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Konstantin Wecker (l.) trat gemeinsam mit (v.l.) Roger Stein, Cynthia Nickschas und Prinz Chaos II auf.

SPD lädt Konstantin Wecker

Klare Worte beim Abend der Liedermacher

Fürstenfeldbruck - Zustimmendes Nicken, lautes Gelächter, betroffenes Schweigen im Publikum: Der Abend der Liedermacher provozierte sämtliche Emotionen. Konstantin Wecker und die anderen Künstler positionierten sich politisch klar. Gegen rechts. Gegen Krieg.

Am Ende stimmte Konstantin Wecker – hellblaues Hemd, auffällige Brille, rostrote Hose – ein ganz bestimmtes Lied an. Ein Lied, das mancher Besucher vielleicht schon vor 26 Jahren mitgesungen hat. Ein Lied, das heute aktueller ist denn je. Sage nein, heißt der Titel. „Sage nein, wenn sie jetzt ganz unverhohlen wieder Nazi-Lieder johlen, über Juden Witze machen, über Menschenrechte lachen.“

Das war seine Botschaft. „Ich habe Angst, dass Europa faschistoid wird“, so der Münchner Liedermacher. Und: „Deutschland ist Waffenexporteur. Wir gießen immer wieder Öl ins Feuer im Nahen Osten“, sagte Wecker bei der Veranstaltung, die die Kreis-SPD statt eines politischen Aschermittwochs organisiert hatte.

Im Publikum? Zustimmendes Klatschen. Auch die anderen Künstler, auffällig vor allem die junge Cynthia Nickschas mit der Whiskey-Stimme, begleiteten die Songs. Denn aus dem Auftritt im Stadtsaal machte Wecker keine One-Man-Show.

Überraschungs-Gast

Im Gegenteil: Neben dem gebürtigen Eichenauer Prinz Chaos II. (Gesang, Kabarett, Gitarre), Roger Stein (Gesang, Klavier), Weckers langjährigem Begleiter Jo Barnikel (Klavier) und dem niederbayerischen Liedermacher Cristoph Weiherer lud der Künstler klammheimlich noch eine besondere Person ein: Die Liedermacherin Sarah Lesch. Sie sollte sich statt seiner zu den Übergriffen in Köln äußern. Dazu hatte sie einen Text geschrieben, den Wecker online entdeckt hatte. „An alle, die heute auf die Straße rennen, weil ’Flüchtlinge’ Gewalt gegen Frauen verübt haben an Sylvester“, las sie von einem Zettel.

Sie sei unter Sexisten aufgewachsen, seelisch und körperlich vergewaltigt worden. Von Menschen mit anderer Nationalität, von Deutschen. „Ihr wollt anfangen ’unser Land’ aufzuräumen? Na dann los! Es gibt viel zu tun. Fangt mal bei euch selbst an!“ Ihre Botschaft: Kein Mensch ist weniger wert als der andere. „Ist ein -ling genauso viel wert, wie deine Mutter, wie dein Nachbar?“ fragte sie mit weicher Stimme. „Wenn das klar ist, ist alles klar.“ Und Wecker ergänzte: „Wenn jemand sagt, das Boot sei voll – denkt mit dem Herzen.“ 

Politische Spitzen

Die Aufgabe, die nachdenkliche Stimmung wieder aufzulockern, meisterte im Anschluss Liedermacher Christoph Weiherer. Mit wehenden Haaren beschwerte er sich darüber, dass man an der Supermarkt-Kasse zu oft nach der Postleitzahl gefragt werde und machte sich über Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lustig.

Eine politische Spitze in Richtung CSU hatte sich zu Beginn auch Prinz Chaos II nicht verkneifen können. „Herr Karmasin (französisch ausgesprochen, Anm. d. Red.) hat es wohl nicht nötig zu kommen“, stichelte er. 

Im Zwiegespräch mit dem Prinzen bewies auch Unterbezirks-Vorsitzender Michael Schrodi kabarettistisches Talent. Bevor er den Abend humorig eröffnete, richtete er aber einige Worte an die Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling und deren Angehörige. „Wir sind in Gedanken bei euch.“ Dass man die Veranstaltung nicht – wie CSU und SPD bayernweit den politischen Aschermittwoch – abgesagt hatte, sei mit der politischen Spitze abgesprochen. Die Entscheidung sei so gefallen, weil man eine kulturelle Veranstaltung böte. „Gerade in diesen Zeiten muss Platz für Trauer, aber auch für Kabarett sein.

Verena Usleber

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