Daumen hoch für zwei, die etwas Außergewöhnliches verbindet: Vincent Kammerloher (25, l.) und Markus Kaufmann (29, r.) haben sich erst einmal im Leben gesehen – und fühlen sich schon wie Brüder.

Stammzellenspende

Leukämiekranker Freisinger trifft seinen Retter: Blutsbrüder

Wolfersdorf - Er war für ihn da, als er ihn am Dringendsten brauchte: Vincent Kammerloher hat zweieinhalb Jahre nach seiner Krebserkrankung den Menschen getroffen, der sein Leben gerettet hat.

Vincent Kammerloher hat den Krebs besiegt. Eine Stammzellenspende seines genetischen Zwillings hat ihm das Leben gerettet. Seit zweieinhalb Jahren ist er gesund. Am vergangenen Wochenende nun hat er zum ersten Mal den Menschen getroffen, dem er das Wertvollste überhaupt zu verdanken hat: sein Leben. Im FT-Interview erzählt Vincent vom bewegenden Moment der ersten Begegnung und vom wunderbaren Gefühl, einem eigentlich völlig Fremden richtig nahe zu sein.

Du hast deinen genetischen Zwilling endlich getroffen. Wie war’s?

Es war unbeschreiblich emotional, das kann sich keiner vorstellen. Dafür gibt es eigentlich keine Worte. Dem Menschen, dem du dein Leben zu verdanken hast, zum ersten Mal gegenüber zu stehen – das ist einfach nur Wahnsinn.

Wer hat das Treffen organisiert?

Die Stefan-Morsch-Stiftung, die am vergangenen Wochenende mit einer großen Gala mit 400 geladenen Gästen und einem großen Spender-Empfänger-Treffen in Birkenfeld ihr 30-jähriges Bestehen feierte.

Markus Kaufmann, dein Spender, und du, ihr hattet ja davor schon öfter telefoniert. Hattet ihr sofort eine gemeinsame Basis?

Für immer verbunden: Vincent Kammerloher und Markus Kaufmann.

Ja. Voll. Da gab es keine peinlichen Pausen, wir waren sofort auf der selben Wellenlänge. Wir haben nie groß nach irgendeinem Thema suchen müssen. Es gab einfach so viel zu erzählen.

Wie genau ist das erste Kennenlernen abgelaufen?

Astrid Mohr von der Stiftung hat meine Eltern und mich vom Bahnhof abgeholt und uns ins Hotel gebracht. Markus und dessen Eltern sind mit dem Auto angereist und waren noch nicht da. Wir mussten also eine halbe Stunde warten. Ich hab’ ständig auf die Uhr geschaut, war tierisch nervös. Dann hab’ ich ihn durchs Fenster gesehen und wusste, in drei Sekunden steht er vor mir. Ich bin ihm entgegengelaufen, wir haben uns umarmt und erstmal drei Minuten lang nicht losgelassen. Danach hat er meine Eltern und ich habe seine Eltern begrüßt. Es war sehr bewegend, unvergesslich.

Die anderen Spender-Empfänger-Pärchen durften sich also auch erstmal beschnuppern vor der großen Gala?

Nein, da waren wir so ziemlich die einzigen. Viele sind erst am Samstag angereist. Die Stiftung hat ein erstes Zusammentreffen am Samstag geplant. Aber wir haben uns das nicht nehmen lassen. Ich wollte den Menschen, dem ich so viel zu verdanken habe, nicht nur ein paar Stunden sehen. Die Stiftung hat dann für Freitag gleich noch einen Interviewtermin für uns ausgemacht, es gab einen Videodreh für die Landesschau SWR Rheinland-Pfalz. Am Abend wurde dann mit allen, die schon angereist waren, an einem See gegrillt.

Markus und du: Wie ähnlich seid ihr euch?

Ich würde mal sagen: Bei uns gibt es eine 90-prozentige Übereinstimmung. Er kann genauso viel Schmarrn reden wie ich und herzlich darüber lachen, er ist genauso sportbegeistert wie ich. Das Wesen und das Blut liegen offenbar nicht so weit auseinander. Das einzige Problem: Er ist Dortmund-Fan, ich Bayern-Fan. Aber das kriegen wir hin.

Und wie sah das bei den anderen Spender-Empfänger-Pärchen aus? Hatten die sich auch so viel zu sagen?

Wir haben die beobachtet. Für die meisten war die Sprachbarriere zu hoch. Es waren kaum Patienten aus Deutschland da, mehr aus Russland, England, Amerika. 

Er hat dir ein zweites Leben geschenkt. Wie bedankt man sich dafür?

Ich hab’ ihm ein Fotoalbum mitgebracht mit Bildern von meiner Kindheit bis heute. 42 Fotos: mein erstes Lachen, die ersten Schritte, meine erste Lederhose, der erste Schultag, meine Erstkommunion und so weiter. Und am Volksfest hab’ ich ihm zwei Glubberl machen lassen: Eines mit Blutsbruder (ich hab dasselbe) und eines mit Lebensretter. Er hat sich richtig gefreut.

Wie war  der Moment für eure Eltern?

Markus’ Mama hat mich umarmt und so geweint. Papa hat versucht, mit der Kamera alles einzufangen. Total emotional, berührend. Es war für unsere Eltern, die sich blendend verstehen, wie das Treffen mit dem verlorenen Sohn.

Kannst du die Dankbarkeit Markus gegenüber in Worte fassen?

Als ich das Fotoalbum gemacht habe, ist mir klar geworden, dass es einen ziemlich großen Teil der Bilder nicht geben würde, wenn er nicht gespendet hätte. Und das sind ziemlich tolle Sachen auf den Fotos – meine Freundin beispielsweise. Wie soll man sich dafür angemessen bedanken? 

Wie seid ihr auseinandergegangen?

Wie zwei Freunde, die sich am nächsten Tag im Sandkasten wieder treffen. Nicht melancholisch, sondern im Vertrauen und der Gewissheit, dass wir uns wiedersehen. 

Ist was Konkretes geplant?

Vielleicht komm’ ich zum Auswärtsspiel Dortmund gegen Bayern. Es gibt kein geileres Stadion als den Signal-Iduna-Park. Dann werd’ ich ihm zeigen, dass Dortmund zu Hause verlieren kann. Markus will mich dazu bringen, Hochdeutsch zu sprechen, aber das kann er vergessen. Dafür hab’ ich ihm schon ein paar Wörter Bayerisch beigebracht. Wir telefonieren natürlich regelmäßig. Einfach so. Erst gestern wieder.

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