Jährige hatte nämlich, wie sein Strafregister auswies, bereits 16 Vorverurteilungen auf dem Kerbholz und deshalb auch schon einige Jahre hinter Gitter verbracht. Als „Brutalo“ war er während seiner kriminellen Karriere allerdings nicht aufgefallen – bis ihn seine ehemalige Lebensgefährtin beschuldigte, am 23. März 2014 eine brennende Zigarette auf ihrer rechten Brust ausgedrückt zu haben.

Vor der Strafrichterin beim Amtsgericht hatte der 41-Jährige den Vorwurf bestritten. Er habe an besagtem Abend eine Flasche Wodka intus gehabt und es sei in seiner Kellerwohnung zu einem Streit mit der damaligen Lebensgefährtin gekommen. Er habe sie dann „vor die Tür setzen“ wollen, gepackt und in Richtung Ausgang geschoben. Sie sei an der Treppe gestolpert und habe sich wegen Glasscherben ein paar Kratzer am Knie zugezogen. Mit einer brennenden Zigarette sei er nie auf sie losgegangen.

Wesentlich dramatischer hatte die 27-Jährige den Abend geschildert: Ihr Ex habe sie an diesem Tag aus dem Schwabinger Krankenhaus abgeholt und man sei in seine Wohnung gefahren, wo er sich mit Wodka volllaufen ließ. Dann sei es zum Streit und zu Handgreiflichkeiten gekommen, an Details könne sie sich allerdings nicht mehr erinnern, mit Sicherheit aber noch daran, dass der Lagerist eine brennende Zigarette an ihrer rechten Brust ausgedrückt habe. Die Freisinger Strafrichterin hatte an der Glaubwürdigkeit der 27-Jährigen keine Zweifel. In die von ihr verhängte Bewährungsstrafe einbezogen wurde auch noch die Verurteilung wegen illegalen Waffenbesitzes.

Gegen das Freisinger Urteil legte der Lagerist Berufung ein. Bei der Neuauflage vor der 5. Strafkammer des Landshuter Landgerichts brachte dann Verteidiger Fauth mit Blick auf die strafrechtliche Vergangenheit des vermeintlichen Opfers eine Verfahrenseinstellung ins Spiel. Den von Vorsitzendem Richter Richter Findl verlesenen Urteilen war zu entnehmen, dass die 27-Jährige bereits vor einigen Jahren einen Bekannten wegen einer angeblichen Vergewaltigung und später auch noch den Lageristen wegen Entführung anzeigte. Wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung – beide Männer wurden vorübergehend festgenommen – hatte sich die 27-Jährige in ihren Verfahren zunächst eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und dann eine Vollzugsstrafe von 15 Monaten eingehandelt.

Die Prozessbeteiligten kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass eine Verurteilung des Lageristen auf der Basis der Aussage seiner ehemaligen Lebensgefährtin nicht möglich sei. Das Verfahren wurde eingestellt.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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