Metzgermeister Engelbert Jais schaut seinen Lehrlingen beim Schneiden der Rinderhüftsteaks über die Schulter. Die Azubis Julian Zacherl und Simon Dittrich (r.) gehen schon am ersten Tag auf Tuchfühlung mit dem Produktionsprozess. foto:akk

Da strahlt der Metzger: Zwei Lehrlinge auf einen Streich!

Luttenwang – Metzgermeister und Innungsobermeister Engelbert Jais hat heuer das große Los gezogen: „Ich habe zwei Lehrlinge gefunden, die das Metzgerhandwerk in meinem Betrieb lernen wollen und beide sind hoch motiviert“, freut er sich.

Sein letzter Lehrling ist vor sechs Jahren mit seiner Ausbildung fertig geworden – seither suchte er händeringend Nachwuchs.

So wie Jais geht es den meisten der 24 Metzger im Landkreis: Jugendliche, die ihr Handwerk erlernen wollen, sind Mangelware. „Und im Verkauf schaut es nicht besser aus.“ Im Landkreis starten 2016 grade mal drei Metzgerlehrlinge ihre Ausbildung. In ganz Oberbayern sind es knapp 20.“

Einer, der aus echter Überzeugung dabei ist, ist der Mammendorfer Simon Dittrich. „Ich wollte seit meiner Kindheit Metzger werden“, sagt der 16-Jährige. Er hat ein großes Ziel: „Später will ich den Metzgermeister machen und dann selbst einen Betrieb leiten.“ Sein Realschulabschluss sei eine Absicherung, falls er den Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben könne. Der frühe Arbeitsbeginn um 6 Uhr stört Simon nicht: „Dafür habe ich früher Feierabend und tagsüber mehr Freizeit.“

Auch Julian Zacherl aus Langwied bei Moorenweis schreckt frühes Aufstehen nicht. Er kommt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, den er später übernehmen will. „Ich finde es gut, dass ich dann später eigene Hausschlachtungen machen kann“, meint der 15-Jährige. Außerdem kocht er gern Fleischgerichte und hält sich auf dem elterlichen Betrieb drei Schweine für den Eigengebrauch. Für den Betrieb von Jais haben sich die Burschen entschieden, weil die Landmetzgerei eine große Auswahl an Wurstwaren produziert. „Und weil die Chefs sehr nett sind und Wert auf Qualität und regionale Vermarktung gelegt wird.“

Engelbert Jais und sein Stellvertreter Bernhard Huber aus Jesenwang hoffen, dass der Beruf des Metzgers oder der Fleischereifachverkäuferin künftig wieder mehr Interesse bei Schulabgängern findet. Fertige Gesellen fänden jederzeit eine Stelle und könnten eine Familie ernähren. Wie etwa Jais’ Ex-Lehrling Alexander Hiel. „Er ist heute Leiter des Brucker Schlachthofes.“ Und dann gibt es noch einen Metzger der Liebe wegen. Dem Verehrer seiner Tochter erklärte Jais rundheraus: „Die Katrin kriegst du nur, wenn du Metzger lernst und meinen Namen annimmst.“ Inzwischen ist der Ex-IT-Techniker Thomas Jais sein Schwiegersohn und Filialleiter in Olching. Kürzlich kam das zweite Enkelkind. (akk)

Trauriger Rekord

Betriebe im Landkreis haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. 346 Lehrstellen waren kurz vor dem 1. September, dem Beginn des Ausbildungsjahres, noch frei – ein trauriger Rekord. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der unbesetzten Stellen um 11,3 Prozent zugenommen. Das sind 35 Stellen, so die Statistik der Arbeitsagentur. Insgesamt wollten die Firmen in der Region heuer 815 Lehrlinge einstellen. Sprich: Rund 40 Prozent der Ausbildungsplätze sind unbesetzt. Einen Grund dafür sieht Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bruck, in den stagnierenden Schulabgängerzahlen: Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Insgesamt traten mit Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. September 296 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Kreis an

Wer eine Lehrstelle sucht

kann sich auch jetzt noch bei der Kreishandwerkerschaft melden, Tel. (0 81 41) 920 84.

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