Radldiebe kommen mit Bewährung davon

Eching - Dass mit den Fahrrädern im Auto der Männer etwas nicht stimmte, war dem Polizisten gleich aufgefallen. Bei der Verkehrskontrolle im Herbst behaupteten der Semmel-Ausfahrer (33) und sein Spezl (40), die Räder irgendwo abseits der Straße „gefunden“ zu haben. Im Prozess wegen besonders schweren Diebstahls vor dem Amtsgericht Freising blieben sie zunächst dabei.

Bei der Blasenentleerung am Straßenrand hätte die Polizei sie am 26. September überrascht, erinnerte sich der 33-Jährige. Auf dem Heimweg vom Oktoberfest in München habe es sie nach Eching verschlagen.

Zwei Mountainbikes und ein weiteres Herrenrad im Gesamtwert von damals rund 500 Euro hatten die Angeklagten aufgeladen. Alle drei Räder waren zuvor am Bahnhof in Eching gestohlen worden. Zumindest eines der Bikes war mit einer Kette gesichert. Da die in Ingolstadt lebenden Diebe das Schloss mit einem Bolzenschneider knackten, wurden sie wegen besonders schweren Diebstahl angeklagt. Die Höchststrafe beträgt zehn Jahre. Die Angeklagten bestanden darauf, die Räder keineswegs gestohlen zu haben. Den Polizisten, dem sie die Anklage zu verdanken hatten, beschuldigte der 33-jährige Angeklagte der puren Ignoranz: „Ich habe dem immer wieder gesagt, wir sind unschuldig.“ Das in etwa war der Zeitpunkt, da Richter Manfred Kastlmeier beschloss, den Prozess in neue Bahnen zu lenken: „Ihre Mandanten reden sich gerade um Kopf und Kragen“, erkundigte er sich nach der Strategie der beiden Verteidiger. Sie baten das Gericht um ein Gespräch. Nach kurzer Unterbrechung verkündeteKastlmeier das Ergebnis der soeben getroffenen Verständigung: Gegen ein umfassendes Geständnis würden beide Angeklagte mit Bewährungsstrafen davon kommen. Da der 40-Jährige unter offener Bewährungsaufsicht stand, sollte er zu maximal eineinhalb Jahren, sein nicht vorbelasteter Spezl zu neun Monaten verurteilt werden.

Besonders dem Älteren fiel es nicht leicht, sich auf die Absprache einzulassen. Nur widerwillig gestand er, die Räder mit seinem Spezl gestohlen zu haben. Das Gericht verhängte ein Jahr und drei Monate bzw neun Monate Bewährung. Beide Männer büßen zusätzlich mit zwei Monatseinkommen: 1100 bzw 2500 Euro. „Sie sind im richtigen Augenblick zurückgerudert“, begründete Kastlmeier seine Entscheidung.

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