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Seehofer sieht derzeit keinen Bedarf für dritte Startbahn

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Von: Manuel Eser

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Dichte Menschenmengen zwängten sich hinter das Absperrband: Nach Angaben der Polizei strömten 2000 Menschen auf das Sportgelände in Attaching, um Ministerpräsident Horst Seehofer zu empfangen. Was ihnen der Ministerpräsident mitteilte, sorgte für großen Beifall. © Lehmann

Attaching - Eine Entscheidung zur dritten Startbahn wollte der Ministerpräsident bei seinem Besuch in Attaching nicht treffen. Doch nach den heutigen Aussagen von Horst Seehofer dürfte die Zuversicht der von dem Großprojekt Betroffenen deutlich gewachsen sein.

Sein Name stand auf der Tür zur Schiedsrichter-Kabine: „Der Ministerpräsident kommt.“ Wer auch immer das gelbe Plakat dort angebracht hat – er hat Sinn für Symbolik. Denn schließlich ist Horst Seehofer so etwas wie der Schiedsrichter im zehnjährigen Tauziehen um den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen München. Zwar hat auch er nur eine Stimme im Landtag, aber es ist die maßgebliche.

Entsprechend viele Menschen waren heute Mittag auf das Attachinger Sportgelände geströmt. Sie quetschten sich hinter das Absperrband, und sie standen sogar bis zum Parkplatz. Die Polizei sprach von rund 2000 Besuchern, die sich zum Großteil Urlaub genommen hatten und dem Nieselregen trotzten. Sie bereiteten dem Ministerpräsidenten einen freundlichen Empfang. Zwar gab es für Seehofer keinen Defiliermarsch wie bei CSU-Heimspielen. Ein Pfeifkonzert, wie es sein Amtsvorgänger Günther Beckstein vor einigen Jahren in Freising erlebt hatte, blieb ihm aber erspart. Stattdessen sangen die Anwesenden die Bayernhymne. Deren Text: ein einziges großes Plädoyer für die Bewahrung der Heimat.

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Eindringlich waren auch die Appelle von Landrat Josef Hauner und Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. „Bitte verhindern Sie, dass die Ortsgemeinschaft in Attaching gespalten und zerschlagen wird, und sorgen Sie dafür, dass die seit zehn Jahren währende quälende Ungewissheit beendet wird“, sagte Hauner, und der OB fügte hinzu: „Diesen herzlichen Empfang mit Musik und Fahnenabordnungen, den Sie heute bekommen haben, wollen wir Ihnen gerne auch in Zukunft bereiten. Nehmen Sie die Sorgen der Bürger ernst!“

Das tat Seehofer. Ob Lärm, Abgase oder Heimatzerstörung – er hörte sich alle Argumente gegen die dritte Startbahn an. Und sie hinterließen beim Ministerpräsidenten Eindruck. „Für mich zählen nicht die Stärke von Lobbyisten oder irgendwelche Beziehungen, sondern nur die Argumente, und eure Argumente sind stark.“ Er sehe, dass es den Anwesenden um ihre Heimat gehe. „Und das ist ein Punkt, der mir wichtig ist.“

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Die wichtigste Frage sei für ihn jedoch, ob man die dritte Startbahn wirklich brauche. Und dann folgte ein Seehofer-Satz, der fast frenetischen Beifall auslöste: „Ziehen Sie nicht zu euphorische Schlüsse, aber wenn ich auf die Zahl der Flugbewegungen schaue, muss ich feststellen, dass sich die Notwendigkeit einer  dritten Startbahn nicht ergibt.“

Der Ministerpräsident kündigte an, für sich in den nächsten drei bis vier Wochen eine Entscheidung zu treffen. Er wolle allerdings FMG und Lufthansa noch die Möglichkeit geben, ihre Argumente vorzubringen. „Aber von denen, die die Startbahn befürworten, muss deutlich mehr gebracht werden als bisher.“

Seehofer verabschiedete sich von den Versammelten mit den Worten, dass Hartmut Binner immer, wenn er mit ihm zusammenkomme, das letzte Wort habe. Und was sagte der Sprecher von Aufgemuckt: „Meine großen Hoffnungen haben sich weiter vervielfältigt.“

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