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Beete, Gewächshäuser, eine Hütte und Flächen für Obstbäume auf rund 7500 Quadratmetern: Das ist der Kreislehrgarten.

Kreislehrgarten in Adelshofen

Das ist die Schule der Hobby-Gartler

Adelshofen – Welche Obstbaumsorten wachsen auf heimischem Boden besonders gut? Wie schneidet man einen Obstbaum richtig zu? Antworten auf all diese Fragen bekommen Hobby-Gartler im Kreislehrgarten in Adelshofen.

Tritt ein, bring’ Wasser herein: eines der Gewächshäuser.

 „Wir wollen Freizeitgärtnern das naturnahe Gärtnern mit lokalem Bezug näherbringen“, sagt Horst Stegmann, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt. Er hat die rund 7500 Quadratmeter große Fläche an der Drosselstraße 17 unter seinen Fittichen. Dort gibt es neben einem Gewächshaus, Beeten und einem Bienenstand vor allem Obstbäume. Auf denen legt nämlich der Schwerpunkt des Kreislehrgartens. Mit rund 100 verschiedenen Obstsorten wird hier die ganze Vielfalt des Obstanbaus gezeigt.„Wir können hier die praktische Erfahrung vertiefen und neue Sorten ausprobieren“, sagt Stegmann. So lässt sich ermitteln, welche Obstbäume in der Region gut wachsen können. Für den kompletten Landkreis repräsentativ sei das freilich nicht, sagt Stegmann. „Es gibt im Landkreis natürlich Unterschiede in der Qualität der Böden.“

Finanzielles und Pflege sind große Herausforderungen

Wie der Name schon sagt, ist aber natürlich die Bildungsarbeit die Hauptidee hinter dem Kreislehrgarten, der 1995 seine erste Bepflanzung erfuhr (siehe Kasten). Neben Führungen über das Areal besuchen auch manchmal Kinder im Rahmen des Ferienprogramms den Garten und lernen dort viel über die Gärtnerei, Schädlinge und deren Bekämpfung.

Die Pflege der Obstbäume wird oft auch gleich mit der praktischen Ausbildung von erwachsenen Hobby-Gärtnern verbunden. So gibt es zum Beispiel immer wieder Baumschneidekurse. Aber das reicht natürlich nicht aus, um die große Fläche auf Vordermann zu halten. Deshalb helfen darüber hinaus regelmäßig drei Gartenpfleger aus dem Moorenweiser Gartenbauverein bei den Baumschnittarbeiten. Aber auch die anderen Gartenbauvereine im Landkreis sind bei jährlich vier Pflegeeinsätzen gut beschäftigt. Der Adelshofener Georg Kleefeld übernimmt das Mähen des kompletten Geländes.

Die Beete, darunter auch ein Hochbeet, werden im Rahmen von Patenschaften vergeben. „Die Paten bauen auf den Flächen nach eigenem Wunsch an“, sagt Stegmann. Auch er selbst hat eine Fläche übernommen und bewirtschaftet außerdem ein Gewächshaus.

Der Gemüseanbau erfüllt auch einen lehrreichen Zweck. „Man bekommt Vergleichsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Sorten.“ So ließen sich etwa Schädlingsresistenzen erkennen.

Der Zucchini geht es gut: Horst Stegmann an einem der Beete im Kreislehrgarten.

Pflege und Erweiterung des Areals gestalten sich nicht immer einfach. Zwar wurden mit einem Hochbeet und einem Brotbackofen zuletzt neue Angebote geschaffen. Doch die Nachwuchsprobleme vieler Gartenbauvereine schlagen auch auf den Lehrgarten durch. Dadurch ist die Zahl der ehrenamtlichen Helfer begrenzt. „Die Anfangsidee, den Lehrgarten intensiver zu betreiben, ist nicht möglich“, sagt Stegmann, der selbst nur rund 20 Prozent seiner Arbeitszeit am Landratsamt für das Areal in Adelshofen aufbringen kann.

In ganz Bayern gibt es nur 17 solcher Einrichtungen

Und auch die finanzielle Situation ist nicht immer rosig. Zwar fließt ein Teil der Mitgliedsbeiträge der Gartenbauvereine (7200 Euro) in den Kreislehrgarten, und der Landkreis gibt einen Zuschuss von 5100 Euro. Doch muss auch das Gebäude auf dem Areal noch abbezahlt werden. Selbst die je rund 1000 Euro, die durch Gartenfeste und Saftverkauf eingenommen werden, lassen keine optimale Pflege des Areals zu. „Dennoch haben wir hier Bleibendes geschaffen“, sagt Stegmann.

Es laufen Überlegungen, wie man die Pflege sicherstellen kann. Schließlich hat der Landkreis damit eine nicht alltägliche Einrichtung. Denn in ganz Bayern gibt es derzeit nur 17 Kreislehrgärten. Horst Stegmann: „Wir kämpfen darum, dass sich der Kreislehrgarten auf einem guten Niveau hält.“

Bei Kursen lernen Gartler, wie sie Obstbäume richtig und ertragbringend schneiden.

Blick in die Historie

Im November 1995 wurde quasi der Grundstein für den Kreislehrgarten gelegt. Damals wurde für die Randeingrünung eine heimische Baum- und Strauchhecke gepflanzt. Doch um der Historie des Kreislehrgartens gerecht zu werden, muss man einen Blick noch weiter zurück in die Vergangenheit werfen.

Ursprünglich gab es seit dem Ende des Ersten Weltkriegs nämlich auf dem Grundstück in Fürstenfeldbruck, auf dem 1973 das Landratsamt eingeweiht wurde, den Bezirksgarten. Der war für seine Neuzüchtungen von Dahlien, Primeln und Ritterspornen über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Allerdings wurde er bereits 1957 wieder aufgelöst. Im Kreisverband für Gartenbau und Landespflege wurden schließlich Überlegungen wach, an diesen Bezirksgarten mit einem Kreislehrgarten anzuknüpfen. Wegen der erheblichen Kosten für ein benötigtes Grundstück, blieb dies jedoch lange ein Wunschtraum. Den Durchbruch gab es schließlich im Jahr 1994, als die Gemeinde Adelshofen sich bereit erklärte, das Areal an der Drosselstraße für diesen Zweck zu verpachten. Nach der Pflanzung der Eingrünung wurde der Lehrgarten in den Jahren 1996 und 1997 um die Obstbäume erweitert.

Von Anfang an war klar, dass zum Betrieb des Gartens ein Betriebs- und Lehrgebäude nötig ist. Nur durch großzügige Zuschüsse insbesondere des Landkreises und mit Hilfe von viel Eigenleistung konnte dieses Gebäude – und damit der Kreislehrgarten – am 2. Oktober 1999 offiziell eingeweiht werden. Im September 2001 wurde in dem Gebäude eine Mosterei samt Pasteurisier- und Abfüllanlage untergebracht, in der seitdem Obstsaft gepresst

Informationen zum Kreislehrgarten und zu den Kursen und Infoveranstaltungen gibt es auf www.garten-ffb.de.

von Andreas Daschner

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