Berufung vor dem Landgericht Landshut

Softwarelücke in Spielautomaten ausgenutzt - Freispruch

Wang - Den Softwarefehler eines Roulette-Automaten haben zwei Spieler ausgenutzt, um Geld zu gewinnen. Doch die beiden Täter wurden geschnappt - und einer von ihnen freigesprochen.

Der Trick, wie man seinem Glück an einem Roulette-Automaten nachhelfen kann, hatte vor einem Jahr via Facebook die Runde gemacht. Bei einem 46-jährigen Familienvater aus Erding und seinem 40-jährigen Spezl aus Nandlstadt klingelte die Kasse, jedoch war die Freude über den Gewinn nur von kurzer Dauer: Beide landeten wegen versuchten Betrugs auf der Anklagebank.

Das damals arbeitslose Duo hatte in den frühen Morgenstunden des 14. Februar 2014 eine Spielhalle im Gewerbepark Spörerau in Wang aufgesucht und sich dort den Roulette-Geldspielautomaten vorgenommen. Dabei bedienten sie sich einer Anleitung, die zuvor auf Facebook die Runde gemacht hatte. Das Ergebnis: Der Automat spielte weiter und zeigte ständig Gewinne an – zuletzt knapp 3000 Euro. Allerdings wurde das Geld vom Automaten nicht bar ausbezahlt, sondern es gab nur „Empfangsbestätigungen“. 

Als die beiden Spieler diese Scheine am 17. Februar einlösen wollten, wurde ihnen die Auszahlung verweigert. Der Trick war längst aufgeflogen. Statt Bares flatterte dem Duo eine Anzeige wegen versuchten Betrugs ins Haus. Zu einer Geldstrafe von 1075 Euro wurde der als „treibende Kraft“ eingestufte Nandlstädter vom Amtsgericht Freising verurteilt (er hat das Urteil angenommen), zu 900 Euro der Erdinger, der als „Mitläufer“ betitelt worden war.

Mit dem Trick war es unmöglich, zu verlieren

Letzterer ging nun in die Berufung. Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Landshut erklärte sein Verteidiger Peter Labus, dass sein Mandant zwar einräume, mit der Internet-Anleitung gespielt und dabei die Gewinne erzielt zu haben, sich aber keinerlei schuldhaften Verhaltens bewusst sei: „Es war legal, die Softwarefehler des Automaten auszunutzen.“ Die Erdinger Kripo hatte ermittelt, dass die beiden Arbeitslosen durch die Automatenbedienung zwar dem „normalen Spielablauf“ widersprochen haben und es mit dem Trick praktisch unmöglich gewesen sei, Verluste zu erzielen, andererseits sei die Gebrauchsanleitung per Facebook verbreitet und dazu sogar ein Video geliefert worden. 

Für die Automatenaufsteller habe es einen Tag vor dem Auftritt der Beiden sogar eine Warnmeldung, mit der auf die Lücke im System aufmerksam gemacht worden sei, gegeben. Diese Feststellung sicherte dem 46-Jährigen den Freispruch, nachdem die Prozessbeteiligten bereits zuvor rechtliche Bedenken hatten, ob das Ausnutzen eines offensichtlichen Softwarefehlers strafrechtlich überhaupt relevant ist.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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