Zuzug

Junges Alling könnte schnell überaltern

Alling – Alling ist gemessen am Alter der Einwohner noch eine relativ junge Gemeinde, aber das wird sich ändern. Dies war eine der Kernbotschaften eines Statistikers, der dem Gemeinderat eine Bevölkerungsprognose bis 2035 vorstellte.

In dem Bericht war besonderes Augenmerk auf die Senioren gelegt worden. Ein Ergebnis: Besonders bei einer theoretischen Null-Wanderung – es gäbe weder Zu- noch Fortzügler – würde der Ort rasch überaltern.

Die Präsentation war der zweite Teil eines Demographieberichts, den der Statistiker Christian Rindsfüßer im Auftrag der Gemeinde ausgearbeitet hatte. Der erste Teil hatte sich mit den zu erwartenden Kinderzahlen und den notwendigen Kapazitäten in den Tagesstätten beschäftigt.

Noch sind es die Alten und Älteren, die Alling verlassen. Erst bei den über 50-Jährigen und besonders bei den Menschen im Rentenalter übertraf die Zahl der Fortzüge in den vergangenen drei Jahren die der Zuzüge. In ihrer zweiten Lebenshälfte orientieren sich demnach viele bisherige Allinger noch einmal neu – entweder freiwillig, um anderswo einen Altersruhesitz zu beziehen, oder weil sie pflegebedürftig werden und es kein Heim in der Gemeinde gibt.

Umgekehrt ist es bei Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Eltern nach Alling ziehen oder eben wegziehen. Zuletzt kamen fast doppelt so viele Unter-18-Jährige, als den Ort verließen – ein Indiz dafür, dass die Neubaugebiete vor allem junge Familien anziehen.

Verglichen mit dem Landkreis-Durchschnitt sind die Senioren noch unterrepräsentiert. Die Altersgruppe zwischen 50 und 64 ist aber prozentual schon stärker als im Fürstenfeldbrucker Mittel.

In 20 Jahren dürfte das Verhältnis wesentlich anders aussehen. Die Zahl der über 80-Jährigen wird nach Rindsfüßers Prognose um 80 Prozent zunehmen. In dem allerdings unwahrscheinlichen Fall, dass sie alle in Alling bleiben, sogar um weit mehr als das Doppelte. Und angesichts der durchschnittlichen Lebenserwartung im Landkreis – bei Frauen mit 84,4 Jahren die zweithöchste in Oberbayern, bei Männern (80,1) die sechsthöchste – würden viele von ihnen noch viele Jahre im Ort bleiben können.

Womit sich die Frage nach dem Pflegebedarf und der entsprechenden Versorgung stellt. Schon heute haben, wenn man die Landkreis-Zahlen auf Alling herunterrechnet, 69 Bürger Anspruch auf und Bedarf an Pflegeleistungen aller Art, vom einfachen Pflegegeld bis zur vollstationären Unterbringung. Im Jahr 2035 könnten es mehr als 100 sein.

Ein Seniorenheim zusammen mit einem Nachbarort?

Jeder Dritte, so die Schätzung, braucht ständige Betreuung, die Angehörige oder eben ein Heim liefern müssen. Das wären in 20 Jahren rund 35 Menschen, also zu wenige, um ein Heim wirtschaftlich betreiben zu könne. Der Statistiker hielt es darum für naheliegend, „was mit den Nachbarn zusammen zu machen“.

Das aber ist im Falle Allings schwierig. Die Kommunen ringsum sind alle relativ gut versorgt. Auch eine Wohngemeinschaft etwa für Demenzkranke in einem aufgelassenen Bauernhof, wie sie Rindsfüßer als Beispiel für alternative Wohnformen im Alter brachte, steht in Alling nicht ganz vorne auf der Prioritätenliste.

Der Gemeinderat nahm die Präsentation mit Interesse aber ohne weitere Debatte zur Kenntnis. Bürgermeister Frederik Röder (CSU) verwies nur auf bestehende Einrichtungen wie Seniorenbeirat und Seniorenzentrum der Nachbarschaftshilfe oder künftige wie das von der Gemeinde unterstützte seniorengerechte Wohnen im Allinger Süden und meinte: „Gefühlt tun wir ja schon eine ganze Menge.“ (op)

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