In Germering

Alter Postwirt wird abgerissen

Germering - Das ehemalige Posthalterhaus in der Salzstraße, eines der wenigen historischen Gebäude der Stadt, wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz.

Das Gebäude am westlichen Ende der Salzstraße war früher einmal Poststation. Einer der Posthalter war der Großvater von Carl Spitzweg, der berühmte Maler kann deswegen eng mit der Stadt verbunden werden. Unter Denkmalschutz steht das von außen herunter gekommen wirkende Gebäude aber nicht. Jetzt will es der Eigentümer, CSU-Stadtrat Paul Wunderl, abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Stadtbaumeister Jürgen Thum stellten die Pläne der Bauvoranfrage im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss vor. Das Haus ist nicht denkmalgeschützt, weil es laut Thum im und am Gebäude wenig historische Bausubstanz gebe.

Es sei zu oft umgebaut worden. Er habe jedenfalls bei einer Ortsbegehung nichts von Bedeutung entdecken können. Denkbar sei allerdings, dass man unter dem einzig noch zugänglichen Kellergewölbe ein weiteres finde, so Thum. Alten Plänen zufolge müsse es jedenfalls noch eins geben. Wenn das Haus abgerissen wird, werde man dort auf jeden Fall noch nach Bodendenkmälern suchen müssen. Der geplante Neubau soll Größe und Form des aktuellen Hauses haben.

Die notwendigen Stellplätze werden mit einer Tiefgarage geschaffen, Ein- und Ausfahrt befinden sich im Norden des Hauses. Der Neubau soll im Gegensatz zum Bestand um einen Meter nach Osten verschoben werden. Damit, so Thum, werde die jetzt schwierige Situation für Busse, die die Kurve am Ende der Salzstraße umfahren, entschärft. Die Bauvoranfrage war im Ausschuss nur vorgestellt worden, weil es sich um ein Vorhaben von öffentlichem Interesse handelt. Seitdem Germering als Große Kreisstadt auch als Untere Bauaufsichtsbehörde tätig ist, müssen Bauvorhaben, die die Vorgaben des Baugesetzbuches erfüllen, nicht mehr von den Stadträten genehmigt werden. Der Bauausschuss nahm die Voranfrage deswegen nur zur Kenntnis.

Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl hat die Geschichte der ehemaligen Poststation in einer kurzen Dokumentation erfasst. Darin stellt er fest, dass das spätere Wirtshaus „Zur Post“ als „Tavern“ erstmals 1577 beschrieben wurde. Es handelt sich demnach schon damals um einen zweistöckigen Steinbau mit zwei Kellern und zwei Stallungen für jeweils 50 Pferde. Der erste bekannte Wirt ist um 1600 Veit Sedlmayr. Im Jahr 1810 wurde die Poststation in Unterpfaffenhofen errichtet. Es gab sie bis zum Jahr 1870.

Die spätere Wirtschaft gibt es seit über 400 Jahren

Diese Postkarte zeigt den alten Postwirt. Sie stammt aus der Zeit zwischen 1895 und 1910.

In diesem Jahr wurde die „Postomnibus-Verbindung München- Landsberg“ auf dieser Strecke eingestellt. Großvater und Onkel des Malers Carl Spitzweg waren Guckenbiehl zufolge Posthalter in Unterpfaffenhofen. Die letzten Wirte, Josef und Josefa Ruhdorfer, gaben 1960 den Gasthausbetrieb auf. Baupläne der alten Posthalterstelle sind Guckenbiehl zufolge nur in geringem Umfang vorhanden. Der älteste stammt aus dem Jahr 18577 – er wurde wegen eines damals geplanten Anbaus erstellt.

Anlässlich des Kanalanschlusses wurde 1983 ein Grundrissplan des Kellers mit Erdgeschoss eingereicht. Ein Vergleich beider Pläne lässt laut Guckenbiehl lediglich Rückschlüsse auf Umbauten zu. Welche Bauteile aber wirklich noch aus dem historischen Bestand stammen, könne nur am Objekt selber geklärt werden. Die Tatsache, dass das Gebäude zwei Keller hat, geht aus der Beschreibung aus dem Jahr 1577 hervor. In den Umbauplänen von 1857 sei aber nur noch die Verbindung der zwei Kellergewölbe erkennbar.

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