Asylheim mit Absperrbändern simuliert

Gröbenzell – Die Anwohner des Gröbenzeller Fasanenwegs wehren sich weiter gegen die geplante Asyl-unterkunft. Um zu zeigen, wie das derzeit kaum bebaute Grundstück dann aussehen würde, haben sie sich etwas einfallen lassen: Mit Absperrbändern haben sie die Umrisse der Unterkunft nachgezeichnet.

Noch blicken die Nachbarn des Grundstücks Fasanenweg 30 auf eine grüne Idylle. Lediglich ein kleines Häuschen mit 110 Quadratmetern Wohnfläche steht darauf. Laut Bebauungsplan umfasst das Areal 1220, laut Vize-Bürgermeister Martin Runge 1750 Quadratmeter. Ansonsten sind dort Bäume und Büsche zu finden.

Doch das Landratsamt möchte dies ändern. Die Behörde hat bei der Gemeinde beantragt, in dem aus Ein- und Zweifamilienhäusern bestehenden reinen Wohngebiet Unterkünfte für 60 Flüchtlinge zu bauen. Nachbarn haben nun mittels Bändern für ein paar Stunden deutlich gemacht, wie das Areal aussehen würde.

„Fast das gesamte Grundstück wäre zu“, stellte Birgit Joachimsthal, die in der Nachbarschaft lebt, mit Entsetzen fest. „Wo sollen die Leute eigentlich hin?“, fragt sich der direkte Nachbar Stephan Freudenstein. Im Freien fehle im Sommer jeglicher Platz, um sich aufzuhalten.

Das Landratsamt will auf dem Grundstück 46 Container mit insgesamt zehn Wohneinheiten aufstellen. Eine Einheit besteht aus zwei Schlafzimmern, einem Bad mit Dusche, einer Küche kombiniert mit Ess- und Aufenthaltsraum.

Sechs Container sollen nahe der Straße für Heizung, Lager und Waschen, weitere acht in der Mitte des Grundstücks, der Rest zweistöckig nahe der Grundstücksgrenze im Süden platziert werden.

Diese stehen dann quasi direkt vor dem Arbeitszimmerfenster im ersten Stock von Günther Rommerskirchens Haus.

Eine völlig gebietsfremde Bebauung beklagt einer der weiteren Nachbarn, Peter Schmidtner. Zwei Blöcke liegen dabei teilweise, der große Block im Süden völlig außerhalb der im Bebauungsplan festgesetzten Baugrenzen. Zudem sind Auto- und Fahrradabstellplätze sowie ein kleiner Spielplatz geplant.

Laut Vize-Bürgermeister Runge kommt dadurch – einschließlich des bereits stehenden Hauses – eine Geschossfläche von 780 Quadratmetern zustande. Zulässig wären bei einer Grundstücksgröße von 1745 Quadratmetern aber nur 524 Quadratmeter.

Die Anlage ist laut Landratsamt für acht Jahre geplant. 60 Flüchtlinge sollen dort einziehen. Nachbar Freudenstein geht aber davon aus, dass es mehr werden könnten. Er kritisiert, dass lediglich zwei Autoabstellplätze für das Containerdorf geplant sind, und befürchtet ein Parkplatzchaos im Fasanenweg. Und daraus folgend Probleme nicht nur für Müllfahrzeuge, sondern auch für Rettungsfahrzeuge. Völlig unklar ist ihm, wie bei einem Brand die Feuerwehr den hinteren Bereich des Containerdorfes erreichen soll.

Birgit Joachimsthal wundert sich, dass das Landratsamt das Grundstück von Privatleuten anmieten will. Eigentlich habe es doch geheißen, private Grundstücke werden für Asylunterkünfte nicht mehr angemietet. Zudem habe die Gemeinde Grundstücke für Flüchtlingsunterkünfte angeboten.

Auch so mancher Gemeinderat schaute sich die Aktion der Anwohner an. Peter Falk (SPD) betonte vor Ort: „Ich habe nichts gegen Asylbewerberunterkünfte in Wohngebieten, aber die Dimension muss stimmen.“ Einen solchen Bauantrag zu stellen, hält er für „raugeschmissenes Steuergeld“. Er würde zudem den Bau von Unterkünften in Holz-Massivbauweise vor Verschleißbauten in Containerbauweise bevorzugen, zumal „Container wahnsinnig teuer sind“.

Auch Nachbar Stephan Freudenstein wehrt sich nicht allgemein gegen Asylbewerber in seiner Nachbarschaft. Er macht klar, dass nur die Größe der geplanten Unterkunft nicht verträglich sei. „Gegen zehn Asylbewerber im bestehenden Haus hat niemand etwas.“ Daniel Holmer (Grüne) monierte: „Es ist absurd, zu versuchen, das Baurecht auszuhebeln.“

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