Der Firma Rappenglitz wird’s in Gernlinden-Ost zu eng: Die Inhaber wollten um eine Lagerhalle erweitern. Foto: Weber

In Gernlinden

Ärger mit Nachbarn: Firma denkt an Wegzug

Gernlinden – Paukenschlag in Gernlinden-Ost: Wegen Ärger mit ein paar Nachbarn will die Messebau-Firma Rappenglitz ihre geplante Erweiterung dort nicht mehr weiterverfolgen. Doch das Unternehmen braucht dringend mehr Platz – und müsste notfalls wegziehen. Das will der Maisacher Gemeinderat verhindern.

Der Familie Lex, Inhaber von Rappenglitz, war heftiger Widerstand einiger Nachbarn entgegengeschlagen. Es hatte sich eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, die mit Klage drohte. Befürchtungen waren, dass die dort Wohnenden mehr Lärm und Verkehr ertragen müssten, zudem war von einer Zersiedlung der Landschaft die Rede. Der Streit eskalierte vor Ostern in einer Infoveranstaltung der Gemeinde, in der sehr emotional und teils unsachlich diskutiert wurde.

Es folgten E-Mails der Bürgerinitiative an Gemeinderatsmitglieder und Gernlindner. Das brachte das Fass zum Überlaufen, wie Michael Lex sagt: „Wir müssen unsere Energie in unser Geschäft stecken. Wir wollen nicht Monate mit Streiten verschwenden.“ Die Firma brauche Sicherheit. Deswegen liegen die Erweiterungspläne am Standort an der Palsweiser Straße auf Eis – und die Gemeinde hat die auf den Weg gebrachte Änderung des Flächennutzungsplans gestoppt.

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) berichtete dem Gemeinderat am Donnerstagabend von der Entscheidung der Firma, die ein guter Gewerbesteuerzahler ist: „Die Familie Lex sieht keine Basis mehr an diesem Standort.“ Aber man habe ihr ein anderes Areal in der Großgemeinde angeboten. Der Vorschlag der Verwaltung wurde anschließend in nicht-öffentlicher Sitzung diskutiert und vom Gemeinderat für gut befunden. Es gehe um eine Fläche in einem Gewerbegebiet, sagte Seidl dem Tagblatt. Ein Großteil der Fläche gehöre der Gemeinde. Durch einen zusätzlichen Grundstückstausch wäre das Areal groß genug für die Firma. Das Gebiet sei überplant, es könnte also sehr schnell gehen, wenn die Familie Lex das wolle.

Man möchte in Maisach bleiben, betont Michael Lex, der den Betrieb mit seinen Eltern Rainer Lex und Barbara Rappenglitz-Lex führt. Von den rund 70 Mitarbeitern kommt etwa die Hälfte aus der Gemeinde. Das Unternehmen wurde 1947 am Ort gegründet. „Es wäre unser Wunsch, in Maisach zu bleiben. Aber wir müssen natürlich prüfen, ob und wie ein Umzug finanzierbar wäre.“

Klar ist: Rappenglitz hat seit etwa zehn Jahren Platzprobleme. Derzeit gibt es sechs Außenlager, vier davon sollen in den Hauptstandort integriert werden. Das reduziere den Lieferverkehr und sei wirtschaftlicher, sagt Michael Lex. Er weiß im Moment nicht, wie es weitergeht: „Wir müssen uns neu orientieren.“ Er betont, dass Gemeinderat und -verwaltung „uns sehr unterstützt haben“.

Der Gemeinderat war enttäuscht vom Ton der Bürgerinitiative. „Da sind Sachen unter der Gürtellinie gelaufen“, sagte Vize-Bürgermeister Roland Müller (CSU). „Das war fast schon Rufschädigung.“ Peter Aust (UB) sprach von „Neid und Missgunst eines Einzelnen“.

Der BI-Sprecher feierte den Stopp der Erweiterung am Freitag als Sieg: „Wir haben unser Ziel schnell erreicht.“

Der Streit dreht sich um ein Außengebiet. Früher waren dort viele landwirtschaftliche Anwesen, die dann im Laufe der Zeit in Firmen- und Wohngebäude umgenutzt wurden. Das wurde und ist weiterhin geduldet – solange der Bestand nicht verändert wird.

Für die Erweiterung des Messebauers wollte der Gemeinderat einen Teil des Außengebiets zum Mischgebiet machen. Dann hätte Rappenglitz eine Lagerhalle bauen können. Auf einer Sonderfläche wäre aber nur Messebau zugelassen gewesen, so dass sich nicht andere, lautere Firmen ansiedeln können. Zudem wäre dann das (derzeit eingeschränkte) Baurecht für andere Grundeigentümer endlich geregelt gewesen.

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